Ob Nutella oder ein Nachahmprodukt: Für viele ist das reine Geschmackssacke, die Stiftung Warentest versucht eine neutrale Bewertung. Foto:  

Mit Butter oder ohne? Streichen oder löffeln? Klassiker Nutella oder lieber ein Konkurrenzprodukt? Die Stiftung Warentest liefert mit einem Test nun handfeste Argumente – und verrät, ob der Marktführer den Testsieg schafft.

Stuttgart – Ob Nutella oder Konkurrenzprodukt ist für viele reine Geschmackssache. Wie kann die Stiftung Warentest die Produkte neutral ­bewerten?
Von neutralen Tellern mit Kunststofflöffeln und pur: So haben die fünf Tester die 21 Nuss-Nougat-Cremes probiert. „Die Leute sind so geschult, dass sie nicht sagen: Schmeckt mir oder schmeckt mir nicht“, sagt Sara Waldau, Ernährungsexpertin bei der Stiftung Warentest. Vielmehr geht es um geschmackliche Feinheiten wie „schmeckt kräftig nach gerösteten Haselnüssen“ oder „hat ein cremiges und leicht kühlendes Mundgefühl“. Nur wenn die Cremes nach etwas schmecken, das nicht in das Produkt gehört – etwa nach Verpackung oder alten Haselnüssen – kommt es zu einer Abwertung. Im Geschmackstest hat keines der Produkte schlechter als „befriedigend“ abgeschnitten. Am besten beurteilten die Tester Ferreros Nutella und die Nuss-Nougat-Creme von Alnatura.
Neben dem Geschmack spielen auch ­Schadstoffe immer eine Rolle bei der Bewertung der Stiftung Warentest. Was wurde hier gefunden?
Werden Haselnüsse nicht richtig getrocknet und gelagert, können sich Schimmelpilze bilden. „Diese können die krebserregenden und erbgutveränderten Gifte Aflatoxine bilden“, sagt Sara Waldau von der Stiftung Warentest. Im Test wurden in 16 von 21 Nuss-Nougat-Cremes Aflatoxine gefunden. Nur in den Brotaufstrichen Nutella (Ferrero), Nuss-Nougat-Creme (Real/Tip), Nussano (Kaufland/K-Classic), Bionella (Rapunzel) und Nusskati (Aldi Nord) waren keine Schimmelpilzgifte nachweisbar.
     „Dass dies in so vielen Produkten und mit so deutlichen Werten der Fall war, hat uns schon überrascht“, sagt Waldau. Sie sagt aber auch, dass alle Produkte den derzeit geltenden Grenzwert einhalten – sprich so auch hätten verkauft werden dürfen. Der Grenzwert für Aflatoxine wurde allerdings erst im Jahr 2010 erhöht (von maximal vier Mikrogramm pro Kilogramm Haselnüsse auf zehn Mikrogramm), um weltweit einen einheitlichen Wert zu haben und so den Handel zu erleichtern. „Davor hätten sieben Produkte in Deutschland nicht verkauft werden dürfen“, sagt Waldau. Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) sagt: „Die Erhöhung des Grenzwerts wirkt sich nur gering auf das Krebsrisiko aus“.
Umweltaktivisten kritisieren Nuss-Nougat-Creme immer wieder. Warum?
In Nuss-Nougat-Creme steckt als Fett meist Palmöl – so auch in 19 der 21 Produkten, welche die Stiftung Warentest nun unter die Lupe genommen hat. .„Palmöl ist günstig zu haben, ­geschmacksneutral und schmilzt bei Raumtemperatur nicht“, sagt Sara Waldau von der Stifung Warentest. Das Fett aus den Früchten der Ölpalme ist also der wesentliche Grund dafür, dass sich der Brotaufstrich sommers wie winters schön cremig aufs Brot streichen lässt.
     Da Palmöl jedoch auch für andere Lebensmittel sowie für Kosmetika und Biosprit eine beliebte Zutat ist, werden für den Anbau jährlich Hunderttausende Hektar Regenwald gerodet, Ureinwohner und bedrohte Tier vertrieben. Weshalb die französische Umweltministerin Ségolène Royal im vergangene Sommer ­forderte: „Wir müssen aufhören, Nutella zu essen.“ Widerspruch erntete sie dafür ausgerechnet von der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Der Grund: Hersteller Ferrero gehöre zu den Unternehmen, die sich mit am fortschrittlichsten um eine nachhaltige Palmöl-Produktion kümmere.
     Das zeigt sich jetzt auch im Test der ­Stiftung Warentest. Sie hat alle Anbieter zur Nachhaltigkeit befragt. Das Ergebnis: Alle Hersteller, die Palmöl verwenden, legten Nachhaltigkeitszertifikate vor. Das bedeutet beispielsweise, dass für die Herstellung von Palmöl keine Primärwälder gerodet und keine Bäume abgebrannt werden. Fünf Anbieter nutzen Bio-Palmöl. Hier werden die Palmen nicht mit chemischen Pestiziden behandelt. Das Palmöl von Gepa und Rapunzel kommt zudem aus ­fairem Handel, was unter anderem gerechte Löhne garantiert. Für die Verbraucher macht sich das im Preis bemerkbar: Sie zahlen für eine solche Nuss-Nougat-Creme das Drei- bis Vierfache eines Discounterprodukts.
Wie gesund ist das tägliche Nuss-Nougat-Brot?
Fast jeder fünfte Deutsche isst mehrmals pro Woche Nuss-Nougat-Creme. Der süße Brotaufstrich besteht etwa zur ­Hälfte aus Zucker und zu einem Drittel aus Fett. In einer 20-Gramm-Portion, die durchschnittlich auf eine Scheibe Brot geschmiert wird, stecken laut Stiftung Warentest rund 115 Kilokalorien. Wählt man stattdessen Marmelade oder Honig, ist der Zuckeranteil zwar ähnlich hoch. Wer sparsam Butter darunter streicht isst aber weniger Fett und nimmt damit auch weniger Energie auf.
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