Will mit den Bürgern auf Augenhöhe kommunizieren: Matthias Knecht Foto: factum/Weise

Ein Titel, der plötzlich nicht mehr da ist? Matthias Knecht möchte Oberbürgermeister von Ludwigsburg werden und legt deshalb momentan nicht so großen Wert auf seine Professoren-Würde.

Ludwigsburg - Ein Professor ist, wie jedermann schon lange wusste, bevor bei „Fix und Foxi“ Professor Knox auftauchte, ein extrem gelehriger Mensch, der unermüdlich in höhren geistigen Sphären schwebt und sich mit womöglich genialen, aber zumeist unverständlichen Dingen befasst. Professor Knox, um im Beispiel zu bleiben, konstruierte eine fahrende Badewanne, mit der man pünktlich zu – was sonst – Vorträgen kommt.

Professoren, die zufällig nicht wie Professor Knox aussehen (Frack, Zwicker, enorm großer Schnabel), tragen eine verbeulte Cordhose, ihren Hals ziert eine Fliege, die Haare auf ihrem Kopf recken sich in alle Himmelsrichtungen und wenn sie den Mund aufmachen, kommen Sätze raus, die so klingen: „Meine kognitive Aktivität manifestiert meine Existenz.“ (Auf deutsch: Ich denke, also bin ich.)

Erinnerung an zu Guttenberg

Sätze, die Professoren nicht so häufig sagen, lauten so: „Guten Tag, ich möchte Ihr Oberbürgermeister werden!“ Zumindest scheinen sie in den Ohren vieler Ludwigsbürger fremd zu klingen. Nicht anders ist zu erklären, dass Professor Doktor Matthias Knecht seinen Professoren-Titel hat verschwinden lassen. Matthias Knecht ist der Mann, der Werner Spec an der Stadtspitze ablösen möchte. Momentan noch aber lehrt er an der Hochschule Kempten Verwaltungsrecht, Sozialrecht und Europarecht.

Vollkommen korrekt hat sich der Kandidat in seinem Lebenslauf denn auch vorgestellt als „Prof. Dr. Matthias Knecht“. Oder sollte das doch nicht vollkommen korrekt gewesen sein? In einer neueren Version desselben Lebenslaufes steht „Dr. Matthias Knecht“ ohne Prof. da. Man erinnert sich an Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Buhl-Freiherr von und zu Guttenberg, der sich so lange Doktor nannte, bis raus kam, dass er betrogen hatte. Oder an Matthias Pröfrock. Oder an Annette Schavan. Oder an die vielen anderen aufgeflogenen Blender.

Keine Chance für Blender

Abgesehen davon, dass ein Blender im lichten Ludwigsburg chancenlos wäre – Matthias Knecht dürfte sich sehr wohl weiterhin Professor nennen. Diese Würde ist ihm offiziell von der Hochschule im Herbst 2011 verliehen worden. Momentan legt er allerdings keinen Wert darauf, sondern auf Augenhöhe. Die Bürger, mit denen er während seiner Werbetour ins Gespräch komme, seien stets sehr beeindruckt, wie normal man mit ihm reden könne, berichtet Knecht. Ganz anders, als man es von einem Professor offenbar erwartet. Und weil das Gesetz nur den Doktortitel im Pass vorschreibt, entschied sich der gelehrige Gelehrte, auf die Würde des Professors zu verzichten, bevor sie sich womöglich als Bürde erweisen könnte. Wie schnell kann man heute als „dieser Professor aus Kempten“ verunglimpft werden.

Weltfremd, das wäre schon mal bewiesen, ist Matthias Knecht nicht. Oder sollte man sagen, er ist mit Spöttern und Neidern auf Augenhöhe?

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: