Für den Fernsehkoch Johann Lafer und Ulrich Enderle (rechts) blieb am Rande des Studiobetriebs Zeit für privaten Smalltalk. Foto: privat

Der Ostfilderner Pfarrer Ulrich Enderle von der Bonhoeffer-Kirchengemeinde hat die ZDF-„Küchenschlacht“ gewonnen. Unterstützt wurde er von dem bekannten Fernsehkoch Johann Lafer.

Ostfildern - Der evangelische Pfarrer Ulrich Enderle kennt sich nicht nur in Glaubensfragen oder mit der Betreuung von Flüchtlingen aus. Nein, der 54-Jährige aus Ostfildern kann auch ausgezeichnet kochen. Das ist nicht einfach nur so daher gesagt. Ulrich Enderle hat das vor einem Millionenpublikum eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Er hat die jüngste Ausgabe der „Küchenschlacht“ im ZDF gewonnen.

In dem Duell, in dem sich Hobbyköche ungeachtet ihres Alters, Geschlechts, ihrer Herkunft oder ihres Berufsstands mit der Unterstützung bekannter Sterneköche hinterm Herd messen, kämpfte sich Ulrich Enderle Runde für Runde weiter und siegte auch im Finale. Sein im Koch-Endspiel unterlegener Gegner vermutete, der Pfarrer habe sich offenbar „Gottes Beistand geholt“, erzählt Ulrich Enderle. Tatsächlich aber haben Christian Lohse, dem Berliner Sternekoch und Richter über Sieg und Niederlage, Enderles Maiscremesuppe mit Lamm-Saté und die gratinierten Forellenfilets auf Orangenspargel einfach nur göttlich geschmeckt.

Zu wenig Spätzlesmehl

Ulrich Enderle kann auch einige Tage nach der Ausstrahlung der Sendung seinen Erfolg „noch gar nicht fassen“. Zumal er „sicher nicht der Favorit“ gewesen sei. In kurzer Zeit seien in dem Hamburger Fernsehstudio viele Eindrücke auf ihn eingeprasselt. An drei Tagen seien fünf Runden gedreht worden, da komme ordentlich Stress auf. Erst allmählich habe er sich eine Art von Routine erarbeitet, denn die erste Runde sei „grauenvoll“ gewesen. Der Herd entwickelte zu wenig Hitze, und es war zu wenig Spätzlesmehl bereitgestellt worden, weshalb „der Teig zu weich wurde“ – für einen Schwaben der Worstcase schlechthin. Dennoch habe es sich ausgezahlt, vorab am heimischen Herd ein wenig zu üben. Denn so sei ihm Extravagantes wie roher Artischockensalat mit Sauerampfercreme und Wolfsbarschtatar oder Fetuccine mit Kirschtomaten und Calamaretti in schwarzer Sauce ganz gut gelungen.

Zu Hause ist seiner Tochter und deren Freundin im vergangenen Oktober auch die Idee gekommen, Ulrich Enderle für den populären Wettbewerb anzumelden. Nicht aus dem sprichwörtlichen hohlen Bauch heraus, sondern ganz im Gegenteil: Der 54-Jährige hatte die beiden zuvor sonntäglich bekocht. Die Fernsehmacher schienen von der Bewerbung angetan und luden Ulrich Enderle ein – wohl auch, „weil denen ein Pfarrer gerade recht war“.

Kochen mit König Johann Lafer

Parallelen zwischen den beiden Berufen könne er durchaus ziehen, sagt Ulrich Enderle. Denn „Essen kochen ist wie eine gute Predigt zu schreiben“. Man bemühe sich im Vorfeld bei beidem um ein gutes Gelingen. Aber man erfahre erst hinterher, „ob man die Menschen damit bezaubert“.

Ihm und seinen Konkurrenten zur Seite gestellt wurde Johann Lafer, das Urgestein unter den Fernsehköchen. Im privaten Smalltalk hinter den Kulissen, habe er Lafer ein wenig näher kennengelernt, erzählt Ulrich Enderle. Er habe gewusst, dass sich der im Fernsehen omnipräsente Sternekoch gerne wie ein König gebe, „und er ist auch einer“, sagt Enderle und schmunzelt. Er hat aber auch Interessantes von Johann Lafer erfahren. Zum Beispiel, dass dieser „auch mal Pfarrer werden wollte“.

Der Pfarrer Ulrich Enderle bestreitet indes, dass er einmal Koch werden wollte. Aber als Option für den „dritten Lebensabschnitt“ könne er sich diese Profession schon vorstellen. Zumal der Berufsstand in der Familie fest verankert sei: Ulrich Enderles Mutter kam aus der Gastronomie, und sein Sohn lernt Koch in einem Berliner Restaurant, das ganz in der Nähe des „Fischers Fritz“ liegt, dem Gourmet-Tempel von Christian Lohse.

Weiter geht’s in der Champions-Week

Zu Hause koche er gerne für die Familie und auch einfach für sich selbst, wenn seine Frau beruflich bedingt nicht zu Hause sei. Und neuerdings bereitet er eine Portion mehr für den 30 Jahre alten Kameruner Tessa zu, den die Enderles bei sich aufgenommen haben, nachdem die Ostfilderner Notunterkunft Blumenhalle im Scharnhauser Park geschlossen wurde.

Mit dem Küchenschlacht-Sieg ist die Fernsehkarriere des Pfarrers Ulrich Enderle von der Evangelischen Dietrich-Bonhoeffer-Kirchengemeinde Ostfildern, die für den Scharnhauser Park und die Parksiedlung zuständig ist, noch nicht beendet. Denn auf ihn warten die Champions-Weeks, die am 19. Mai aufgezeichnet und am 30. Mai im ZDF ausgestrahlt werden. Um sich auch dort durchzusetzen, benötigt er sicher nicht Gottes Beistand, er muss einfach nur göttlich kochen.

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