Nadja Weber, Matthias Mayer und Andreas Däberitz (von links) von „iFixit“. Foto: Caroline Holowiecki

Handydisplay gesplittert, Toaster kaputt: Das wird teuer. Es sei denn, man repariert seine Geräte selber. Das Internet kann dabei hilfreich sein, zeigt „iFixit“ mit Sitz und Degerloch und einem Laden im Fluxus am Rotebühlplatz.

Degerloch - Das Handydisplay ist zersplittert, das Radio bleibt stumm, und der Toaster tut auch keinen Mucks mehr. Ab in die Mülltonne damit? Nicht, wenn es nach „iFixit“ geht. Über das Online-Portal – mit Sitz in Degerloch – kann man mehr als 25 000 Reparaturanleitungen in acht Sprachen aufrufen sowie Ersatzteile oder Spezialwerkzeug ordern.

Die Idee: Elektroschrott soll vermieden werden. Stattdessen sollen vermeintlich kaputte Geräte mit ein paar Kniffen am Leben erhalten werden. Die Community von „iFixit“ (zu Deutsch: Ich repariere das) hat weltweit rund zwei Millionen Mitglieder, die sich gegenseitig online beim Werkeln beraten, das Prinzip wurde vor 13 Jahren in den USA erfunden, erklärt Matthias Mayer. Er ist der Geschäftsführer der Europa-Zentrale, die Kunden aus 30 Ländern bedient. Und die hat seit 2013 ihren Sitz in Degerloch.

Die Anleitungen sind kostenfrei

Unter dem Fernsehturm werden unter anderem im sogenannten „Tear down“ neueste Geräte in ihre Einzelteile zerlegt und nach ihrer Reparaturfähigkeit bewertet. Die Ranglisten stellt „iFixit“ dann ins Internet, ebenso werden die Anleitungen zum Wiederherstellen selbst geschrieben und zugänglich gemacht. Einige Hersteller schicken ihre Produkte sogar bewusst ein. Für andere nehmen die Firmenangestellten viel auf sich. „Für ein neues iPhone fliegen unsere Kollegen aus den USA schon mal nach Tokio. Der Bericht über das iPhone 7 war einen Tag nach dessen Erscheinen online“, erklärt Matthias Mayer.

Unzählige Menschen wollen das sehen. Allein aus Europa verzeichnete die „iFixit“-Homepage laut Matthias Mayer um die drei Millionen Zugriffe in den vergangenen vier Wochen. Fünf Millionen Euro Umsatz habe „iFixit Europe“ im vergangenen Jahr mit dem Verkauf von Werkzeugen und Ersatzteilen gemacht. Die Anleitungen und die Antworten im Fragebereich sind indes kostenfrei und sollen es auch bleiben, betont der Geschäftsführer.

Der erste „iFixit“-Shop in Europa ist im Januar zwar nicht in Degerloch, aber immerhin in Stuttgart eröffnet worden. Das Geschäft ist in der alternativen Concept-Mall Fluxus am Rotebühlplatz zu finden. Das Mietverhältnis ist als Experiment auf zunächst drei Monate angelegt – mit der Option zu verlängern, erklärt Matthias Mayer. „Wir dachten, wir bringen das mal in die reale Welt.“ Und im Geschäft kann man denn auch sehr real selbst Hand an seinen schlappen Handyakku oder den defekten Rasierer legen, mit Unterstützung der Fachleute vor Ort, die allerhand Spezialwerkzeug parat haben.

Menschen sollen ermuntert werden, selbst zu reparieren

Ausgerichtet werden auch öffentliche Reparier-Veranstaltungen. Grundsätzlich sollen Privatleute ermuntert werden, sich ihren Geräten unerschrocken zu nähern. „Solange ich weiß, was ich tun muss und die richtigen Werkzeuge habe, ist das kein Problem“, erklärt der Chef von 28 Mitarbeitern am Standort Stuttgart und fünf weiteren über Europa verteilt. 2013 hatte man mit fünf Mitarbeitern in Degerloch begonnen.

Nicht wenige der „iFixit“-Leute seien ebenfalls Autodidakten. Zudem steige in Deutschland das Bewusstsein für eine nachhaltige Alltagskultur. Dementsprechend erweitert „iFixit“ sukzessive seine Bandbreite, schreckt mittlerweile nicht einmal mehr vor Autos zurück. Matthias Mayer: „Historisch bedingt liegt der Fokus auf Computern und mobiler Elektronik, aber mit Hilfe der Online-Community aus Reparateuren und Selbermachern erweitert sich das Spektrum der Anleitungen auf viele andere Kategorien wie Fahrräder, Haushaltsgeräte oder zum Beispiel Musikinstrumente.“

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