Aus drei mach zwei: Der Bus dürfte künftig alleine die bestehende Überholspur auf der Strecke nach Waiblingen nutzen, wenn es nach der Remsecker Verwaltung geht. Foto: factum/Weise

Damit die Fahrgäste in den Linienbussen schneller vorankommen, plant Remseck den Umbau einer wichtigen Route nach Waiblingen. Autofahrer müssten dafür zurückstecken.

Remseck - Stadtbahnen mit hohen oder niedrigen Einstiegen, reaktivierte Zugstrecken und ein Schnellbussystem: In der D ebatte über den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs im Kreis Ludwigsburg gab es in den vergangenen Monaten viele Vorschläge und Ideen. Die großen Lösungen, um derzeit gerungen wird, brauchen Zeit. Deutlich kurzfristiger will nun das Remsecker Rathaus aktiv werden. So sollen Linienbusse auf der stark befahrenen Strecke zwischen dem Stadtteil Neckarrems und Waiblingen schneller vorankommen – und dafür auf einigen Hundert Metern der Route künftig eine eigene Fahrspur erhalten.

Derzeit ist ein Teil der Landesstraße, die den Kreis Ludwigsburg mit dem Rems-Murr-Kreis verbindet, dreispurig ausgebaut. In Fahrtrichtung Waiblingen-Hegnach gibt es eine Überholspur vor allem für Autofahrer, die nicht hinter einem Lastwagen herzuckeln wollen, der sich den steilen Berg hinauf kämpft. Nun soll diese Überholspur wegfallen – zugunsten einer geringeren Fahrzeit der Linienbusse.

Stau auf der Strecke soll umfahren werden

Laut Karl-Heinz Balzer, dem Ersten Bürgermeister von Remseck, könnte die Busspur in beiden Richtungen genutzt werden: Der Takt auf der Strecke sei nicht so eng, als dass sich die Busse gegenseitig behindern würden. Die Linien 431 und 432 pendeln derzeit auf dieser Trasse, sie verkehren im Viertel- und Halbstundentakt zwischen Ludwigsburg und Waiblingen. Nach der jetzt aufgebrachten Idee könnten sie die dann umgewidmete dritte Spur nutzen, um an dem Stau vorbeiziehen, der sich vor allem werktags vor Neckarrems bildet.

Laut einer Verkehrszählung aus dem Jahr 2016 fahren dort jeden Tag rund 15 000 Fahrzeuge, wenige Meter weiter überqueren mehr als 30 000 jeden Tag den Neckar. Vor allem die Autoschlange vor der Pförtnerampel, die seit dem vorigen Sommer am Ortseingang von Neckarrems steht, könnten die Busfahrer auf der eigenen Fahrspur umgehen – und in der Gegenrichtung bergauf an Lastern vorbeiziehen.

Neben dem Zeitgewinn für die Fahrgäste sieht Balzer auch einen Vorteil für die Anwohner in Neckarrems: Immer wieder gebe es Beschwerden, wonach der Lärm auf der Strecke besonders laut sei, wenn Autofahrer die Überholspur nutzten, um ihren Motor voll auszufahren. Dem könne man entgegenwirken, indem die dritte Spur nur noch für Busse erlaubt sei, meint er. Der Trost für Autofahrer: Heutige Lastwagen seien so leistungsstark, dass sie nicht mehr zwangsläufig überholt werden müssten. Zumal an den Enden der Landesstraße in Hegnach und Neckarrems Tempo 30 gilt.

Wird die Straße mittelfristig ausgebaut?

Um jedem Autofahrer klarzumachen, dass die dritte Spur nur noch für Busse reserviert ist, braucht es aus Balzers Sicht aber mehr als nur neue Markierungen auf der Straße und ein paar Extra-Schilder. Er denkt an ein physisches Hindernis, etwa Pylonen auf der Straße. Wie genau die Trasse umgebaut werden muss und was das Ganze kosten wird, könne man aber noch nicht sagen, erklärt der Bürgermeister. Die Pläne seien noch in einem sehr frühen Stadium, noch wurde kein Planungsbüro beauftragt. Rechtlich ist zudem nicht die Stadt, sondern das Land zuständig. Er halte die Busbeschleunigung auf dieser wichtigen Route aber „für eine echte Chance“, sagt Karl-Heinz Balzer.

Während die Überholspur vergleichsweise kurzfristig wegfallen könnte, denkt man im Remsecker Rathaus auch über langfristige Vorhaben nach: Einen Ausbau der Landesstraße. Denn bisher endet die Überholspur auf halbem Weg nach Waiblingen. Damit Busse komplett auf einer eigenen Spur fahren können, müsste die Trasse verbreitert werden. „Platz genug ist vorhanden“, meint der Remsecker Bürgermeister Karl-Heinz Balzer.

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