Die Gedenkstätte für NS-Opfer auf dem Alten Friedhof in Welzheim ist vor rund zwei Jahren neu gestaltet worden. Das ehemalige Haftgebäude des Schutzhaftlagers Welzheim Das ehemalige Haftgebäude des Schutzhaftlagers Welzheim Foto: Gottfried Stoppel

Das Sammeln und Sichern von Fakten zum KZ Welzheim ist dem Historischen Verein Welzheimer Wald ein Anliegen. Ein neues Infoblatt und die Beteiligung an einer Ausstellung im Landtag sind die jüngsten Früchte seiner Arbeit.

Welzheim - Mit dieser Einladung haben die Mitglieder des Historischen Vereins Welzheimer Wald nicht gerechnet: Anlässlich einer Feier, die am 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, im Landtag begangen wird, darf der Verein Ergebnisse seiner Arbeit zum KZ Welzheim in einer Ausstellung präsentieren – gemeinsam mit Gedenkstätten wie dem Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg in Ulm. Für den Bürgermeister Thomas Bernlöhr ist das „eine Anerkennung dafür, was zur Aufarbeitung der Geschichte passiert ist“.

Obendrein war die Einladung ein guter Anlass, endlich ein Projekt anzugehen, das beispielsweise dem Vereinsmitglied Heiner Lindauer schon lange am Herzen lag: ein Informationsblatt, das kurz und knapp die wichtigsten Daten zu dem Schutzhaftlager nennt, welches die Gestapoleitstelle Stuttgart von 1935 bis 1945 in Welzheim eingerichtet hatte. Rund 15 000 Menschen waren über die Zeit im KZ Welzheim interniert und wurden von dort in andere Lager verlegt. In Welzheim selbst sollen mindestens 65 Menschen ermordet worden sein.

Trauriges Kapitel der Stadtgeschichte

Mit dem Informationsblatt zur Hand können sich Besucher nun auf Spurensuche an die Orte begeben, die in dem traurigen Kapitel der Stadtgeschichte eine wichtige Rolle gespielt haben: Ein Stadtplan weist den Weg zur ehemaligen Kommandantur, in der seit der Nachkriegszeit das Bezirksnotariat sitzt. Weitere Stationen sind die im Jahr 2015 neu gestalteten Gedenkstätten auf dem Alten Friedhof und im Henkersteinbruch, wo Hinrichtungen stattfanden. Außerdem ist der Standort des ehemaligen Polizeigefängnisses vermerkt, das jedoch 1954 abgerissen wurde. Wer den Rundgang in fachkundiger Begleitung machen möchte, hat die Möglichkeit, über die Welzheimer Tourismusinfo eine Führung mit einem Vereinsmitglied zu buchen.

Druckfrischer Flyer zum KZ Welzheim

Mit dem druckfrischen Flyer schließt sich für die Vereinsmitglieder gewissermaßen ein Kreis: Die intensive Beschäftigung mit der Geschichte des KZ, so erzählt der Vereinsvorsitzende Dietrich Frey, hatte im Jahr 2012 nämlich eine Initiative des damaligen Regierungspräsidenten ausgelöst. „Herr Schmalzl hat beim Rathaus angefragt, ob die Stadt die zentrale Veranstaltung zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ausrichten könnte“, erzählt Frey. „Wir sind erst mal ein bisschen erschrocken“, erinnert er sich. Aber dann habe man eine gemeinsame Arbeitsgruppe gebildet und losgelegt. So entstand eine Sonderausstellung, die dem Stadtmuseum Anfang 2013 einen gewaltigen Besucherandrang bescherte. „Wir sind regelrecht überrannt worden“, sagt Frey: „Die Leute kamen aus Ludwigsburg, Göppingen und Stuttgart hierher.“ Im Zuge der Ausstellung meldeten sich viele Zeitzeugen, die berichten wollten und durften: Der junge Historiker Frederic Keller interviewte die Redewilligen und setzte damit die Arbeit seines Vaters fort. Gerd Keller hatte 1975 zum KZ Welzheim recherchiert und war damals nicht nur auf offene Türen gestoßen. Die Erzählungen der von Frederic Keller interviewten Zeitzeugen sind nun für die Nachwelt gesichert. Genau das sei das Ziel des Vereins, sagt Heiner Lindauer: „Wir sind keine Berufshistoriker und wollen keine neue Forschung treiben. Unser Ansatz ist, Informationen zu sichern und die Erinnerung wachzuhalten. Das sind wir den Häftlingen schuldig.“

Führungen: Wer eine Führung zum Thema KZ Welzheim buchen möchte, kann sich an die Tourismusinformation (0 71 82 / 80 08 15; tourist@info-welzheim.de) wenden.

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