Mit Smartphones sind die meisten Kinder und Jugendlichen heutzutage permanent online. Foto: dpa

Mit Mobbing und Sexualdelikten im Internet haben die beiden Kriminalpolizisten Uwe und Daniel Belz Erfahrung. Vater und Sohn engagieren sich in der Präventionsarbeit. Ihre Arbeit richtet sich vor allem an Eltern und Lehrer, denen sie zeigen, welche Gefahren auf Kinder und Jugendliche im Internet lauern.

Waiblingen - Der Name der Internetseite ist nicht nur äußerst prägnant, sondern bringt ihr Thema auf den Punkt: Schutz vor Schmutz. Gemeint sind fiese Fallen für Kinder und Jugendliche im sorglosen Umgang mit dem Internet. „Was früher der PC war, ist heute das Smartphone. Das tragen Kinder und Jugendliche ständig mit sich herum. Und die Eltern sollten wissen, was sie damit machen“, sagt Uwe Belz, Kriminalhauptkommissar bei der Kriminalpolizeidirektion Waiblingen. Die Internetseite betreibt er zusammen mit seinem Sohn Daniel Belz, der ebenfalls Polizist und spezialisiert auf Cyber-Kriminalität ist. Auf Einladung des Arbeitskreises Schule-Wirtschaft Rems-Murr hat Uwe Belz vor Lehrern und Ausbildern referiert. Was er berichtete, war auch für sie, die ständig mit Jugendlichen zu tun haben, erschreckend.

Gefahren für die „Generation sorglos“

Erschreckend deshalb, weil Belz die Sorglosigkeit von 11- bis 15-Jährigen anhand von echten – anonymisierten – Beispielen zeigte. Dabei ging es nicht nur um Pädophile, die sich im Internet als Kinder ausgeben, um sich an ihre Opfer heranzumachen, sondern auch um Mobbing unter Gleichaltrigen. Der erfahrene Polizist spricht in diesem Zusammenhang von der „Generation sorglos“. Denn die Kinder und Jugendlichen geben mit größter Unbedarftheit Einzelheiten und sogar Fotos von sich an ihnen völlig Unbekannte heraus.

So zeigte Belz, wie eine Elfjährige schon nach kurzer Zeit einer neuen „Bekanntschaft“ im Chat Fotos von sich schickte. Und wie dieser angeblich Jugendliche, der in Wirklichkeit ein 20-jähriger Bankkaufmann war, immer freizügigere Aufnahmen forderte. Sobald diese einmal verschickt wurden, hat der Täter sein Opfer in der Hand. Macht dieses nicht, was er verlangt, droht er, die Fotos öffentlich zu machen oder den Eltern zu schicken. Solche Erpressungen können sich über Monate hinziehen. In einem Fall, schildert Belz, erlitt ein Mädchen schließlich einen Nervenzusammenbruch. Erst dann kam heraus, dass sie ein Opfer von „Cybergrooming“ geworden war. Die Eltern waren ahnungslos.

„Nach der FIM-Studie 2016 haben 32 Prozent der befragten Eltern den Umgang ihrer Kinder mit dem Smartphone reglementiert“, sagte Belz. Das sei viel zu wenig. Dabei könne für wenig Geld Filtersoftware auf die Telefone aufgespielt werden, die bereits einen gewissen Schutz ermöglichen. Was die sozialen Netzwerke angehe, habe er selbst darauf bestanden, in den Facebook-Freundeskreis aufgenommen zu werden, berichtete der fünffache Vater und bald achtfache Großvater Belz. Unter einem Fake-Account habe er so sehen können, wer mit seiner Tochter was besprach. „Am 18. Geburtstag hat sie mich dann aus der Freundesliste geworfen“, sagte Belz.

Exfreundin mit Fotos erpresst

Doch nicht nur von Unbekannten droht Gefahr im Netz. „Texting“ wird ein anderes abscheuliches Verhalten genannt, das ebenfalls auf Erpressung hinausläuft. Hier sind es Bekanntschaften unter Gleichaltrigen, die zu Erpressungen oder Mobbing ausgenutzt werden. Auch in diesen Fällen sind es oft Nacktfotos, die als Druckmittel benutzt werden. „Ich hab halt gedacht, dass das nur für ihn ist“, sagte ein Mädchen zu Belz, nachdem ihr Exfreund sie über Whats-App genötigt hatte. Auch hier hatten die Eltern keine Ahnung, was ablief.

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