Die Polizei im Rems-Murr-Kreis hat es möglicherweise mit einem Serienbrandstifter zu tun (Symbolbild). Foto: Phillip Weingand / STZN

Am Wochenende ist ein Erdbeerstand in Welzheim abgebrannt. Der Besitzer ist sich sicher, dass Brandstiftung im Spiel war. Der Fall ist nicht der erste – und immer ist derselbe Landwirt betroffen.

Rems-Murr-Kreis - Es passiert immer im Dunkeln, in Nächten von Samstag auf Sonntag. Am vergangenen Wochenende war es in Welzheim so weit, dass ein Obstverkaufsstand völlig niedergebrannt ist. Nun wäre das Ereignis an sich – niemand kam zu Schaden, Ware war keine mehr im Stand – keine große Schlagzeile wert. Wenn es nicht binnen ein paar Wochen bereits der vierte Fall wäre, dass in der Region ein Obststand in Flammen aufgeht. Und wenn nicht jedes Mal ein und derselbe Obstbauer betroffen wäre.

Besitzer der Obststände geht von Brandstiftung aus

Die Polizei berichtet, die Holzhütte in der Rudersberger Straße habe gegen 3.40 Uhr gebrannt. Sie formulierte nach dem neuesten Fall in ihrer Pressemitteilung noch vorsichtig, es könne „nicht ausgeschlossen werden, dass das Feuer vorsätzlich gelegt wurde“. Der Standbesitzer Martin Bauer ist dagegen sicher, dass jemand die Stände anzündet. „Das sind ganz einfache, selbst gebaute Holzhütten. Wir haben da keine Elektrik drin.“ Und folglich gebe es auch keine Möglichkeit, dass irgendwelche Defekte die Brände ausgelöst haben.

Seit mehr als 20 Jahren bauen Bauer und seine Familie auf ihrem Obsthof in Weinstadt-Großheppach Erdbeeren, Himbeeren, Kirschen, Stachelbeeren, Heidel- und Brombeeren an und verkaufen sie an Ständen in der Region. Aber so etwas habe es in all der Zeit nicht gegeben, sagt der 59-Jährige.

Wer könnte so etwas tun? Bauer vermeidet es, Verdächtigungen gegen irgendjemanden auszusprechen. „Vielleicht sind es ja junge Leute, die sich cool dabei vorkommen, wenn sie etwas anzünden“, meint er. Immer wieder komme es vor, dass am Morgen leere Bierflaschen bei den Ständen gefunden würden – so auch bei den abgebrannten Ständen. Dass daran nach der großen Hitzeeinwirkung noch verwertbare Spuren zu sichern sind, glaubt Bauer aber nicht. „Selbst die Toilettenhäuschen, die neben den Ständen standen, sind einfach zusammengeschmolzen.“ Tatsächlich werden Brandermittlungen der Polizei immer dadurch erschwert, dass ein Feuer immer auch Spuren vernichtet.

Mutmaßliche Brandstiftungen: Gezielte Aktionen gegen die Familie?

Obwohl er nicht der einzige Obstbauer mit Ständen in der Region sei, habe er keine Feinde, sagt Bauer. „Klar gibt es unter Kollegen mal Neid, aber mir fällt niemand ein, der so bösartig sein könnte.“ Und dennoch falle es auf, dass immer seine Stände brennen. „Da liegt der Verdacht natürlich nahe, dass es gezielt gegen uns gerichtet ist.“ Aufgeben will der Familienbetrieb trotz allem nicht: Sobald ein Stand abgebrannt ist, wird am Morgen ein Ersatz aufgestellt. „Wir überlegen auch, Wildkameras aufzustellen“, sagt Bauer. Ein privater Wachdienst sei allerdings wohl zu teuer, immerhin müsste der 25 Orte im Auge behalten.

Die Verkäuferinnen an den Ständen, betont Bauer, hätten keine Angst und auch keinen Grund dazu: „Zu den Bränden kommt es ja immer nachts.“ Zu diesem Zeitpunkt seien die Stände unbesetzt – und auch Ware enthalten sie nachts nicht. Die Beeren, so sie nicht verkauft wurden, werden abends aus dem Stand geholt.

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