Der Klerus hat Frauen den Besuch von Fußballspielen seit vier Jahrzehnten untersagt, weil seiner Ansicht nach islamische Frauen bei den Spielen mit frenetischen männlichen Fans nichts zu suchen hätten. Foto: Saeid Zareian/dpa/Saeid Zareian

Zum ersten Mal in der vierzigjährigen Geschichte der islamischen Republik Iran sollen auch iranische Frauen Tickets für ein Fußballspiel kaufen können.

Teheran - Für das erste Heimspiel der WM-Qualifikation gegen Kambodscha am kommenden Donnerstag werden auf der Webseite des Teheraner Asadi-Stadions erstmals online Karten für zwei Sondertribünen angeboten, die nur für Frauen vorgesehen sind.

Laut noch unbestätigten Berichten seien bereits über 90 Prozent der Tickets verkauft worden. Auf den beiden Frauentribünen sollen angeblich Sitzplätze für fast 5000 weibliche Zuschauer eingerichtet worden sein. Unklar ist jedoch, wie viele der Frauen-Tickets für „ausgewählte Gäste“, wie etwa Fußballerinnen und Trainerinnen, vergeben worden sind.  

Hashtag „Frauen-Stadion“

Unter dem Hashtag „Frauen-Stadion“ feiern zahlreiche Iranerinnen in den sozialen Medien den Ticketverkauf als einen großen Erfolg für ihren Kampf gegen die Diskriminierung der Frauen im Land. Nach Meinung von Beobachtern konnten sich die Frauen ausgerechnet über Fußball gegen die strengen islamischen Vorschriften des erzkonservativen Klerus durchsetzen.

Der Klerus hat Frauen den Besuch von Fußballspielen seit vier Jahrzehnten untersagt, weil seiner Ansicht nach islamische Frauen bei den Spielen mit frenetischen männlichen Fans nichts zu suchen hätten. Der Klerus ist zwar immer noch gegen den Stadionbesuch der Frauen, konnte sich aber diesbezüglich anscheinend nicht gegen die landesweiten Proteste sowie den Druck des Fußball-Weltverbandes FIFA durchsetzen. Falls Frauen der Eintritt weiterhin verboten wird, droht dem Iran der Ausschluss von der WM 2020 im Nachbarland Katar.

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