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Sarkozy dringt seit langem auf eine härtere Gangart gegen den Iran, nun auch Obama.

Washington - Dem Gast aus Europa gefiel, was er da hörte. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy dringt seit langem auf eine härtere Gangart gegen den Iran. Nun ist auch US-Kollege Barack Obama offenkundig entschlossen, sich nicht länger hinhalten zu lassen. Neue, härtere Sanktionen gegen Teheran sollen nach dem Willen Obamas noch in den nächsten Wochen im UN-Sicherheitsrat beschlossen werden.

"Ich bin nicht daran interessiert, dass dies noch Monate dauert", sagte Obama. "Wir wollen keinen nuklearen Wettlauf im Mittleren Osten sehen", betonte der US-Präsident. Er machte allerdings keinen Hehl daraus, dass es bis zu einer gemeinsamen Linie im Sicherheitsrat nach wie vor ein Stück hin ist. "Seien wir ehrlich: der Iran ist ein Ölproduzent. Und es gibt eine Reihe von Ländern, die ihre wirtschaftlichen Interessen für wichtiger halten als langfristige geopolitische Überlegungen." Das zielte vor allem auf China, aber auch auf Russland.

"Unserer ältester Alliierter"

Moskau schwenkt nur sehr zögerlich auf eine Linie ein, die Teheran davon abhalten soll, sein Atomprogramm fortzusetzen. Iran dürfe seinen "verrückten Kurs" nicht fortsetzen, so Sarkozy. Die Zeit für Entscheidungen sei gekommen. "Wir werden alle Anstrengungen unternehmen, um sicherzustellen, dass Europa als Ganzes Sanktionen mitträgt", versprach er dem US-Präsidenten.

Kein Blatt Papier passte bei diesem gemeinsamen Auftritt zwischen Sarkozy und Obama. Die demonstrative Einigkeit, das gegenseitige Lob, das Füllhorn an gegenseitigen Freundlichkeiten sollte die Spannungen und Animositäten zwischen den beiden Präsidenten vergessen machen. Sarkozys ausgeprägtem Ego fiel es lange Zeit schwer, sich damit abzufinden, fast 15 Monate auf eine offizielle Einladung ins Weiße Haus warten zu müssen. Dass er sich mit Sticheleien über Obamas fehlende außenpolitische Erfahrung rächte, wurde im Weißen Haus sehr wohl notiert. "Wir leben in der wirklichen Welt und nicht in einer virtuellen", hatte sich Sarkozy noch im letzten Jahr über Obamas Vision einer atomwaffenfreien Welt mokiert.

Obama versprach im Tauziehen um den Milliardenauftrag für neue US-Betankungsflugzeuge einen fairen Wettbewerb. So sehr mühte sich Sarkozy, die Irritationen im Verhältnis beider Länder auszuräumen, dass er sein Mittagessen in einer Imbissbude im Washingtoner Norden einnahm, die für fette Räucherwürste berühmt-berüchtigt ist. Doch dass weder die Speisekarte beim privaten Dinner noch ein offizielles Foto der Begegnung der beiden Ehepaare veröffentlicht wurden, machte deutlich, dass die amerikanische Seite den Termin eher tief hängte. "Ich höre Sarkozy zu. Ich kann gar nicht aufhören, ihm zuzuhören", hatte Obama zuvor gelästert. Nicht jedem Wort des Franzosen, "unserem ältesten Alliierten", wird in Washington tiefere Bedeutung beigemessen.

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