Rund 2,2 Kilometer ist die Strecke lang, auf der eine neue Busspur zwischen Ludwigsburg und Remseck gebaut werden könnte. Foto: StZ

Ludwigsburg will so rasch wie möglich ein neues Schnellbus-System auf den Weg bringen, die erste Strecke soll nach Remseck führen. Zwei Fraktionen im Gemeinderat sehen das aber skeptisch – und auch die Nachbarkommune ist eher zurückhaltend.

Ludwigsburg - Das hat man sich im Ludwigsburger Rathaus so schön ausgemalt: In Sachen Schnellbusse sollen so schnell wie möglich Nägel mit Köpfen gemacht werden. Zwischen dem Bahnhof in Ludwigsburg und der Neuen Mitte in Remseck ist dabei die erste Bus-Rapit-Transit-Verbindung (BRT) geplant. Als erster Schritt zu einem „Interkommunalen BRT-Netz Ludwigsburg-Remseck-Kornwestheim“, wie es in einer Präsentation für den städtischen Bauausschuss am Donnerstag hieß.

Konkret geht die Stadt auf die Strecke zwischen dem Stadtteil Oßweil und Remseck-Neckargröningen ein: auf rund 2,2 Kilometern Länge soll dort eine neue Busspur neben die bestehende Landesstraße gewalzt werden, damit die Fahrzeuge ungehindert an den Staus vorbeiziehen können. Wie, in welchem Umfang und zu welchem Preis: all das soll ein Gutachter-Büro herausfinden. Der Nahverkehrsexperte Sascha Behnsen warb am Donnerstag bei den Stadträten dafür, 50 000 Euro für dieses Gutachten zu bewilligen.

50 000 Euro für ein erstes Gutachten sind bewilligt

Doch das Tempo der Stadt ließ durchaus Zweifel aufkommen: zumindest SPD und Grüne blieben im Ausschuss skeptisch. „Ich bin nicht überzeugt, dafür weiter Geld auszugeben“, erklärte die SPD-Fraktionschefin Margit Liepins. Was bringe ein schneller Bus, wenn er in Neckargröningen oder auf der Friedrichstraße in Ludwigsburg wieder im Stau stehe, fragte sie. Eine zusätzliche „Betonpiste“ in der freien Natur sei wenig sinnvoll.

Angedacht sind in dem Konzept auch weitere ÖPNV-Verbindungen in die Region, etwa nach Fellbach oder Esslingen – aber auch das stößt nicht nur auf Zustimmung. „Sind die anderen Kommunen überhaupt eingebunden?“, fragte Liepins. „Beteiligen sie sich an den Kosten? Wollen sie das alles überhaupt?“

Auch der Grüne Markus Gericke fragte sich, wie der Schnellbus in die Ludwigsburger Innenstadt kommen solle. Und wie sich die BRT-Pilotstrecke zwischen Ludwigsburg und Remseck damit vertrage, dass gleichzeitig im Landratsamt an einer neuen Stadtbahntrasse zwischen Remseck und Markgröningen gebastelt werde. Auch er stellte die Frage: „Ist das mit Remseck abgestimmt?“ Die SPD-Rätin Regina Orzechowski warf der Verwaltung sogar „einseitige Parteilichkeit“ für ein Schnellbussystem und gegen die mögliche Stadtbahn vor. Man solle sich eher darum kümmern, dass die vorhandenen Busse in der Stadt endlich besser vorankämen.

Neben der Aufregung im eigenen Ausschuss kämpft Ludwigsburg an einer weiteren Front: In Remseck ist man jedenfalls längst nicht so euphorisch wegen der schnellen Busse. Man sei in die grundsätzlichen Überlegungen der Kreisstadt eingeweiht, sagt der Oberbürgermeister Dirk Schönberger. Eine Bewertung der möglichen Bus-Trasse könne er sich derzeit aber nicht erlauben. „Wir beurteilen erst, wenn die Fakten auf dem Tisch liegen.“

Zurückhaltend sind auch viele Stadträte; der Ludwigsburger Baubürgermeister Michael Ilk hatte vor einigen Wochen einen schweren Stand im Remsecker Gemeinderat, als er für das Schnellbussystem warb. Kritisch wird vor allem der Grunderwerb gesehen, der für eine Busspur nötig wäre: „Da verhandeln Sie mit hundert Eigentümern, das dauert“, meinte der FDP-Rat Kai Buschmann im Mai.

Der Grunderwerb als Hindernis für schnelle Busse?

Im Ludwigsburger Ausschuss blitzte am Donnerstag die alte Konfliktlinie zwischen Stadtbahn-Anhängern und -gegnern wieder auf. Für die Freien Wähler erklärte Andreas Rothacker: „Wir sind für die BRT-Verbindung. Es muss jetzt endlich mal etwas passieren, und zwar schnell.“ Der Baubürgermeister Michael Ilk versicherte, dass man sich natürlich mit den Nachbarstädten abgestimmt habe: „Es gibt auf vielen Ebenen Gespräche.“

Der städtische Verkehrsplaner Sascha Behnsen bemühte sich ebenfalls, die Wogen zu glätten. Ob tatsächlich eine Busspur gebaut werde, sei noch völlig offen. Auch habe man den Begriff eines „interkommunalen BRT-Systems“ lediglich in den Raum gestellt. „Ob es das am Ende wird, ist noch völlig offen“, erklärte er. Man wolle dies jetzt untersuchen. „Wenn wir dann am Ende zu dem Schluss kommen, dass sich die Strecke nach Remseck nicht lohnt, gibt es sie nicht.“

Es gebe keine „Hidden Agenda“, keine heimliche Strategie der Stadt, betonte Behnsen. Man setze nur das um, was der Gemeinderat beschlossen habe. Am Ende stimmte der Ausschuss mit acht zu fünf Stimmen knapp dafür, das Gutachten erstellen zu lassen. Schon im Oktober sollen zudem Pläne vorgelegt werden, wie sich eine Stadtbahn mit einer neuen Zugstrecke nach Markgröningen vertragen kann, und wie eine Bahnverbindung auf der Schusterbahn weiter bis nach Kornwestheim und Esslingen geführt werden kann.

Das ganze ist Teil der so genannten Doppelstrategie, die der Ludwigsburger Oberbürgermeister Werner Spec und der Landrat Rainer Haas vereinbart haben: Die Stadt plant Schnellbusse und die Reaktivierung der Eisenbahnstrecke, das Landratsamt die Stadtbahn. Der Kreischef hat noch vor den Sommerferien den Zuschussantrag für seinen Teil des Konzepts auf den Weg gebracht– da will man im Ludwigsburger Rathaus nun nachziehen.

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