Der Bus kommt, und wer mit ihm einmal quer durch Filderstadt oder L.-E. fahren will, bezahlt ab Januar 2020 weniger. Foto: Archiv

In Filderstadt und L.-E. gibt es ab Januar 2020 das, was Esslingen und Ludwigsburg bereits haben: ein Stadtticket. Wie kommt das Ticket dort an?

Filderstadt/L.-E. - Noch vier Monate, dann startet auch in Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt das, was derzeit in der Region Stuttgart in aller Munde ist: das Stadtticket. In Ludwigsburg und Esslingen hat sich das Ticket bereits etabliert. Wie läuft es dort?

Wie funktioniert das Stadtticket?

Genau so, wie es auch für Filderstadt und L.-E. geplant ist: von 1. Januar 2020 kostet ein Einzelticket drei Euro für 24 Stunden, damit kann man im gesamten Stadtgebiet mit den Bussen fahren. Gruppen mit bis zu fünf Personen bezahlen sechs Euro. Damit soll der Umstieg auf den ÖPNV attraktiver gemacht werden, das ist das hehre Ziel, das sich alle beteiligten Kommunen auf die Fahne geschrieben haben.

Das Stadtticket ist ein Konzept, das immer mehr Anhänger findet: derzeit arbeitet der Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) parallel zu Filderstadt und L.-E. mit 14 weiteren Gemeinden an der Einführung eines Stadttickets, beispielsweise Leonberg, Renningen, Böblingen/Sindelfingen, Remseck und Kornwestheim.

Wie ist die Nachfrage?

Bis Ende 2020 läuft sowohl in Ludwigsburg wie auch in Esslingen die Testphase. Danach wird ausgewertet, wie das Projekt angenommen worden ist.

Die Stadttickets seien sehr gut angelaufen, sagt Pia Scholz, Sprecherin des Verkehrsverbunds Stuttgart (VVS). „Unsere Erwartungen wurden voll erfüllt. In Ludwigsburg wurden vom Start des Tickets im August 2018 bis Ende Juli 2019 rund 385 000 Stadttickets verkauft.“ Auch in Esslingen liege man im Soll, von April bis Juli 2019 seien es knapp 100 000 Tickets gewesen. „Nach dem guten Start gehen wir davon aus, dass sich der Zuwachs in den nächsten Monaten weiter steigert“, sagt Scholz. Generell bräuchten neue Ticketangebote rund zwei Jahre, bis sie etabliert seien.

Welche Probleme könnte es geben?

In Ludwigsburg und Esslingen war zunächst befürchtet worden, mit der Einführung des Stadttickets könne es zu Kapazitätsengpässen kommen, wenn so viele Menschen auf die Busse umsteigen sollten, dass diese zu Spitzenzeiten restlos überfüllt wären. Eine weitere Sorge war, dass die Busfahrer mehr Tickets verkaufen müssen und dann die Busse sich verspäten. Ist es dazu gekommen?

Nein, sagt die VVS-Sprecherin Pia Scholz. „Bisher sind keinerlei Probleme aufgetreten.“ Zudem soll das Stadtticket explizit die Busfahrer beim Verkauf entlasten: „Die Kunden kaufen ein Stadtticket, fahren damit aber zwei- bis dreimal am Tag.“ So werde verhindert, dass sich Schlangen beim Busfahrer bilden, und die Busse können pünktlich weiterfahren. „Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass zwar mehr Fahrgäste im Gelegenheitsverkehr unterwegs waren“, erklärt Scholz, „aber trotzdem weniger Tickets im Bus verkauft werden“. Die Tickets gibt es auch über die Smartphone-Apps des VVS zu kaufen.

Wie wird ein Stadtticket finanziert?

Damit die Tickets für die Bürger günstiger werden, müssen sie von den Kommunen subventioniert werden. In L.-E. sind es rund 200 000 Euro jährlich, in Filderstadt rund 150 000 Euro. In beiden Fällen sind dies Summen, mit denen zuvor die Buslinien in der Stadt subventioniert worden waren. Seit Dezember 2018 hat die Firma Friedrich Müller Omnibusse (FMO) die Linienbündel privatwirtschaftlich übernommen, die Subvention entfällt. Das Geld stecken die beiden Kommunen stattdessen nun ins Stadtticket.

Ob dies dauerhaft geschehen soll, müssen die Gemeinderäte von Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen entscheiden, wenn die Testphasen vorbei sind. In L.-E. soll die Probezeit zwei Jahre dauern, in Filderstadt vier Jahre.

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