Darf sich Hoffnung auf einen der Goldjungen machen: Schauspieler Benedict Cumberbatch (The Imitation Game). Foto: Getty Images AsiaPac

Große Hollywood-Produktionen dürfen sich in diesem Filmjahrgang keine große Hoffnungen auf einen Oscar machen. Sie werden vom Arthaus-Kino überstrahlt. Auch ein deutscher Regisseur hofft auf eine Trophäe.

Los Angeles - Was sich bei den Golden Globes bereits abgezeichnet hat, setzt sich bei den ­Oscars fort: Große Hollywood-Produktionen spielen in diesem Filmjahrgang keine große Rolle, das Arthaus-Kino überstrahlt alles. Vier Werke sind sowohl als bester Film wie auch für die beste Regie nominiert: Alejandro G. Iñárritu und die Schauspieler-Tragikomödie „Birdman“, Richard Linklater und sein anrührendes ­Familienepos „Boyhood“, Morten Tyldum und sein Weltkriegsdrama „The Imitation Game“ sowie Wes ­Anderson mit seiner bunten Historien-Farce „The Grand Budapest Hotel“. Als bester Film geht außerdem das schwarze Bürgerrechtsdrama „Selma“ ins Rennen. Das gab die Oscar-Akademie am Donnerstag bekannt.

Bei den Hauptdarstellern ­gehört Benedict Cumberbatch zu den Auserwählten, der in „The Imitation Game“ den Wissenschaftler spielt, der im Zweiten Weltkrieg die deutsche Verschlüsselungsmaschine Enigma knackte, außerdem Golden-Globe-Gewinner Michael Keaton („Birdman“).

Bei den Hauptdarstellerinnen ist das Feld dicht mit Julianne Moore als Alzheimer-­Patientin (Golden Globe für „Still Alice“), ­Rosamund Pike als Racheengel („Gone Girl“), Reese Witherspoon als tapfere Wandersfrau („Wild“) und ­Marion Cotillard für ihre große Leistung im belgischen Sozialdrama „Zwei Tage, eine Nacht“.

Für ihre Nebenrollen in „Boyhood“ sind Patricia ­Arquette und Ethan Hawke nominiert, außerdem Robert Duvall als Richter auf Abwegen in „The Judge“, J. K. Simmons als gestrenger Musiklehrer in „Whiplash“ und Laura Dern für ihren Auftritt als fürsorgliche Mutter in „Wild“.

Bei den Originaldrehbüchern ist neben Iñárritu, Linklater und Anderson Dan Gilroy nominiert mit „Nightcrawler“, dem Drama um einen Videoreporter, der auf der Suche nach spektakulären Bildern ­alle Skrupel verliert.

Wim Wenders hofft auf Dokumentar-Oskar

Wim Wenders nimmt nach „Buena Vista Social Club“ und „Pina“ seinen dritten Anlauf beim Dokumentarfilm mit „Das Salz der Erde“ über den brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado. Er konkurriert allerdings mit Laura Poitras’ brillanter Edward-Snowden-Dokumentation „Citizenfour“. Chancen auf einen Oscar hat auch Kameramann Dick Pope, der in Mike Leighs „Mr. Turner“ meisterhaft die lichtdurchfluteten Motive des englischen Malers J. M. W. Turner in reale Szenen rückübersetzt hat.

Bei den Trickfilmen geht Disneys „Baymax“ ins Rennen, die Geschichte eines ­Gesundheitsroboters, der zum Superhelden mutiert, sowie das japanische Trick-Märchen „The Tale of the Princess Kaguya“ von Isao Takahata und Yoshiaki Nishimura.

Für den Auslands-Oscar, den besten fremdsprachigen Film, ist der mauretanische Regisseur Abdellatif Kechiche mit seiner Islamisten-Groteske „Timbuktu“ ­nominiert, außerdem Andrey Zvyagintsevs ­bereits mit einem Golden Globe ausgezeichnetes russisches Sozialdrama „Leviathan“.

Die 87. Oscar-Verleihung findet am 22. Februar in Los Angeles statt. Als Moderator fungiert US-Schauspieler Neil Patrick Harris, der in der Sitcom „How I Met Your Mother“ die Kultfigur Barney Stinson spielte.

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