Kurz vor der Öffnung am Montag: das neue Parkhaus. Foto: factum/

Mit einem neuen Parkhaus, das 242 zusätzliche Stellplätze bereit hält, gibt es am Bahnhof in Vaihingen an der Enz nun 1000 kostenlose Abstellmöglichkeiten für Umsteiger.

Vaihingen an der Enz - Rund 750 Parkplätze waren es seither schon, seit Montag ist die Zahl der Abstellmöglichkeiten für Autofahrer, die auf den Öffentlichen Nahverkehr in umsteigen wollen, vierstellig: Auf dem größten Park- und Ride-Bahnhof der Region Stuttgart am Bahnhof in Vaihingen an der Enz ist ein neues Parkhaus mit 242 Stellplätzen eröffnet worden. Die knapp vier Millionen Euro Baukosten tragen das Land und die Region Stuttgart mit.

Die Region ist auch in die Finanzierung der Betriebskosten eingestiegen – „und zwar nicht nur für die neuen, sondern für alle Parkplätze auf der Anlage“, sagte der Vaihinger Oberbürgermeister Gerd Maisch (Freie Wähler) bei der Übergabe des Parkhauses. „Sonst hätten wir das Angebot, die Plätze kostenlos zur Verfügung zu stellen, nicht aufrecht erhalten können.“

Hoffen auf Entlastung

Gerade das, unterstrich der Vorsitzende des Verbandes Region Stuttgart, Thomas Bopp, sei in der Peripherie der Landeshauptstadt aber von zentraler Bedeutung. „Wer weit draußen ist, soll erst einmal nichts zahlen müssen“, sagte Bopp. Das erhöhe den Anreiz, vom Auto auf den Öffentlichen Personennahverkehr umzusteigen. Diffiziler sei die Lage, wenn P&R-Stellplätze innerörtlich oder benachbart zu Einkaufszentren lägen, „dann ist es schwierig zu kontrollieren, dass auch wirklich nur ÖPNV-Kunden sie nutzen.“ Dass die Stadt Vaihingen in weitere Stellplätze an ihrem Bahnhof investiert habe, sei verdienstvoll: „Denn Sie tun das ja nicht nur für Ihre eigenen Bewohner, sondern für Leute, die außerhalb leben.“ Die Nutzer des Parkplatzes kommen nicht nur aus den Vaihinger Nachbarorten im Landkreis Ludwigsburg, sondern auch aus Mühlacker, Illingen, einige sogar aus Eppingen, Pforzheim oder Karlsruhe.

Dennoch hoffen vor allem die Vaihinger auf Entlastung – bei der eigenen Parkplatzsuche, aber auch bei den Auswüchsen des Suchverkehrs. Die Bewohner des bahnhofsnahen Ortsteils Kleinglattbach können ein Lied davon singen: In den südwestlichen Wohngebieten drängen sich oft Parker, die am Bahnhof leer ausgehen.

Das Umsteigen attraktiver machen

Die neue Taktverdichtung beim Interregio-Express zwischen Karlsruhe und Stuttgart und die VVS-Tarifreform mit den nun günstigeren Preisen machten das Umsteigen vom Auto auf die Schiene noch attraktiver, sagte Gerd Maisch (Freie Wähler). „Nächstes Jahr kommt noch ein neuer Radweg aus der Stadt zum Bahnhof dazu.“ Thomas Bopp nannte es als Ziel, perspektivisch „Park and Ride systemisch auf die S-Bahn auszurichten“ und in den Kommunen, wo eine Gebührenfreiheit nicht machbar sei, „mit Parkgebühren zu kombinieren“, um weitere Anreize dafür zu schaffen, das Auto stehen zu lassen.

In der Region Stuttgart gibt es rund 17 700 Park- and Ride-Stellplätze mit unterschiedlichen Betreiber- und Gebührenmodellen; das Vaihinger Pendler-Areal am Bahnhof ist das weitaus größte von allen. Der Verband Region Stuttgart will an strategisch wichtigen Standorten die P&R-Politik selbst mitgestalten und hat mit 18 Kommunen Verträge zur Co-Finanzierung bestehender und zum Bau neuer Parkplätze geschlossen.

Fernzüge, Regionalzüge, S-Bahn

Er hoffe, dass die rund 1000 Parkplätze für die nächsten Jahre ausreichten, sagte Gerd Maisch. „Wenn nicht, würde das zumindest zeigen, dass mehr Menschen das Umsteige-Angebot nutzen.“ Den Bahnhof selbst frequentieren täglich etwa 6500 Menschen. Er ist Haltepunkt für Fern- und Regionalzüge und die S-Bahn aus dem Raum Karlsruhe. Die Stuttgarter S-Bahn hingegen fährt nicht bis dorthin: Die S5 endet in Bietigheim-Bissingen.

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