Renate Gebessler (links) und ihr Freundesverein ermöglichen Künstlern wie Heid Foto: F. Tetik

Heidrun Böhmichen stellt ihre Werke im Karl-Olga-Krankenhaus aus. Ein Verein ermöglicht das.

Ostheim - „Zwischen Experiment und Spiel“, so lautet der Titel der aktuellen Ausstellung im Karl-Olga-Krankenhaus in der Hackstraße 61, die am Mittwoch im Klinik-Foyer eröffnet wurde. Die Künstlerin Heidrun Böhmichen gewährt mit ihren großformatigen Kompositionen in Acryl und kleinen Kabinettstücken in Wachskreide erstmals einer größeren Öffentlichkeit einen Einblick in ihr künstlerisches Werk. Bislang waren die Werke der ehemaligen Leistungssportlerin, die in der DDR aufgewachsen und 1974 nach Stuttgart geflohen ist, vor fremden Blicken geschützt gewesen und genossen die Intimität des Ateliers.

Renate Gebessler vom Verein der Freunde des Karl-Olga-Krankenhauses ermutigte die Künstlerin dazu, sich der Öffentlichkeit zu stellen. „Ich habe sofort gesehen, welche Energie in dieser Frau steckt“, erzählt Gebessler. „Die großen Leinwände verlangen einem Künstler viel Mut ab, bei den kleinen Kabinettstücken hingegen muss das Gesagte in knapper Form erscheinen. Das kann nicht jeder!“

Hinzu kommt, dass die gelernte Osteopathin Heidrun Böhmichen erst spät zur Malerei kam. Seit früher Kindheit lag ihr künstlerischer Schwerpunkt auf der Musik, insbesondere dem Klavierspiel. Seit 2009 widmet sich die gebürtige Leipzigerin nun mit vollem Ernst und großer Intensität der Malerei. „Ich habe mit großem Interesse das Anwachsen ihres Bildstocks mit angesehen“, berichtet Gebessler.

Kunst schafft wohlige Atmosphäre

Mittlerweile verbringt die ehemalige Schwimmerin jede freie Sekunde in ihrem Atelier. „Die Malerei trägt zum Sinn und zur Gestaltung in meinem Leben bei“, unterstreicht die selbstständige Physiotherapeutin. Angetrieben vom Hunger nach Freiheit, experimentiert und spielt sie in ihren Bildern mit Farben, Formen und Maltechniken. Indem sie in die großformatigen Leinwände Formen einritzt, entstehen neuartige Reliefs. Fast meint man, die vernichtende Hitze der Lava in den Inferno-Werken spüren zu können, wenn man vor ihnen steht. Acryl, Wachs, Sand und Asche formen sich zu einem knalligen Feuerwerk. Erde und Tusche in Harmonie mit Acryl vereinen sich im Bild Sommerabend. Böhmichens Werke gleichen einem eruptiven Gefühlsausbruch, sie strotzen vor Energie und dem Drang nach Freiheit.

„Wenn man wie ich aus einem unfreien Staat kommt, versucht man auch seine Gefühle in den Bildern zum Ausdruck zu bringen“, erklärte Heidrun Böhmichen bei der Vernissage. Inspiration holt sich Böhmichen aus unterschiedlichen Bereichen, nicht selten entsteht ein Kunstwerk nach einem Konzertbesuch.

Die Bilder im Foyer und in der Cafeteria des Krankenhauses sind bis zum 15. September zu sehen. Der Verein der Freunde des Karl-Olga-Krankenhauses organisiert die wechselnden Ausstellungen im Krankenhaus. Die Vorsitzende Renate Gebessler ist vom Nutzen der Kunstwerke im Krankenhaus überzeugt: „Kunst fördert das Wohlbefinden und ist somit ein wichtiger Bestandteil des Heilungsprozesses.“ Mit den Ausstellungen will der Verein Patienten bei ihrer Gesundung unterstützen.

Zudem schaffen die bunten Bilder eine positive Atmosphäre im sterilen Krankenhausalltag, strahlen Geborgenheit und Wärme aus und vermitteln schlichtweg Freude – nicht nur den Patienten, sondern auch den Besuchern und Mitarbeitern. Für noch unbekannte oder junge Künstler wie Heidrun Böhmichen sind die Ausstellungen zudem ein Forum, sich und ihr Werk zu präsentieren. Claudia Pötzsch, die Leiterin des Bereichs Unternehmensentwicklung und Medizinstrategie des Karl-Olga-Krankenhauses, zeigte sich erfreut über die neuen, farbenfrohen Werke. „Die etablierte Kunst schafft eine wohlige Atmosphäre in unserem kleinen, aber stets lebendigen Mikrokosmos.“

KARL-OLGA-KRANKENHAUS

Geschichte
König Karl und seine Ehefrau Olga gründeten 1894 das Karl-Olga-Krankenhaus, in dem bis zu hundert Patienten medizinisch versorgt werden konnten. Damit sollte ein Raum geschaffen werden, in dem der „Dienst am Menschen“, die gelebte Nächstenliebe, im Zentrum der gesamten Arbeit steht.

Olgaschwestern
Schon damals kümmerten sich die Olgaschwestern um die Patienten in dem Krankenhaus an der Hackstraße. Auch heute noch ist das Diakonissenmutterhaus der Olga­schwestern an der Trägerschaft des Krankenhauses beteiligt. Infos im Internet: www.olgaschwestern.de.

Sana
Seit 1985 ist die private Sana Kliniken AG mit 74 Prozent der Hauptträger des Krankenhauses. Gleichzeitig wird Wert darauf gelegt, dass der diakonische Charakter des Hauses erhalten bleibt. Das Karl-Olga-Krankenhaus ist außerdem Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Ulm.

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