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Miriam Gössner ist eigentlich Biathletin, doch Bundestrainer Behle würde sie gerne abwerben.

Whistler - Miriam Gössner hat ihre Karriere als Biathletin begonnen, zuletzt ging sie immer wieder fremd und marschierte als Langläuferin über die Loipe. In Zukunft will sie ihre Runden lieber wieder mit Gewehr drehen - sehr zum Ärger von Langlauf-Bundestrainer Jochen Behle.

Es war schon seltsam. Da stand Miriam Gössner auf dem Siegerpodest der Medal Plaza in Whistler, sie war gerade für ihren zweiten Platz mit der deutschen Langlauf-Staffel geehrt worden, dann ertönte die Hymne für die siegreichen Norwegerinnen - und Gössner sang mit. Nun ist es nicht so, dass die Lebensgeschichte der jungen Dame aus Garmisch-Partenkirchen den Bekanntheitsgrad eines Bestsellers schon erreicht hat. Und so war die Verwunderung über die Sangeskünste bei der eigentlich fremden Hymne entsprechend groß. Doch die Unwissenheit dauerte nicht lange an.

Denn Miriam Gössner ist ein recht auskunftsfreudiger Mensch, und da sie ja gerade eine olympische Silbermedaille bekommen hatte, war sie besonders redselig. Also erklärte sie grinsend: "Ich bin halbe Norwegerin, ich bin zweisprachig aufgewachsen, ich habe die doppelte Staatsbürgerschaft, und ich kenne auch beide Hymnen." Damit wäre das geklärt. Wobei es zum Thema doppelt bei Miriam Gössner ja noch einiges mehr zu sagen gibt.

Im Langlauf ist die Teenagerin zwar ziemlich erfolgreich: Schon bei der WM 2009 in Liberec hatte sie der deutschen Staffel zu Silber verholfen. Ihre Hauptdisziplin ist aber eigentlich Biathlon. "Das macht mir einfach am allermeisten Spaß", sagt sie und erzählt fast wehmütig von ihrem Gewehr, das "seit zwei Monaten zu Hause im Waffenschrank steht". Zweimal war sie Junioren-Weltmeisterin - weil es aber noch nicht gereicht hat, sich im starken deutschen Weltcup-Team zu behaupten, und weil sie läuferisch einfach wahnsinnig gut drauf ist, hat irgendwann eben Jochen Behle angeklopft. Und der ist aber eben Bundestrainer der deutschen Langläufer.

Behle ist mittlerweile so begeistert von Miriam Gössner, dass er die starke Skaterin ganz gerne davon überzeugen würde, sich doch komplett für die Variante ohne Gewehr zu entscheiden. Selbst vor rigorosen Maßnahmen schreckt er dabei nicht wirklich zurück. Nach dem erneut starken Staffelrennen Gössners drohte er am Donnerstag in Whistler: "Da oben habe ich das Loch schon gegraben, in das die Waffe reinkommt." Doch selbst solche - nicht ganz ernst gemeinte - Drohungen können Miriam Gössner nicht weglocken von ihrer Lieblingsdisziplin. Sie konterte lieber kess: "Da bin ich dann doch wieder froh, dass mein Gewehr zu Hause ist. Und den Schlüssel für den Waffenschrank habe nur ich."

Bis zum Saisonende allerdings wird sie den Langläuferinnen noch erhalten bleiben. "Ich habe jetzt so lange nicht mehr Schießen trainiert, da würde es keinen Sinn machen, jetzt noch mal damit anzufangen", sagt sie. Im Sommer werde sie sich dann mit den Trainern zusammensetzen und entscheiden, wie es weitergeht. Wobei sie ihre Präferenzen ja immer wieder deutlich artikuliert hat.

Ach ja: So ganz war's das noch nicht mit der doppelten Miriam. Denn in Whistler ist sie ja nicht nur Athletin, sondern auch Fan. Am Freitag feuerte sie die deutschen Männer im Staffelrennen an. Denn da lief ihr Freund mit. Der heißt Simon Schempp, stammt aus Uhingen und lebt seit kurzem mit ihr gemeinsam in Ruhpolding. Schempp ist - Sie ahnen es: Biathlet.


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