Werner Spec im Jahr 2007 innovativ mit seinem erdgasbetriebenen Dienstwagen. Foto:  

Wie geht eigentlich Werner Spec mit der dramatischen Niederlage bei der OB-Wahl in Ludwigsburg um? Nur noch 29,4 Prozent haben ihn gewählt, wie geht es weiter? Wir haben mit dem scheidenden OB gesprochen.

Ludwigsburg - Es ist Dienstag, Tag zwei nach der überraschenden Wahlentscheidung. Werner Spec sitzt gut gelaunt in seinem Büro im barocken Rathaus. „Es geht mir gut, ob Sie das glauben oder nicht“, sagt er. Nein, er hadere nicht mit der Wahlniederlage, sei niemandem gram, der ihn nicht unterstützt habe. Der 61-Jährige verbreitet nicht den Hauch eines Selbstzweifels und kann keinen Fehler darin sehen, ein drittes Mal kandidiert zu haben. Spec sieht in seiner Abwahl eine historische Logik: „In Ludwigsburg gibt es seit 75 Jahren eine Kontinuität im Wechsel.“ Nur zwei Oberbürgermeister hätten zwei Amtsperioden absolviert.

Eine dritte wäre also ein Novum in der Stadtgeschichte gewesen. Dennoch bleibt die Frage unbeantwortet, warum Spec entgegen dem Rat vieler Getreuer und ehemaliger Unterstützer sehenden Auges in die Niederlage gerannt ist. Der Rathauschef bemüht das Bild eines Kapitäns, der sich nicht zu schade ist, dorthin zu gehen, wo es schmutzig ist: „Ich habe jahrelang im Maschinenraum gearbeitet und lege nicht einfach den Schraubenschlüssel weg.“ Familiär sei er so geprägt: viel arbeiten, zusammenhalten – und nicht weglaufen.

Eigene Fehler? Darüber denkt der OB nicht nach

Sieht er eigene Fehler? Bei seiner Kampagne? Bei seinem Politikstil, der am Ende immer mehr Menschen vor den Kopf gestoßen hat? „Natürlich mache ich Fehler, jeden Tag sogar, aber das hilft in der Retrospektive nichts“, sagt der Oberbürgermeister, den nur noch 29,4 Prozent der Wähler im Rathaus sehen wollen.

Er liefert eine Erklärung, wie sie wohl nur Spec liefern kann: Städte wie Ludwigsburg, die Vorreiter in Sachen Digitalisierung seien, hätten oft das Problem, dass diese Entwicklung in den Gemeinderäten und der Bevölkerung nicht verstanden werde. Die Fehler liegen wohl doch eher wieder bei anderen. „Ich habe meine Pflicht getan und habe mir nichts vorzuwerfen.“ Mit diesen Worten zieht Spec gut gelaunt einen Schlussstrich.

Abgehakt, der nächste Lebensabschnitt kann beginnen. Es ist nicht seine erste Wahlniederlage, zu Beginn seines Berufslebens hat er schon in Sigmaringen und in der benachbarten Gemeinde Winterlingen erfolglos kandidiert. „Diese Niederlagen haben mir zu schaffen gemacht“, räumt Spec ein, „aber alles, was danach kam, war viel besser.“ Zunächst will er in Ludwigsburg bleiben und auch sein Kreistagsmandat annehmen. Er verbindet das mit einer Ankündigung, die sein Dauerrivale und Landrat Rainer Haas mit Erstaunen zur Kenntnis nehmen wird: „Die Bürger im Kreis haben die Erwartung, dass sich einiges ändert. Wir müssen eine gute Weichenstellung hinbekommen.“

Im Kreistag will sich Spec aktiv einbringen

Will sich da jemand als Landrat bewerben? „Dazu habe ich in der Vergangenheit schon alles Notwendige gesagt“, erklärt Spec. Das kann man als ein Nein deuten, realistisch wäre eine Kandidatur ohnehin nicht. Der scheidende OB denkt aber nicht daran aufzuhören, auch wenn er sich auf mehr Privatsphäre und deutlich weniger als 70 Wochenstunden Arbeit freut. Und auf mehr Zeit mit den vier, bald sogar fünf Enkelkindern. „Ich habe schon einige Angebote bekommen“, sagt Spec, „es gibt aber keinen Zeitdruck.“ Bis Ende Juli ist er noch da, voraussichtlich wird es eine offizielle Verabschiedung geben, im August nimmt der vormals Erste Mann im Rathaus noch etwas Resturlaub.

Spec: Ich wünsche Herrn Knecht, das er sich schnell einarbeiten kann

Der Zeitplan ist klar: Am 1. September übernimmt Matthias Knecht die Amtskette. Bis dahin soll der neue Studiengang Wirtschaftsinformatik in Ludwigsburg etabliert sein, vor allem will Spec eine reibungslose Übergabe ermöglichen. Doch selbst in seinen Wunsch an den Nachfolger packt der 61-Jährige noch eine kleine Wahlkampfbotschaft: „Ich wünsche Herrn Knecht von ganzem Herzen, dass er sich schnell einarbeiten kann. Die Geschwindigkeit der Veränderung ist groß.“

Wird ihm der Glanz des öffentlichen Amtes nicht fehlen? Die Bedeutung, die mit dem Chefposten im Rathaus verbunden ist? Spec lacht. „Ich freue mich am meisten darauf, nach 23 Jahren im kommunalpolitischen Amt wieder ein normaler Mensch zu sein“, sagt er, „ich brauche das nicht, ich werde das genießen.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: