Für die riesigen Palmölplantagen werden in Indonesien jährlich Tausende Hektar Regenwald abgeholzt und abgebrannt. Foto:  

Seit Jahren warnen Naturschützer vor einem steigenden Verbrauch von Palmöl. Doch noch immer wird in Südostasien Regenwald für Palmölplantagen zerstört. Im Südwesten haben einige Unternehmen umgestellt – doch viele hinken noch hinterher.

Stuttgart - Groß war die globale Aufmerksamkeit nicht, als in Indonesien im vergangenen Herbst knapp zwei Millionen Hektar Regenwald brannten. Eine Fläche so groß wie Sachsen. Dabei sind es Wälder und Moore, die nicht nur Lebensraum für seltene Pflanzen- und Tierarten wie Orang-Utans oder Tiger sind, sondern auch gigantische Kohlenstoffspeicher. 1500 Millionen Tonnen des ­klimaschädlichen Treibhausgases wurden durch die Waldbrände freigesetzt – in wenigen Wochen mehr, als Deutschland in einem Jahr ausstößt.

Seit Jahren warnen Naturschützer, dass die jährlich wiederkehrenden riesigen Waldbrände in Indonesien nicht nur natür­liche Ursachen haben. Großflächige Rodungen und Trockenlegungen von Torfmooren in   diesen Gebieten stecken dahinter. Oder Brandstifter, die illegal Flächen schaffen wollen für neue Nutzholz- oder Palmölplantagen. Denn Ölpalmen wachsen unter ähnlichen Bedingungen wie Regenwälder – und bringen enorm viel Geld. Grund ist vor allem der weltweit rasant steigende Bedarf an Palmöl. „Pflanzliches Öl ist global gesehen eher knapp“, sagt Iris Lewandowski, Agrarwissenschaftlerin an der Universität Hohenheim. Und die Ölpalmen sind extrem produktiv: Viermal so hohe Ölerträge wie Raps bringt die Palme je Hektar Anbaufläche und sogar bis zu siebenmal so viel Öl wie Sonnenblumen, sagt Lewandowski.

Palmöl steckt in etwa der Hälfte aller Supermarktprodukte

Das Pflanzenfett ist nicht nur billig, sondern außerdem geschmacksneutral und hitzebeständig. Palmöl ist daher inzwischen das meistverwendete Pflanzenöl der Welt – rund 60 Millionen Tonnen gelangen jährlich auf den Weltmarkt. Knapp dreimal so viel wie noch vor 20 Jahren. Die Tendenz ist steigend. Palmöl steckt mittlerweile in etwa der Hälfte aller Supermarktprodukte, rechnet die Umweltorganisation WWF vor. Zum Beispiel in Schokolade, Nuss-Nougat-Creme, in Tiefkühlpizza, Chips, Kosmetika, Waschmittel oder Duschgel. Außerdem stecken bis zu sieben Prozent pflanzliche Öle im Biosprit – oftmals wird dabei auch Palmöl beigemischt. Rund die Hälfte der 5,9 Millionen jährlich in Deutschland verbrauchten Tonnen Palmöl werden inzwischen energetisch genutzt.

Knapp 80 Prozent des weltweit verbrauchten Palm- und Palmkernöls kommen aus Indonesien und Malaysia. In Indonesien ist die Palmölbranche für ein Fünftel des Waldverlusts zwischen 2009 und 2011 verantwortlich. Die Monokulturen bedrohen dort nicht nur die Artenvielfalt, sondern haben auch Vertreibung der Landbevölkerung, Druck auf Kleinbauern und Korruption zur Folge, warnt Greenpeace. Die Umweltschützer nehmen deshalb insbesondere globale Konsumgüter-Konzerne in die Pflicht.

Eine aktuelle Untersuchung von Greenpeace zeigte nun allerdings: Große Konzerne wie Colgate-Palmolive, Johnson & Johnson, Pepsi oder Unilever können noch immer nicht ausschließen, dass in ihren Produkten Palmöl aus fragwürdiger Herkunft steckt – also solches, für das Regenwald oder Moorland zerstört wurde, sagt Greenpeace-Expertin Gesche Jürgens. Untersucht wurde vor allem, ob auch Zulieferer sich an die Vorgaben halten. Lediglich zwei Firmen bescheinigt Greenpeace, dass sie die selbst ­gesteckten Nachhaltigkeitsziele einhalten: Ferrero und Nestlé. Und das, obwohl sich alle 14 von Greenpeace untersuchten Großkonzerne in den vergangenen zwei Jahren zur Verwendung von nachhaltigem Palmöl verpflichtet haben.

Viele Südwestfirmen setzen auf zertifiziertes Palmöl

Viele dieser Unternehmen setzen dabei auf zertifiziertes Palmöl – das bekannteste Siegel stammt vom Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO). Etwa 20 Prozent der globalen Palmölproduktion erhalten das Zertifikat. In Deutschland deckt laut einer WWF-Umfrage unter 200 Unternehmen mittlerweile etwa die Hälfte ihren Bedarf zumindest teilweise mit zertifiziertem Palmöl, knapp ein Drittel bereits ausschließlich.

Vielen Umweltschützern geht das nicht weit genug. Auch Agrarwissenschaftlerin Lewandowski fordert, dass die Palmöl abnehmenden Unternehmen noch mehr Verantwortung übernehmen – und die Produzenten beispielsweise bei der teuren Rekultivierung von brachliegendem Grasland unterstützen.

Viele Lebensmittel- oder Kosmetikkonzerne im Südwesten haben unterdessen bereits umgestellt, ergibt eine Umfrage unserer Zeitung. Sie zeigen sich verantwortungsbewusst: „Palmöl ist in der Tat schwer ersetzbar“, sagt Thomas Seeger, Sprecher von Ritter Sport aus Waldenbuch. „Wenn für den Anbau keine Brandrodungen durchgeführt werden, muss das aber auch nicht sein.“ Man mache es zur Bedingung für die Lieferanten aus Südostasien, dass Verträge über nachhaltige Palmölproduktion abgeschlossen werden, sagt Seeger, Der Schokoladenkonzern setzt auf RSPO-Zertifizierung: Zumindest ein Teil des eingesetzten Palmfetts kann über die gesamte Lieferkette hinweg zurückverfolgt werden – und muss zu einem bestimmten Anteil aus nachhaltiger Produktion stammen. „Momentan sind wir dabei, die nächste Stufe der Zertifizierung vorzubereiten, bei der tatsächlich die Herkunft des Palmöls bis zur Plantage nachvollziehbar ist.“

Ähnlich ist die Lage auch bei anderen ­Lebensmittel- und Kosmetikkonzernen im Land. Die Handelsketten Edeka und Kaufland beispielsweise verwenden für ihre Eigenmarken RSPO-zertifiziertes Palmöl. Die Naturkosmetik-Hersteller Wala, Speick und Weleda gehen noch weiter: Sie verwenden zum Teil Palmöl aus ökologischem Anbau. Doch ganz verzichten, heißt es, könne man auf das umstrittene Öl aus den Waldgebieten nicht.

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