Die deutschen Langläufer stehen im Schatten von Kombinierern und Skispringern. Foto: Getty

Der frühere Langlauf-Bundestrainer Jochen Behle befürchtet eine weitere WM ohne deutsche Medaille und fordert eine Sperre aller Russen.

Lahti - – Herr Behle, Sie haben vor den Weltmeisterschaften 2013 und 2015 prognostiziert, dass die deutschen Langläufer ohne Medaille bleiben werden. . .
. . . und leider habe ich Recht behalten.
Stimmt. Wie wird nun die WM in Lahti laufen?
Ähnlich, befürchte ich.
Es droht die nächste Nullnummer?
Vielleicht reicht es ja zu einer Medaille. Aber da muss schon sehr viel Glück im Spiel sein.
Bei den Frauen oder bei den Männern?
Im männlichen Bereich gibt es keine Chance auf einen Podestplatz. Bei den Frauen sehe ich eine kleine Möglichkeit in der Staffel, vielleicht auch im Teamsprint.
Sie waren von 2002 bis 2012 Bundestrainer der Langläufer. In dieser Zeit holte das deutsche Team bei jedem Großereignis zumindest eine Medaille. Was läuft derzeit schief?
Bei den Frauen gar nicht so viel. Arrivierte Athletinnen wie Nicole Fessel sind in der Lage, auch mal vorne mitzumischen. Und es kommen einige junge Talente nach. Das sieht ordentlich aus, auch für die Zukunft.
Anders als bei den Männern?
Ja. Aktuell fallen in Hannes Dotzler, Jonas Dobler und Andreas Katz verletzungs- und krankheitsbedingt drei starke Leute aus. Das ist Pech und nicht zu kompensieren. Allerdings steht der männliche Bereich auch vor einer schwierigen Zukunft. In Janosch Brugger gibt es nur einen starken Junior, der Rest wird es sehr schwer haben, sich international durchzusetzen. Auch weil eine starke Führungspersönlichkeit fehlt, hinter der sich junge Talente verstecken und in Ruhe entwickeln können.
Jemand wie . . .
. . . Tobias Angerer, Axel Teichmann oder ­René Sommerfeldt.
Es gibt niemand, der in ihre Fußstapfen treten könnte?
Nein, ein neuer Angerer, Teichmann oder Sommerfeldt ist nicht in Sicht. Aber das wundert mich nicht. Die drei waren so etwas wie weiße Raben – die gibt es auch nur selten.
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