Die Fotovoltaik in Nürtingen soll ausgebaut werden. Auf dem Dach der Firma Zinco beispielsweise ist bereits eine Solaranlage installiert. Foto: Stadtwerke Nürtingen

Im Kampf gegen die Klimakrise will sich die Stadt Nürtingen mehr reinknien. Fridays for Future hat beim Wachrütteln geholfen.

Nürtinge - Konkrete Beschlüsse sind zwar noch nicht gefasst worden. Doch hat der Nürtinger Gemeinderat in seiner Sitzung am Dienstagabend ein klares Bekenntnis für mehr Klimaschutz abgegeben. Die Anstrengungen auf lokaler Ebene sollen künftig intensiviert werden.

Unter anderem zeichnet sich ab, dass die bisher zeitlich befristete Stelle des städtischen Klimaschutzmanagers Thomas Kleiser in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis umgewandelt werden wird. Zudem soll das sechs Jahre alte Klimaschutzkonzept aktualisiert und konkretisiert werden.

Die Bürger sollen die Eigeninitiative ergreifen

Angetrieben worden ist die Debatte in Nürtingen von der lokalen Gruppe Fridays for Future, die bereits im September im Rahmen des globalen Klimastreiks dem Nürtinger Oberbürgermeister Johannes Fridrich eine Liste mit zehn Forderungen für lokale Maßnahmen überreichte. So wird etwa ein verbindlicher Beschluss des Gemeinderats für eine Klimaneutralität in Nürtingen bis 2030 verlangt.

Diesen Beschluss wird es allerdings nicht geben, weil dafür die Grundlage fehle, wie Johannes Fridrich und auch Thomas Kleiser deutlich machten. Weiter fordert Fridays for Future die Energiewende. So müssten 60 Prozent Energie eingespart und der Rest durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, sind Thomas Kleiser zufolge auch die Bürger in der Pflicht, etwa indem sie sich für eine Fotovoltaikanlage entscheiden. Der Nürtinger Stadtwerke-Chef Volkmar Klaußer bekräftigte, dass der Energieversorger bei der Beratung von Privathaushalten weiter Unterstützung leiste. Im vergangenen Jahr ist eingebettet in die Nürtinger Energietage eine Solarkampagne gestartet worden, die verstärkt werden soll. „Fotovoltaik lohnt sich. Auch hier muss die Stadt ihrer Vorbildfunktion gerecht werden“, sagte OB Fridrich und kündigte damit ein verstärktes Engagement der Kommune beim Ausbau der erneuerbaren Energien an. „Mir ist es wichtig, dass wir konkret überlegen, was wir tun können und auch vor Ort umsetzen“, gab Johannes Fridrich die Marschroute vor.

Der Klimaschutz soll immer berücksichtigt werden

Neben weiteren Solaranlagen auf den Dächern zählt für ihn auch der Ausbau des Radverkehrs zu den umsetzbaren Maßnahmen. Weiter ist er dafür, zur Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs das Stadtticket für Busse von 2021 an vorerst für ein Jahr zur Probe in Nürtingen einzuführen. Und auch zu der Forderung nach mehr Grün in der Stadt hat der Ratschef einen Vorschlag parat: „Ich fände es schön, wenn wir für jeden Neubürger einen Baum pflanzen würden. Wir müssen Lust auf Klimaschutz machen und zeigen, dass sich dadurch die Lebensqualität steigern lässt.“

Angedacht ist, die Stelle des Klimaschutzmanagers künftig möglichst nah an der Rathausspitze anzusiedeln und „Klimalotsen“ in den einzelnen Ämtern zu benennen. So soll gewährleistet werden, dass bei allen Entscheidungen immer auch der Klimaschutz mitgedacht wird.

In Ostfildern demonstrieren mehr als 1000 Schüler

Nürtingen ist nicht die einzige Stadt im Kreis Esslingen, in der eine lokale Fridays-for-Future-Gruppe die Kommunalpolitik wachrüttelt. In Ostfildern etwa hatten im vergangenen Sommer mehr als 1000 Schülerinnen und Schüler demonstriert und 20 konkrete Maßnahmen verlangt, um der Klimakrise auf lokaler Ebene zu begegnen. So wie jetzt in Nürtingen geschehen, diskutierte der Ostfilderner Gemeinderat bereits im November über den Forderungskatalog.

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