Bei Obstbau Wilhelm wird jetzt eingezäunt. Foto: Gottfried Stoppel

Weil immer mehr Kirschen, Aprikosen, Beeren in den Händen und Tüten von Spaziergängern landen, ergreift ein Stettener Obstbaubetrieb nun Maßnahmen: Zwei Anlagen werden eingezäunt und abgesperrt. Die Landwirte ärgern sich vor allem über die mangelnde Einsicht der Täter.

Kernen - Bedauerlicherweise ist das Thema nichts Neues: „Seit Jahren ist es auffällig, dass die ersten Bäume unserer Obstanlagen fast leer sind, weil die reifen Früchte geerntet werden“, erzählt Simone Wilhelm von Obstbau Wilhelm in Kernen. Doch was sie und ihr Mann in den vergangenen Wochen an Erntediebstählen und vor allem an uneinsichtigen Tätern erlebt haben, hat die Haupterwerbslandwirte aus Kernen-Stetten dazu bewogen, ihre Grundstücke nun besser zu schützen: Anfang dieser Woche haben sie einen Weidezaun um ihre Aprikosenbäume aufgebaut, in den kommenden Tagen soll mit einem Absperrband eine weitere große Obstanlage in der Nähe des Ortes umzäunt werden.

Kein Selbstbedienungsladen, sondern eine professionell bewirtschaftete Anlage

Zudem sollen Schilder Spaziergänger, Hundebesitzer und Obstliebhaber darauf hinweisen, dass es sich bei dem abgesperrten Gelände um eine professionell bewirtschaftete Obstanlage handelt, „für deren Ertrag wir das ganze Jahr hart arbeiten“. Wobei Hagelnetze und Spalierobstreihen eigentlich für sich sprechen und anzeigen, dass es sich bei diesen Flächen nicht um wenig genutzte Streuobstwiesen handelt. Und weiter heißt es auf dem Plakat: „Auch sind wir kein Selbstbedienungsladen.“

Mit einem solchen scheinen jedoch viele Spaziergänger die Sträucher und Bäume zu verwechseln. „Manche kommen sogar mit Tüten, um richtig zu ernten.“ Aber selbst wenn jeder nur einen Apfel mitnähme, wären das bei 20 Spaziergängern am Tag schon fast vier Kilo. Darüber hinaus ärgert sich Simone Wilhelm vor allem über das, was sie von den ertappten Tätern zu hören bekommt. Erst vor Kurzem habe sie eine Spaziergängerin mit Hund erwischt, die sich bei den Kirschen bedient habe. „Als wir sie darauf angesprochen haben, war die Antwort nur: Hier gibt es doch so viele“, sagt Simone Wilhelm. Von anderen habe sie sich anhören müssen, die reifen Früchte würden ja eh nicht geholt werden. „Manches hängt vielleicht noch am Baum, weil es frisch gespritzt ist. Anderes ernten wir Ende der Woche, frisch für den Markt“, erklärt sie.

Mundraub gibt es bereits seit 1975 nicht mehr

Von schlechtem Gewissen oder einer Entschuldigung gebe es meist keine Spur. Dabei wäre eine solche durchaus angebracht: Denn den straffreien Mundraub – also das Entwenden von Nahrungsmitteln in geringen Mengen zum alsbaldigen Verbrauch – gibt es bereits seit 1975 nicht mehr. „Das ist Diebstahl, auch wenn er nicht mit einer Anzeige verfolgt wird“, sagt Adrian Klose, der Obstbaufachberater beim Landratsamt. Auch dort kommt das Thema Erntediebstahl immer wieder zur Sprache. „Ob es allerdings zu- oder abnimmt, dazu kann ich keine Einschätzung abgeben“, sagt Klose, der jeden Fall bedauerlich findet: „Viele denken, dass ein paar Kirschen nicht viel ausmachen. Natürlich sehen reife Früchte verführerisch aus. Aber wenn alle so denken, ist der Baum leer – und die Obstbauern leben nun einmal von dem Ertrag.“

Hundekot zwischen Obstbäumen

Was sein Amt betroffenen Landwirten als Tipp mitgibt? „Mit den Tätern in Kontakt treten oder Hinweisschilder aufhängen. Zäune sind das letzte Mittel, weil sie teuer sind und nicht immer aufgestellt werden können.“ Auch Simone Wilhelm ist gespannt, ob sich die Investition lohnt. „Der Zaun bedeutet für uns schon einen Mehraufwand, weil es umständlicher wird, auf die Fläche zu kommen.“ Sie hofft, dass die Zäune die Spaziergänger und Hundebesitzer etwas sensibler machen – denn leider haben die Obstbauern auch mit Hundekot und ausgebürsteten Hundehaaren in den Plantagen zu kämpfen. „Wir stellen Lebensmittel her, daran scheinen viele nicht zu denken.“

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