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Die Frauen-Nationalteams von Kanada und den USA dominieren im Eishockey nach Belieben.

Vancouver - In der Nacht auf Freitag (0.30 Uhr) findet in Vancouver das olympische Eishockey-Finale der Frauen statt. Und es ist wohl nicht übertrieben, wenn man behauptet: Es wird richtig spannend. Allerdings: Es ist das erste Mal in diesem Turnier.

Irgendwie hatten die Spiele ja schon schlecht begonnen für die Kanadierinnen. Nicht sportlich, da war nach dem 18:0 gegen die Slowakei noch alles in Ordnung. Am Tag danach allerdings war es mit der Freude über diesen Sieg vorbei - weil die kanadischen Fans plötzlich ihre soziale Ader entdeckt hatten. Es gab Diskussionen, es gab Zeitungskommentare, es gab vor allem E-Mails. Und immer wieder tauchte die eine Frage auf: "Wie kann man nur?"

Wie kann man nur die armen Slowakinnen derart demütigen? Weder mit Stil noch mit Gastfreundschaft und schon gar nichts mit Respekt hätte das zu tun. Mit einer einfachen Situation aber auch nichts. Melody Davidson, die kanadische Teamchefin, berichtete danach, ihre Spielerinnen seien hochgradig verwirrt, und nachdem sie über das Dilemma ein wenig nachgedacht hatte, kam sie zu dem Schluss: "Das ist für uns eine No-win-Situation." Nicht nur für die Kanadierinnen - sondern für die ganze Sportart.

Denn zu sagen, die Paarung für das Finale sei vorhersehbar gewesen, ist sogar noch untertrieben. In diesem Sport gibt es die Mädels aus Kanada, es gibt die Girls aus den USA - und danach gibt es erst mal nichts mehr. Nirgends ist das besser zu beobachten als in Vancouver. Drei Spiele gab es für jedes Team in der Vorrunde, und als diese zu Ende waren, hatte Kanada ein Torverhältnis von 41:2, die USA kamen auf fast schon beschämende 31:1 Treffer. Die Schweizerinnen haben gegen Kanada 1:10 verloren. Ihr Trainer René Kammerer fand dennoch: "Das war richtig klasse." Weil seine Mannschaft ein Tor erzielt hatte. Und die Schwedin Erika Holst hat nach dem 1:9 im Halbfinale gegen die USA erkannt: "Wenn jemand die Nordamerikanerinnen schlagen will, muss er an diesem Tag das beste Eishockey seines Lebens spielen." Doch selbst dann wird es wohl nicht reichen. Obwohl - einmal hat es ja geklappt.

Vor vier Jahren bei den Winterspielen in Turin gab es im olympischen Turnier eine wahre Sensation zu bestaunen. Die Schwedinnen hatten die USA besiegt - und so für das einzige von 15 Endspielen bei Olympia oder WM gesorgt, in dem das Duell um den Titel nicht USA gegen Kanada hieß. Aber wie gesagt: Das war vor vier Jahren. Jetzt ist wieder alles beim Alten. Und jetzt wird es wenigstens auch mal spannend.

Vor dem Finale versuchen die Spielerinnen beider Länder auch gar nicht erst, die Brisanz herunterzuspielen. Jennifer Botterill (Kanada) sagt: "Die Rivalität ist zuletzt eher größer geworden." Ihre Teamkollegin Hayley Wickenheiser meint, dieses Finale sei das Spiel, "das ganz Nordamerika sehen wollte". Und Hayley Irwin (Kanada) verspricht: "Es wird eine wahre Schlacht."

Für die anderen Nationen wird es eine Lehrstunde. Sie werden sich das Duell anschauen, sie werden staunen und sich dann den Spielen widmen, in denen sie wieder mehr Chancen haben. Spannend wird es aber auch dann nicht immer sein. Die Slowakinnen jedenfalls können mit ihrem 0:18 wahrscheinlich ganz gut leben. Schließlich haben sie kürzlich ja mal gegen Bulgarien gespielt - und 82:0 gewonnen. 


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