Stolzer Goldmedaillengewinner: Niko Kappel Foto: Baumann

Niko Kappel führt ein äußerst optimistisches Leben, in dem er im Kugelstoßring, an der Trommel und am Welzheimer Ratstisch oft im Mittelpunkt steht. Mit dieser Einstellung hat es der 1,40 Meter große Leichtathlet weit gebracht – bis zum Paralympics-Goldmedaillengewinner.

Welzheim - Auf den Welzheimer Straßen wird der junge Mann oft von Kindern gefragt: „Warum bist du denn so klein?“ „Ich habe einfach früh aufgehört zu wachsen“, sagt der 21-jährige Niko Kappel dann. Er hat allerdings nicht wie der Sonderling Oskar Matzerath in Günter Grass’ „Blechtrommel“ sein Wachstum von sich aus verweigert – und er führt ein äußerst optimistisches Leben, in dem er im Kugelstoßring, an der Trommel und am Welzheimer Ratstisch oft im Mittelpunkt steht.

Niko Kappel ist 1,40 Meter klein, sportlich gesehen jedoch schon ein ganz Großer. Seit 2015 hält er den deutschen Rekord mit der Vier-Kilo-Kugel. Damit ging sein erster großer Traum in Erfüllung gegangen, der zweite wurde am Donnerstag (Ortszeit) in Erfüllung. Bei den Paralympics in Rio de Janeiro sicherte er sich die Goldmedaille, indem er seine nationale Bestmarke auf 13,57 Meter steigerte.

Kappel wirft auch den Speer, ist musikalisch als Schlagzeuger unterwegs und sitzt zudem im Gemeinderat von Welzheim. „Niko ist der Sonnenschein von Welzheim“, sagen die, die ihn gut kennen. In der Tat versprüht der kleine Mann mit dem großen Herzen fast immer gute Laune.

Seit 2015 hält Niko Kappel den deutschen Rekord

Seinen ersten deutschen Rekord hatte er 2015 in Bönnigheim mit 11,96 Meter aufgestellt. Jubelnd riss er damals – wie jetzt in Rio – im Ring beide Arme nach oben. So sehen Sieger aus! Und Seine Mutter nahm ihn mit Tränen in den Augen in die Arme. Nach einer normalen Schwangerschaft hatte sie einst irgendwann bemerkt: „Der Kerl wird nicht größer.“ Im Kindergarten setzten die Füße der Kinder beim Vesper auf dem Boden auf. Nur die von Niko hingen in der Luft. Der Großvater sägte die Beine von Nikos Hocker ab. Chancengleichheit.

Diese sucht er bis heute und hat sie im Sport gefunden. Als Schüler kickte er im Sturm, schoss viele Tore. Doch auf Dauer war die Ungleichheit zu groß, er wechselte zur Leichtathletik.

„Was muss ich tun, um an den Paralympics teilzunehmen?“, fragte Niko Kappel 2009 seine Trainerin Gabi Rotfuß vom Württembergischen Behinderten- und Rehabilitationssportverband (WBRV). Dies war gleichzeitig eine Ansage für eine erfolgreiche Karriere. Kappel gewann inzwischen elf Medaillen bei Juniorenweltmeisterschaften. Und seit Donnerstag ist er Paralympics-Goldmedaillengewinner!

Der Welzheimer trainiert am Stuttgarter Olympiastützpunkt bei Peter Salzer

Viermal trainiert Niko Kappel wöchentlich am Stuttgarter Olympiastützpunkt in der Gruppe des Landestrainers Peter Salzer. Und auch hier sorgt Niko Kappel für Stimmung, muntert die Gruppenmitglieder immer wieder auf. Er hat im vorvergangenen Winter erstmals Krafttraining durchgeführt. Der entscheidende Grund für seinen enormen Leistungssprung ist jedoch die Umstellung auf die technisch anspruchsvolle Drehstoßtechnik. Kappel streckt die Vier-Kilo-Kugel mit dem rechten Arm nach oben, tippt mit dem linken Fuß auf den Boden, es folgt eine schnelle Drehung und ab geht das Stück Eisen.

„Ich bin glücklich, dass ich bei Peter Salzer und bei Thomas Strohm gelandet bin“, sagt Kappel zu seinen Trainern mit der Kugel und dem Speer. Kappel hat alle seine Herausforderungen angenommen. „Ich bin wie ich bin“, sagt er verschmitzt. Mit allen Einschränkungen. Der kleine Mann ist ein großes Vorbild, sportlich und menschlich.

Kugelstoßer Kappel ist 1,40 Meter groß.

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