Obst und Gemüse sind im Fokus der Kontrolleure. Foto: picture alliance / Fabian Nitsch

Im neuen Bericht über spezielle Kontrollen von landwirtschaftlichen Produkten und Lebensmitteln schneiden Bio-Produkte wieder gut ab. Laut dem Ökomonitoring des Landes sind Rückstände dort selten.

Stuttgart - Bundesweit einzigartig untersucht die Lebensmittelüberwachung im Land seit 2001 jedes Jahr stichprobenartig die Schadstofffreiheit von Bio-Produkten – allen voran Obst und Gemüse – und vergleicht sie mit den Erzeugnissen aus konventionellem Anbau. Am Mittwoch stellte Agrarminister Peter Hauk (CDU) die Ergebnisse der Jahresuntersuchung vor und zog insgesamt eine positive Bilanz. „Wo Bio drauf steht, ist auch Bio drin.“ Das Ökomonitoring habe gezeigt, dass Bio-Lebensmittel „vollkommen zu Recht einen guten Ruf haben“. Im Bericht heißt es: „Auf das Öko-Siegel ist Verlass. Besonders erfreulich: In den wenigen Fällen, in denen das Ökomonitoring Schwachstellen aufgezeigt hat, reagierte die Branche schnell und die Mängel wurden abgestellt.“

Gentechnik

Die grüne Gentechnik stößt bei vielen Verbrauchern auf Ablehnung. Die Untersuchung zeigte, dass bei Lebensmitteln mit Mais wie Popcorn oder Taco-Chips nur ganz selten gentechnische Veränderungen festgestellt werden. 2018 waren alle zehn Proben aus Öko-Maiserzeugnissen einwandfrei, bei zwei aus 81 insgesamt untersuchten Proben Maischips aus herkömmlicher Herstellung wurde indes die veränderte Maissorte Mon810 nachgewiesen. Bei Soja-Produkten aus dem Ökolandbau sind diesmal etwas öfter Spuren von Verunreinigungen durch Gen-Soja gefunden worden (8,7 Prozent aller Proben), allerdings in „minimalen Spuren“ und weitaus weniger als bei konventionellen Soja-Produkten, wo jede vierte Charge (25,3 Prozent) betroffen war. Fazit der Berichterstatter: Bei Öko-Soja gab es seit Bestehen des Ökomonitoring nie mehr als 0,1 Prozent gentechnisch veränderter Soja, während dies bei konventionellem Soja regelmäßig der Fall war.“

Entwarnung gibt der Bericht beim Honig – 51 Proben insgesamt wurden genommen, in keiner – weder aus Bio-Produktion noch konventioneller – sind Spuren von gentechnisch veränderten Pflanzen gefunden worden- eine Verbesserung zum Vorjahr, wo noch einige Chargen herkömmlichen Honigs mit Spuren von Gen-Soja belastet waren.

Pestizide

Die Belastung von frischem Obst und Gemüse mit Pflanzenschutzmitteln ist stets ein Schwerpunkt des Berichts, fast 2000 Proben sind in diesem Bereich „risikoorientiert“ und nicht repräsentativ - genommen worden. Auch 2018 setzte sich der Trend der letzten Jahre fort – bei Bio-Ware sind wesentlich weniger Pestizidrückstände zu verzeichnen als bei der aus konventioneller Erzeugung. Die bei „Bio“ gefundenen Rückstände lagen „überwiegend im Spurenbereich“ und unter fünf Prozent aller Proben. Bei einer Probe von Öko-Zitronen ist immerhin eine Beanstandungsquote von 1,4 Prozent gefunden worden, bei fünf Proben von Öko-Gemüse (spanische Gurken, deutscher Salat und Radieschensprossen unbekannter Herkunft) lag die Fundquote aber bei 3,8 Prozent. In diesen Fällen haben die Behörde die Bezeichnung „Öko“ als „irreführend“ zurückgewiesen.

Pestizidrückstände müssen nicht gesundheitsgefährdend sein, allerdings ist von einem Höchstwert die Rede, ab dessen Überschreitung das Erzeugnis „nicht mehr verkehrsfähig“ sein sollte. Der betraf beim Öko-Obst immerhin 1,4 Prozent aller Proben, beim Öko-Gemüse 1,5 Prozent – beim konventionellen Anbau lagen die Prozentanteile allerdings wesentlich höher, bei sieben Prozent beim Obst beziehungsweise 21 Prozent beim Gemüse. Die Unterschiede werden auch deutlich bei dem errechneten „mittleren Pestizidrückstandsgehalt“ aller Proben: Beim Ökogemüse lag er beispielsweise bei 0,008 Milligramm pro Kilo, beim konventionellem Gemüse bei 0,46 Milligramm pro Kilo.

Verarbeitete Erzeugnisse

Auch verarbeitete Lebensmittel waren im Blick der Fahnder, hier lag die Beanstandungsquote – bei der das Öko-Siegel irreführend ist – bei 2,2 Prozent, und damit in ähnlicher Höhe wie bei frischen Produkten. Vor 2011 lag diese Quote noch über acht Prozent. Vereinzelt gab es Auffälligkeiten bei Getreideerzeugnissen und getrockneten Hülsenfrüchten. So waren etwa zwei Proben brauner Linsen aus ökologischem Anbau in Italien und eine Probe roter Öko-Linsen unbekannter Herkunft mit Phosphin belastet, das zur Abtötung von Vorratsschädlingen beim Transport verwendet wird.

Meeresfrüchte und Antibiotika

Unter den Sonderthemen der Untersucher war diesmal der Einsatz von Antibiotika bei Krebstieren, wie es in Aquakulturen im Krankheitsfall zulässig ist. Im Vergleich zur konventionellen Aquakultur bestehen bei der ökologischen Tierhaltung strengere Anforderungen bei der Behandlungshäufigkeit. Untersucht worden sind 127 Proben von Krebstieren in Aquakulturen (61 Prozent ökologischer Anbau, der Rest konventionell). Während in sechs Proben aus konventioneller Aquakultur Rückstände von pharmakologische wirksamen Stoffen nachgewiesen wurden, war dies bei keiner ökologischen Aquakultur der Fall.

Keime in Gemüse

Bakterien können Frischgemüse auch belasten. Im vergangenen Jahr sind fast 100 Proben von Gurken und Karotten aus öko- und konventionellem Anbau untersucht worden auf Krankheitserreger und Fäkalindikatoren. Salmonellen, Escherichia coli, Listeria monocyogenes, Clostridium perfringens oder Staphylococcus aureus und Escherichia coli waren in keiner Probe nachweisbar. Bacillus cereus wurde in vier Proben – sowohl Gurken als auch Karotten – in geringen Keimzahlen nachgewiesen. Zwischen ökologischer und konventioneller Erzeugung waren keine Unterschiede feststellbar. „Nach den Ergebnissen sind Gurken und Karotten aus beiden Anbausarten bezüglich ihrer mikrobiologischen Qualität auch zum Rohverzehr gut geeignet“, heißt es im Ökomonitoring.

Aus dem politischen Bereich gab es immerhin eine Reaktion auf den Ökomonitoring-Bericht aus Baden-Württemberg: Der grüne Bundestagsabgeordnete Harald Ebner aus dem Wahlkreis Schwäbisch Hall/Hohenlohe, begrüßte es, dass „kaum gentechnische Verunreinigungen in Lebensmitteln gefunden“ worden seien. „Damit das aber so bleibt, muss Minister Peter Hauk jetzt seine Bundeskollegin Julia Klöckner zurückpfeifen, die gerade versucht, durch eine Aufweichung der entsprechenden EU-Gesetze der Gentechnik in Europa unkontrolliert Tür und Tor zu öffnen“, sagte Ebner, der in seiner Fraktion Sprecher für Gentechnik ist.

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