Das olympische Programm aus Südkorea läuft in Deutschland auf bis zu 18 Kanälen Foto: dpa

Gleich drei im Spitzensport erfahrene TV-Sender buhlen bei Olympia um die Gunst des Konsumenten. „Am Ende entscheidet allein der Zuschauer“, sagt der ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann.

Pyeongchang - Der Kampf um Sportrechte ist ein weltweites Multimillionenspiel. Wer am meisten zahlt, darf am längsten übertragen. Und im besten Fall allein. Manchmal aber kommt es auch ganz anders. Bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang hat der deutsche Fernsehkonsument die Qual der Wahl. Eurosport, ARD, ZDF – gleich drei potente Sender tummeln sich fast rund um die Uhr auf dem Markt, dessen wichtigste Währung die Einschaltquote ist. Wer am Ende der große Gewinner sein wird? „Das“, sagt ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann, „entscheidet allein der Zuschauer.“

Die Eurosport-Mutter Discovery, ein Mediengigant aus den USA, hat für 1,3 Milliarden Euro die europäischen Rechte an den vier Olympischen Spielen bis 2024 erworben. Und irgendwann gemerkt, dass sich das Geld doch nicht so einfach refinanzieren lässt wie erhofft. Also tat das Unternehmen, was es eigentlich nicht tun wollte – und verkaufte für 90 Millionen Euro an ARD und ZDF Sublizenzen für die Spiele in Südkorea. Gratis dazu erhielt Discovery die Kampfansage von ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky: „Olympia ist Teil unserer DNA.“ Nun gibt’s den passenden Test dazu.

Eurosport ist jedenfalls nicht gewillt, bei Olympia weiter den kleinen Spartensender zu geben. Im Gegenteil. Die Macher möchten zeigen, was sie drauf haben. Qualität. Innovation. Ausdauer. Unterhaltung. Information. Und das rund um die Uhr. „Olympia bei Eurosport wird anders sein“, sagt Susanne Aigner-Drews, Geschäftsführerin von Discovery Deutschland. Und Werner Starz, der Direktor Produktentwicklung, erklärt: „Unser Ansatz ist frischer, moderner. Wir haben dem IOC die Garantie gegeben, Olympia auf neue Art und Weise zu erzählen.“

Zwei gereizte Platzhirsche

Nun ist nicht sicher, ob dieses Versprechen dem Internationalen Olympischen Komitee wichtiger war als die Überweisung von 1,3 Milliarden Euro. Aber zumindest ARD und ZDF haben diese Ansage des Konkurrenten auf dem Schirm. Ganz sicher. Und sie reagieren wie zwei gereizte Platzhirsche. „Ich hoffe, dass die Zuschauer unsere Angebote so annehmen, wie wir es aus den vergangenen Jahrzehnten bei Olympia kennen“, sagt Axel Balkausky, „wir berichten über die gesellschaftliche und politische Situation ganz anders.“ Als Eurosport.

Gut, einen Dopingexperten wie Hajo Seppelt hat der Spartensender (wie auch das ZDF) nicht in seinen Reihen. Und trotzdem spielt Werner Starz den Ball mit Schmackes zurück an die Etablierten. „Bei uns gibt es nicht nur Medaillen und Analysen zu sehen“, sagt er, „sondern wir zeigen Emotionen, wie die Athleten im Deutschen Haus feiern, was sie für Menschen sind. Das ist ein breiter Bogen, den es so noch nirgendwo gegeben hat.“Die Macher bei Eurosport haben spürbar Spaß an der Herausforderung. Vergessen sind die Probleme, die sie mit ihrem (extra zu bezahlenden) Player bei den ersten beiden Freitagspielen der Saison in der Fußball-Bundesliga hatten. Sie setzen weiter voll auf Angriff. Noch nie war so viel olympischer Wintersport zu sehen wie nun bei Eurosport. Mehr als 4000 Stunden Berichterstattung auf linearen und digitalen Kanälen (bis zu 18 parallel), darunter 900 Stunden Live-Sport. Im Netz kann jeder genau das schauen, was er will. Und wann er will. Zudem wird der Fokus voll auf die deutschen Athleten gerichtet sein. „Wir sind so lokal wie ein nationaler Sender. Aber wir beantworten auch die Frage, wer die beste Leistung gezeigt hat, wenn der deutsche Athlet 15. geworden ist“, sagt Manager Starz, „mehr Olympia als bei uns geht nicht. Bei uns ist, anders als bei ARD und ZDF, jede Sekunde zu sehen.“

Digitale Strategie

Und das auf technisch neuestem Stand, was nicht nur bei der Umsetzung der digitalen Strategie inklusive des Bespielens der Social-Media-Kanäle wichtig ist. Eurosport hat zum Beispiel ein virtuelles, kubusförmiges 3-D-Studio eingerichtet, den „Eurosport Cube“. Dort will der Sender eine interaktive Umgebung schaffen, viel mit Virtual Reality und animierten Grafiken arbeiten. So soll dem Zuschauer die Faszination Wintersport auf neue Art und Weise präsentiert werden. Doch damit nicht genug des Wettbewerbs.Die Eurosport-Manager würden dieses Thema zwar nie offiziell ansprechen, doch ist ihnen anzumerken, dass sie durchaus stolz darauf sind, die erfolgreicheren Experten zu beschäftigen. 15 Olympiasiege, neun Silber- und drei Bronzemedaillen haben allein die deutschen Ex-Profis geholt, zu denen unter anderem Anni Friesinger-Postma, Michael Greis, Sven Hannawald, Martin Schmitt, André Lange und Fabian Hambüchen gehören, der VIP-Reporter im deutschen Haus ist. Und dann wurde am Dienstag noch ein letzter Transfer-Coup verkündet: Kurzfristig holte sich Eurosport Ski-Star Felix Neureuther, der wegen eines Kreuzbandrisses nicht auf der Piste stehen kann, ins Olympia-Team.

„Experten sind in unserem Konzept sehr wichtig, sie sind die inhaltlichen Pflöcke“, sagt Werner Starz, „anders als im Fußball benötigt man im Wintersport Gesichter, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Zudem ist der Sport so viel komplexer geworden, dass es Leute braucht, die Wissen transferieren und Emotionen vermitteln können – neben den Kommentatoren, von denen wir viele haben, die zu den besten in Deutschland gehören.“

Hört sich an wie ein PR-Text? Ist auch so gemeint. Denn natürlich stehen bei ARD (zum Beispiel Katarina Witt, Kati Wilhelm, Maria Höfl-Rösch) und ZDF (Sven Fischer, Marco Büchel, Toni Innauer) ebenfalls höchst erfolgreiche Ex-Sportler auf der Gehaltsliste. Doch Trommeln gehört zu einem Geschäft, in dem es vor allem darauf angehört, gehört und gesehen zu werden. Den Eurosport-Machern ist natürlich klar, dass es schwer wird, am Thron der öffentlich-rechtlichen Quotenkönige zu kratzen, obwohl diesen aufgrund der Rechteverhandlungen kaum Zeit zur Vorbereitung blieb. Deshalb erklärt die Eurosport-Führungsriege vorsichtshalber schon mal, nicht nur auf die Zahl der TV-Zuschauer zu achten. Sondern auch auf die Klicks im Netz, die Interaktion mit den Interessierten, das Verlassen der Nische. Und natürlich auf die Perspektive.

Eurosport schaut über Pyeongchang hinaus. „Südkorea ist nur der erste Schritt auf unserer olympischen Reise. Wir planen und arbeiten bereits intensiv für Tokio 2020“, sagt Gernot Bauer, der Sportchef von Discovery/Eurosport Deutschland, „natürlich wollen wir an Wahrnehmung gewinnen und unsere Reichweite erhöhen. Aber wir wollen auch eine jüngere Zielgruppe erreichen, uns mit unserer Berichterstattung abheben.“ Weshalb Kollege Starz sagt: „Die Zeit ist reif, dass etwas Neues passiert.“

Wie das Duell der Sender ausgeht? Wird sich zeigen. Klar ist nur: Der Kampf um die Gunst der TV-Zuschauer wird stetig härter. Nicht nur im Fußball – auch bei Olympia.

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