Mit einer Bodenzeichnung hat Melanie Grocki auf die räumlichen Besonderheiten im Kunstverein Nürtingen reagiert. Foto: Ines Rudel

Künstler und Galerien im Kreis Esslingen versuchen, aus der Corona-Krise online das Beste zu machen.

Nürtingen/Wendlingen - Die Ausstellung „Gelände“ von Melanie Grocki beim Kunstverein Nürtingen ist zwar aufgebaut. Allerdings kam der für den 26. März geplanten Eröffnung die Corona-Krise in die Quere. Die Werke der Stuttgarter Künstlerin werden über den zunächst geplanten Zeitraum hinaus stehen bleiben, und noch hat der Vorsitzende des Kunstvereins, Michael Gompf, die Hoffnung, dass es in zwei Monaten eventuell wenigstens noch eine Finissage geben könnte.

Auf der Homepage gibt es Kunstwerke zu sehen

Solange müssen Kunstinteressierte mit einem virtuellen Besuch auf der Homepage des Kunstvereins Nürtingen vorliebnehmen. Wer die Bildergalerie im Netz betrachtet, bekommt zwar einen Eindruck von Melanie Grockis Kunst, ein echter Kunstgenuss ist allerdings nicht möglich, dessen ist sich Michael Gompf wohl bewusst. „Für die Künstlerin ist diese Situation natürlich eine große Einschränkung, und das Präsentieren von Ausstellungsfotos auf unserer Homepage nur eine Notlösung“, sagt der Vereinsvorsitzende.

Melanie Grockis in Nürtingen ausgestellte Arbeiten sind ihren eigenen Worten zufolge „Ergebnis einer langfristigen künstlerischen Entwicklung“. Sie würde es sehr bedauern und als Abwertung ihrer Arbeit empfinden, wenn durch Corona ihre künstlerische Aussagen komplett überlagert würden.

Der Betrachter wird zu einer Entdeckungsreise eingeladen

In ihrer Ausstellung „Gelände“ setzt sich Melanie Grocki mit Entstehungsprinzipien unregelmäßiger Strukturen auseinander. Am Beginn ihrer Zeichnungen steht eine zufällige Setzung, ein Schwarm gespritzter Punkte auf leerem Blatt. Mit Aquarellfarbe, Pinsel, Stift oder Kreide entsteht ein dichtes System von Bezüglichkeiten. Kalkulierte Störungen und zufällige Abweichungen lassen Wendungen, Zwischentöne und Entdeckungen zu. Genau wie Landschaften und Geländeformen entstehen die Zeichnungen in einem Prozess aus Anlagerungen, Schichtungen, Verwerfungen, Wechselwirkungen und Brüchen.

Der Betrachter wird auf unbekanntes Terrain geführt. Er schweift über weite Flächen in verwinkelte Ecken, der Blick gleitet entlang von Kämmen und Graten, das Springen zwischen Ebenen und das Umrunden von Klüften werfen Fragen zur Beschaffenheit des Dazwischen und Dahinter auf. Melanie Grocki hat auch eine Bodenzeichnung geschaffen. „Damit reagiere ich auf die Besonderheiten der Räumlichkeiten hier. Die Radien der kreis- und ovoidförmigen Kreidelinien vergrößern sich ausgehend von einzelnen Zentren exponentiell. Mit zunehmender Größe wachsen die einzelnen Zentren zusammen, breiten sich in alle Richtungen aus und reichen sehr schnell weit in den Raum hinein“, erklärt die Künstlerin.

Finanzielle Förderungen sind an Veranstaltungen gebunden

Generell sei es für den Kunstbetrieb gerade sehr schwierig, erläutert Michael Gompf die aktuelle Situation. Denn öffentliche Förderungen, die auch der Kunstverein Nürtingen erhält, seien immer auch an Veranstaltungen gebunden, die auch tatsächlich stattfinden. „Speziell auch die Kunstvereine können hier nur auf eine unbürokratische Handhabung hoffen“, so Michael Gompf.

Nürtingen steht nur exemplarisch für viele andere Galerien. Der Galerieverein Wendlingen etwa hatte schon die Einladungskarten und Plakate für die geplante Ausstellung „Zeitspuren“ gedruckt. „Schweren Herzens“, teilt der Verein mit, musste die Ausstellung nun abgesagt werden. Was bleibt, ist ein virtueller Rundgang durch die Werke im Internet.

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