Reisende schlafen am Helmut-Schmidt-Airport im „Terminal Tango“ auf Feldbetten. Nach einem Stromausfall am Sonntag war der Flugbetrieb am Montagmorgen wieder aufgenommen worden, es kam aber weiter zu Verzögerungen. Foto: dpa

Nach eintägigem Stillstand hat der Hamburger Flughafen den Betrieb wieder aufgenommen. Im Stromnetz finden die Experten die Fehlerursache.

Hamburg/Stuttgart - Der Komplettausfall des Hamburger Flughafens am Sonntag hat bei den betroffenen Passagieren viel Ärger ausgelöst und hohe Kosten verursacht. Viele fragen sich, wie so etwas passieren konnte. Hierzu Fragen und Antworten:

Wir konnte ein Kurzschluss einen ganzen Großflughafen lahmlegen?
Grund für den Stromausfall war nach Angaben des Flughafens eine schadhafte Isolierung an einem Kupferkabel. Dieser Schaden führte zu einem heftigen Kurzschluss, der zahlreiche benachbarte Kabel einbezogen hat. Der Kurzschluss entstand in der Stromversorgung des Blockheizkraftwerks des Flughafens. Nachdem der Schaden lokalisiert war, mussten 42 Kabel auf 540 Meter Länge großflächig ausgetauscht werden.
Kann das auch an anderen Flughäfen passieren?
Stromausfälle über Stunden gab es vereinzelt auch an anderen Flughäfen, zum Beispiel im vergangenen Dezember am weltgrößten Flughafen Atlanta im US-Bundesstaat Georgia. Sie sind jedoch sehr selten. Die deutschen Flughäfen seien dafür bestens gerüstet, hatte der Flughafenverband ADV damals mitgeteilt. Zu dem Hamburger Vorfall äußerte sich der ADV bisher nicht.
Wird durch den Flughafen-Ausfall das Vertrauen der Bürger in die Zuverlässigkeit großer technischer Systeme beschädigt?
Eher nicht. „Das ist ein großes Ärgernis“, sagt Maik Poetzsch, der gemeinsam mit ­anderen Autoren die Folgen eines größeren Blackouts in Deutschland untersucht hat. „Es wird aber schnell wieder vergessen.“ Es sei in der Bevölkerung gut verankert, dass technische Systeme auch einmal ausfallen können. Das lasse sich nicht ändern und werde hingenommen wie das Wetter.
Was würde passieren, wenn die Stromversorgung für längere Zeit und in einem größeren Bereich unterbrochen würde?
Das wäre eine Katastrophe, die sehr schnell zum Zusammenbruch weiter Teile der Versorgung führen würde und viele Tote zur Folge hätte. „Schon nach zwei Stunden gibt es keine Kommunikation mehr, auch nicht unter Helfern und Behörden“, sagt Poetzsch. In der Studie „Was bei einem Blackout geschieht“ hat das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) schon 2010 aufgeschrieben, was passieren würde: Keine Kommunikation mehr möglich, kaum noch Verkehrsmittel nutzbar, Energie- und Wasserversorgung brechen zusammen, die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln stockt.
Wie groß ist das Risiko, dass dies eintritt?
Sehr gering. Schon der Hamburger Stromausfall war ein Einzelereignis, das so zumindest seit Jahrzehnten nicht vorgekommen ist, vermutlich noch nie. „Deutschland hat eines der sichersten Stromversorgungssysteme der Welt“, teilte die Bundesregierung im März auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion mit. Rein statistisch muss jeder Verbraucher im Durchschnitt nur 12,8 Minuten pro Jahr ohne Strom auskommen. Ein Fall wie in Lübeck, wo am 16. Mai der Strom für 146 000 Haushalte für vier Stunden ausfiel, ist eher selten. Die Versorgungssicherheit am Strommarkt liege oberhalb von 99,99 Prozent. Es stünden zudem verschiedene Reserven zur Verfügung, die regelmäßig an den Bedarf angepasst würden.
Kann auch der Stuttgarter Flughafen von einer solchen umfassenden Panne wie in Hamburg betroffen sein?
„Derzeit ist es zu früh, Rückschlüsse zu ziehen“, sagte Schumm. Erst müsse der Fehler dort genau analysiert werden. Direkte Ableitungen seien ohnehin schwierig, „denn jeder Flughafen ist anders“, sagt Flughafensprecher Johannes Schumm. In Stuttgart sei man mit einer dezentralen Notstromversorgung grundsätzlich sehr gut aufgestellt. Der Sprecher sagte jedoch auch: „Ein Blackout lässt sie nie völlig ausschließen.“ Kein Flughafen sei davor gefeit.
Seit wann kann man wieder von Stuttgart nach Hamburg fliegen?
Auch in Stuttgart heben die Flugzeuge in Richtung Hamburg wieder planmäßig ab. „Die beiden ersten Maschinen sind schon vor 7 Uhr am Montag gestartet“, so Schumm. Vereinzelt komme es zwar noch zu Verspätungen, der Flugbetrieb normalisiere sich aber wieder. Passagieren mit Ticket nach Hamburg empfiehlt der Stuttgarter Flughafensprecher, weiterhin regelmäßig den Flugstatus zu überprüfen. Für Montag standen in Stuttgart 18 Hamburg-Flüge im Flugplan – jeweils neun Abflüge und Ankünfte. Sie werden alle von Eurowings abgewickelt. Die Airline ist die einzige, die Direktflüge in die Hansestadt anbietet. Am Sonntag mussten insgesamt elf Hamburg-Flüge gestrichen werden.
Werden die Fluggäste entschädigt?
Nach Auffassung von Verbraucherschützern soll ein Gericht entscheiden, ob die gestrandeten Reisenden in Hamburg Anspruch auf Entschädigung haben. Es sei unklar, ob die Fluggesellschaften für die Flugausfälle haftbar seien, sagte André Schulze-Wethmar vom Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland. Die Fluglinien müssen laut Gesetz nicht entschädigen, wenn Flüge wegen „außergewöhnlicher Umstände“ gestrichen werden müssen. Dazu gehören Streiks, außerordentlich schlechtes Wetter, Sicherheitsrisiken und politische Instabilität. Unabhängig davon, wer die Flugstreichungen zu verantworten hat, haben Reisende laut Schulze-Wethmar Anspruch, von ihrer Fluggesellschaft betreut zu werden.
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