Was 2011 gut war, muss 2019 nicht unbedingt schlecht sein: die aktuelle Homepage von OB Werner Spec Foto:  

Kann eine Homepage recycelt werden? Ludwigsburgs Stadtchef Werner Spec zeigt, wie das geht. Eine launige Besprechung.

Ludwigsburg - Das Schöne am sogenannten Wahlkampf ist, dass es sich nicht um einen Kampf im bildlichen Sinne handelt. Niemand zieht mit Schwertern los oder gar mit schwererem Gerät. Auch Faustkämpfe sind glücklicherweise eher die Ausnahme. In der Regel fliegen den Kämpfern nur spitze Worte oder scharfe Argumente um die Ohren. Wenn überhaupt. Muss man nur mal nach Ludwigsburg schauen: Das Schöne am sogenannten Wahlkampf um den Oberbürgermeister-Posten ist, dass er wahnwitzig entspannt geführt wird. Oder sollte man sagen: wahnsinnig altmodisch?

Kein Grund zur Irritation

Zumindest irritiert es auf den ersten Blick ein bisschen, dass der Amtsinhaber Werner Spec (parteilos) mit einer Homepage in den, nun ja, Wahlkampf startet, mit der er bereits vor acht Jahren an den Start gegangen ist. Unter www.wernerspec.de kann der interessierte Bürger seit Wochen nachlesen, warum die Zeit mit Werner Spec als Stadtoberhaupt „Gute Jahre für Ludwigsburg“ waren. Auf den zweiten Blick jedoch löst sich jegliche Irritation auf, und die acht Jahre alte Homepage erscheint nachgerade logisch.

Kurzer Blick zurück: Welche Stadt hat anno 2014 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis gewonnen? Genau: Ludwigsburg. Und wem wird regelmäßig vorgeworfen, dauernd neue Fässer aufzumachen und mit neuen Visionen in noch fernere Sphären abzuheben, anstatt sich in jenen Niederungen aufzuhalten, in denen sich die meisten Bürger aufhalten? Richtig: Werner Spec. Erst neulich hat sein Herausforderer Matthias Knecht angemerkt, wäre er OB, würde er nicht ständig kleinere oder mittlere Luftballons steigen lassen, sondern größere. Und die sollten dann auch wirklich fliegen.

Der Konkurrent ist brandaktuell

Bis dahin braucht Matthias Knecht erst mal selbst eine ganze Menge Luft, bei all den Terminen, die in seinem Kalender stehen: Begehung der neuen Reithalle des RFV Ludwigsburg-Oßweil; Besichtigung des Neubaus des THW-Ludwigsburg; Feiern beim RKV-Waldfest in Poppenweiler; Eröffnung der Tennissaison beim MTV. Und noch vieles, vieles mehr. Matthias Knecht ist nicht nur auf den, sagen wir, jungen Kanälen Facebook und Instagram unterwegs. Er ist dabei auch up-to- date, also brandaktuell.

Andererseits: Was sollte er sonst tun? Anders als Werner Spec kann Matthias Knecht nicht auf Bewährtes zurückgreifen. Was vor acht Jahren wahr war, muss heute ja nicht falsch sein.

Noch immer gilt zum Beispiel der Satz: „Seit 2003 Oberbürgermeister in Ludwigsburg.“ Auch an der Feststellung „Aber im Kern geht es uns darum, die Chancen unserer Stadt aktiv zu nutzen und Herausforderungen vorausschauend anzupacken“ gibt es bis heute nichts zu rütteln. Und „dennoch gibt es noch viel zu tun“, ist 2019 noch so wahr, wie es 2011 war. „Zahlreiche Programme, die wir begonnen haben, müssen vollends umgesetzt werden, in der Innenstadt ebenso wie in den Stadtteilen.“

Der richtige Termin wird sich schon herumsprechen

Gut, Werner Spec ist keine 53 mehr, sondern 61. Was soll’s! Und ja, die Wahl findet nicht am 3. Juli 2011 statt, sondern am 30. Juni 2019. Aber das wird sich schon rechtzeitig rumsprechen. Und dass sich auf der Homepage über Ludwigsburgs digitale Aktivitäten nichts findet, dürfte verschmerzbar sein, solange das Internet läuft. Die meisten Ludwigsburger wären wahrscheinlich eh verängstigt, prasselten Begriffe wie Transformationsprozess, digitale Revolution oder Innovationslabor auf sie ein. Ein treu sorgender Stadtvater möchte das natürlich nicht.

Ein treu sorgender Stadtvater möchte, dass es seinen Bürgerlein an nichts fehlt, dass sie die besten Chancen haben, um in dieser sich immer schneller drehenden Welt bestehen zu können. Das ist sein Antrieb, dafür rackert und schuftet er Tag und Nacht ohne Rücksicht auf Verluste. Womöglich sogar so sehr, dass er darüber sich selbst vergisst.

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