Juliane Schreiber (links) und Tanja Kürner fordern mehr Konstanz in der Kinderbetreuung. Foto: Rudel

Eltern schlagen Alarm: In einer Kindertagesstätte im Scharnhauser Park haben in 18 Monaten 16 mal die Erzieherinnen gewechselt. Die Kinder sind zutiefst verunsichert.

Ostfildern - Zuletzt haben sie einen Brandbrief geschrieben, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Juliane Schreiber und Tanja Kürner, beide aus der Parksiedlung in Ostfildern, sind es leid, dass in der Kindertagesstätte Parkspielerei die Erzieherinnen der Kleinkindgruppe ständig wechseln.

Kinder unter drei Jahren brauchen eine feste Bezugsperson, sonst fühlen sie sich unsicher, und es wird für die Mütter kaum mehr möglich, die Kinder ohne Tränen und Geschrei morgens abzugeben. Das tut weder den Müttern, noch den Kindern, noch den Erzieherinnen gut.

Die Eltern fühlen sich allein gelassen

Juliane Schreiber hat eine Aufstellung von März vergangenen Jahres bis zum Mai gemacht, aus der hervorgeht, dass auf den drei Stellen der Kleinkindgruppe insgesamt 16 Mal die Erzieherinnen wechselten, eine Erzieherin sei sogar über eine Zeitarbeitsfirma eingestellt worden.

Wegen der Personalnot wurden einige Male die Öffnungszeiten verkürzt, was beispielsweise für Tanja Kürner bedeutete, dass ihr Mann Urlaub nehmen musste, um die Kinder zu betreuen. Und das noch in einer Zeit, in der sie selbst an einer gefährlichen Krankheit litt und dringend Schonung brauchte. Die Eltern fühlen sich mit ihren Problemen allein gelassen.

„Die Kinder sind massiv verunsichert und können aus Sicht von uns Eltern keinen erneuten Erzieherwechsel verkraften. Wir Eltern erleben teils dramatische Szenen, wenn wir die Kinder am Morgen abgeben. Denn es ist immer wieder keine vertraute Erzieherin anwesend und wir müssen unsere Kinder bei ihnen fremden Aushilfskräften zurücklassen. Da ist es schwierig, noch guten Gewissens seiner Arbeit nachgehen zu können“, heißt es in dem offenen Brief.

Die Tagesstätte hatte zwei Träger

Im Reigen der Ostfilderner Betreuungseinrichtungen ist die Parkspielerei im Scharnhauser Park in gewisser Weise eine Besonderheit, denn sie hat zwei Träger. Die kritische Gruppe mit den unter Dreijährigen trägt die katholische Kirche, die anderen Gruppen trägt die Stadt Ostfildern.

Manuela Pfann, Pressesprecherin bei der Diözese Rottenburg-Stuttgart, weiß um den häufigen Personalwechsel und begründet ihn mit Schwangerschaften einerseits und mit einem Krankheitsfall andererseits, der in Ostfildern besonders viele Vertretungen nötig gemacht habe. Sie bestätigt auch, dass die Diözese mit Zeitarbeitsfirmen zusammen arbeitet. Das sei angesichts der Personalknappheit im Erziehungswesen allerdings die letzte Möglichkeit, Mitarbeiterinnen zu gewinnen.

So verzweifelt die Eltern sind, könnte sich doch langfristig etwas an ihrer Situation verbessern. Die Ostfilderner Pressesprecherin Andrea Wangner berichtet, dass die Katholische Gesamtkirchengemeinde von sich aus den Wunsch geäußert habe, die Trägerschaft für die Parkspielerei abzugeben. „Wir haben schon gesehen, dass es keine gute Situation ist, wenn eine Einrichtung zwei Träger hat“, berichtet Manuela Pfann.

Der Gemeinderat hat dem Angebot zugestimmt und wird die Kindertagesstätte zum 1. Juli komplett in städtischer Hand weiterführen. Damit könnten auch die ständigen Wechsel vom Tisch sein, weil die Stadt „über einen größeren Personalpool verfügt, als die Kirche“, sagt dazu Andrea Wangner.

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