Das Gewinnerbild von Martin Roth ist im Bosch-Parkhaus am Flughafen Stuttgart entstanden. Foto: Martin Roth

Ein Fotowettbewerb soll Parkhäuser in ein besseres Licht rücken. Wir zeigen die prämierten Aufnahmen, die in der Region entstanden sind. Eröffnen sich künftig ungewöhnliche Aussichten für die Orte, an denen man eigentlich nur sein Auto abstellt?

Stuttgart - Wer bisher gedacht hat, Parkhäuser seien nur zum Parken gut, habe die Sache zu eindimensional betrachtet, glaubt der Geschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) Tobias Bringmann. Er will durch den Fotowettbewerb „Parkhäuser“ die Aufmerksamkeit der Menschen für das zukünftige Potenzial der Orte gewinnen.

Gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Arbeitsorganisation Stuttgart (IAO) hatte der VKU vor zwei Jahren das Forschungsprojekt „Parkhäuser der Zukunft“ gestartet. Man habe sich damals gedacht: „Warum nicht mal einen Fotowettbewerb initiieren, um einen neuen Blick zu gewinnen?“, sagt Bringmann.

50 Fotografen aus ganz Deutschland nahmen teil

Der Vorschlag sei nicht nur intern auf Anklang gestoßen. Obwohl das Thema auf den ersten Blick eher ungewohnt sei, hätten überraschend viele Teilnehmer hochwertige Aufnahmen eingeschickt, so Bringmann weiter. Insgesamt setzten 50 Fotografen aus ganz Deutschland Parkhäuser auf unterschiedliche Weise in Szene. Am besten gelungen ist das Martin Roth aus Leonberg. Mit seinem Bild des Bosch-Parkhauses am Stuttgarter Flughafen belegt er den ersten Platz und gewinnt ein Preisgeld von 1200 Euro. Das Foto zeigt zwei Kinder an der Brüstung stehend, die auf die Filder­ebene schauen. Die Jury beschreibt die Wirkung so: „Gezeigt wird öffentlicher Raum als Lebensraum, als ein Ort von Mobilität, eingebunden in seine Umwelt und nicht von ihr losgelöst.“ Das Bild wecke im Betrachter Sehnsüchte und rege dazu an, die Gedanken schweifen zu lassen.

Der zweite Platz ist mit 600 Euro dotiert und geht an Konrad Simon aus Stuttgart für das gekonnt inszenierte Foto einer Tiefgarageneinfahrt. Mit einer Aufnahme vom Dach der Hofdienergarage an der Schellingstraße beim Stadtgarten gewinnt Stefan Schorer 300 Euro für Platz drei.

Parkhäuser sollen zu Orten echter Begegnungen werden

Tobias Bringmann ist zufrieden mit dem Ergebnis des Fotowettbewerbes. Es sei gelungen, Parkhäuser in ihrer Bedeutung als wirtschaftliche und soziale Räume darzustellen. „Parkhäuser sind öffentliche Orte erster Klasse, doch besteht noch mancherorts Luft nach oben was Bauästhetik und Funktionalität betrifft“, sagt Bringmann.

Im Rahmen des Forschungsprojektes seien viele Ideen zur Erweiterung der Nutzung über das Parken hinaus aufgekommen. Parkhäuser sollen zu Orten echter Begegnungen werden. Flächen für Geschäfte, Cafés und Restaurants oder Servicedienstleistungen wie Autowäsche und Tanken im gleichen Gebäude könnten dazu beitragen. Dies sei langfristig gedacht – für die Zeit nach den Verbrennungsmotoren, wenn die Luft im Parkhaus nicht mehr so gesundheitsschädlich ist und Menschen sich bedenkenlos länger aufhalten könnten.

Allerdings sei die Planung in der Gegenwart unumgänglich, denn Parkhäuser, die jetzt gebaut werden, müssen über mindestens 20 Jahre die Bedürfnisse von Autofahrern erfüllen können. Für bereits bestehende Parkhäuser sei es eine Idee, mehr Werbeflächen zu installieren. Vor allem die Stadt und die Stadtwerke als Betreiber der meisten Parkhäuser könnten die Flächen nutzen, um eigene Projekt zu präsentieren. So könnte zum Beispiel für erneuerbare Energien geworben werden.

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