Die Knauss-Busse werden vor allem im Linienverkehr eingesetzt. Foto: 7aktuell.de/Lermer

Nach mehr als 90 Jahren musste das Busunternehmen Knauss Insolvenz anmelden. Der betroffene Linienverkehr in Schorndorf, Urbach und Plüderhausen ist im August noch gesichert.

Schorndorf - Seit mehr als 90 Jahren gehören die Knauss’schen Busse zum Schorndorfer Straßenbild. Am Donnerstag mussten das Unternehmen Knauss-Reisen Dieter Frank sowie das Partnerunternehmen Shuttle+Tour den Insolvenzantrag beim Amtsgericht Stuttgart stellen. 56 Beschäftigte sind betroffen.

Starker Preiswettbewerb als eine Ursache

Das Busunternehmen betreibt seit 1. Januar die Linien 242 bis 249, die in Schorndorf, Urbach und Plüderhausen unterwegs sind. Dort werden die 37 Busse nach eigener Angabe überwiegend eingesetzt. Insgesamt gibt es im Rems-Murr-Kreis 13 solcher Verkehrsgebiete, das letzte wurde in diesem Frühjahr vom Landratsamt vergeben. Und genau diese europaweit geregelte Linien-Vergabe wird als Verursacher der Insolvenz genannt: „Grund für die finanzielle Schieflage der Unternehmen ist der starke Preiswettbewerb im öffentlichen Personennahverkehr bedingt durch öffentliche Ausschreibungen, die europarechtlich vorgeschrieben sind. Zuletzt mussten Preise akzeptiert werden, die nicht kostendeckend sind“, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmen vom Montag.

Landratsamt wusste seit Ende Juli von Schieflage

Gerade den letzten Satz möchte ein Vertreter des Landratsamtes nicht einfach stehen lassen. Bei dem Vergabeverfahren komme zwar das günstigste Angebot zum Zug: „Aber die Busunternehmen reichen ihr Angebot selbst ein. Und die Bündel wurden in kleinen Happen und schrittweise vergeben, damit der Mittelstand zum Zug kommen konnte.“ Dieses Ziel sei erreicht worden: Der Anteil der mittelständischen Unternehmen, die mit ihren Bussen die Linien abdecken, sei sogar gestiegen. Umso bedauerlicher findet es das Landratsamt in Waiblingen, dass sich im Fall von Knauss „das Unternehmen finanziell verkalkuliert hat.“

Das Landratsamt weiß seit Ende Juli von der drohenden Schieflage. Für den August sei der Busverkehr in den betroffenen Kommunen vollumfänglich gesichert. Zu der Zeit danach könne man noch nichts sagen: „Die Gespräche mit dem Busunternehmen, dem Insolvenzverwalter und dem VVS laufen.“ Bei der Stadt Schorndorf schaut man mit Sorge auf die Entwicklung – denn die Knauss-Busse sich nicht nur im Linien-, sondern auch im Schülerverkehr unterwegs: „Das Unternehmen konnte den Transport mit seinen großen Gelenkbussen immer gut abdecken“, sagt Manfred Beier, der zuständige Fachbereichsleiter.

Ständiger Preisdruck macht zu schaffen

Knauss-Reisen sei stets ein zuverlässiger Partner gewesen, „wir hatten keine Ahnung, dass da was kommen könnte. Auch von den Nutzern gab es kaum Beschwerden.“ Als Stadt betrachte man es zudem mit Sorge, wenn ein mittelständisches Unternehmen insolvent gehe. Laut der Pressemitteilung von Knauss-Reisen soll der Betrieb der beiden Unternehmen fortgeführt werden – die Insolvenzverfahren sollen dafür genutzt werden, um nach Möglichkeiten zu suchen, die Unternehmen zu sanieren. Auch der Verkauf an Investoren sei möglich.

Der Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmer berichtet, dass es in den vergangenen Wochen neben zwei Insolvenzen – Knauss und Rexer aus Calw – auch vermehrt Mitglieder gebe, die sich vom Markt im Linienverkehr verabschieden würden, weil sich das Ganze für sie nicht mehr lohnen würde. „Der ständige Preisdruck ist Gift für die Busunternehmen. Qualität und Zuverlässigkeit, Betriebshöfe vor Ort und schnelle Reaktionszeiten bei verkehrlichen Änderungen müssen zwingend bei der Entscheidung über den Zuschlag eines Bieters einfließen“, sagt Witgar Weber, Geschäftsführer des Verbands.

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