Die vier Korbmarkisen werden restauriert und neu bespannt: Am 25. Oktober feiert die einstige Bier-Bar, über viele Jahre ein Animierlokal, den Neustart als Dancing-Bar Rocco. Foto: ubo

In der Altstadt wird wieder gefeiert: Die Bier-Bar, in der es Fälscher Konrad Kujau krachen ließ, wird am 25. Oktober als Dancing-Bar Rocco eröffnet. „Keine Szene- oder Hipsterbar“ soll’s werden. Wir sprachen mit den Machern über ihr Konzept.

Stuttgart - Mit frischen Scheinen soll er in den 1980er Jahren die Altstadtbar mit den Korbmarkisen draußen an der Fassade aufgemischt haben. Diskretion, so erzählen Veteranen des Rotlichtviertels, sei nicht das Ding des Militaria-Händlers und Kunstmalers Konrad Kujau gewesen. Stets mit dem Taxi fuhr er vor. Für 9,3 Millionen DM hatte er die angeblich von Adolf Hitler selbst geschriebenen Dokumente an den „Stern“ verkauft. Von diesem Geld dürfte er eine ordentliche Summe in der Bier-Bar am Leonhardsplatz 20 durchgebracht haben. Das Animierlokal, das seit Ende des 19. Jahrhunderts auch ohne Rotlicht der Gastronomie gedient hat und damit zu den ältesten Lokalen der Stadt zählt, hat seinen Platz in der größten Eulenspiegelei der deutschen Mediengeschichte gefunden. Jetzt wird ein neues Kapitel aufgeschlagen.

Am Freitag, 25. Oktober, 21 Uhr, feiern Robin Giesinger und Florian Roller, Freunde seit Kindheitstagen, die Geburt ihres neuen Altstadtbabys Rocco. Die Kumpels, die quer gegenüber seit einem Jahr die Cocktailbar Puf betreiben, folgen dem Trend, dass die neuen Gastronomen im Rotlichtbezirk am liebsten auf zwei Füßen stehen. Von den Machern der Fou Fou Bar bis zur Clublegende Laura Halding-Hoppenheit mit Tom’s Bar und dem 50 qm – sie alle haben nach einer gewissen Zeit stets noch ein zweites Domizil in der Altstadt aufgemacht.

„Startet ruhig als Bar und endet wild“

Bei Giesinger und Roller ist es nun noch das Rocco, das sie gerade innen komplett „mit einzigartigem Design und ausgefallenen Materialien“ umbauen. Die Korbmarkisen werden restauriert und neu bespannt. Pünktlich zur Eröffnung sollen sie dann wieder hängen.

Was das neue Rocco sein will, erklärt Robin Giesinger so: „Startet ruhig als Bar und endet wild.“ Man habe sich ein „erstes richtiges Dancing- und Drinking-Konzept“ ausgedacht. In der Cocktailbar mit hochwertigen Drinks wird es DJ-Begleitung am Wochenende mit Soul, Funk, Disco, Elektro geben. Angesprochen wird ein Publikum ab Ende 20 Jahre, „das nicht mehr in einen Club gehen und trotzdem Spaß haben will“. Mittwochs gibt’s Livemusik. Ein Plattform für junge, talentierte Musiker soll entstehen.

„Gutes Benehmen ist heute selten geworden“

Was das Rocco nicht sein will, sagt Giesinger klipp und klar: „Wir sind keine versteckte Speakeasy-Bar (Flüsterbar), sondern fallen auf und sind für alle da. Wir sind auch keine Szene- oder Hipsterbar.“ Man wolle „einen Ort zum Wohlfühlen, Geselligkeit, Feiern und Fallenlassen“ schaffen. Geöffnet ist von mittwochs bis samstags.

Bis Anfang Juli dieses Jahres war Kujaus einstiges „Wohnzimmer“ in Betrieb als Animierbar inklusive seiner „Verrichtezimmer“, wie die Separees im Behördendeutsch genannt werden. Als Florian Roller und Robin Giesinger ihre Cocktailbar Puf am Leonhardsplatz eröffneten, hatten sie sich bei allen Nachbarn vorgestellt und von ihren Gastro-Plänen berichtet. „Gutes Benehmen ist heute selten geworden“, sagte der Uhu-Chef, eine Legende der Altstadt.

„Geh’n wir in den Puff?“ Wer dies vorschlägt, kann’s anders meinen, als es klingt. Geh’n wir bei Florian und Robin einen Whisky Sour trinken? Ihr Puf schreibt sich mit einem F weniger. Der Name kam zustande, weil der Innenarchitekt in der Umbauphase die beiden immer gefragt hat: „Treffen wir uns in eurem Puff?“ Bei dem Namen ist’s geblieben, er ist aber in Lautschrift geschrieben – schön geschwungen als Lichtquelle an der Wand. Der Zusatz „Pleasure up Front“ kam später hinzu.

Die beiden Betreiber hatten Zweifel bekommen, ob ihr Puf in der Nähe von Puffs so gut ist. Der Name hat sich als Glücksgriff erwiesen, wie sich seit der Bar-Eröffnung im November 2018 zeigt. Endlich können auch Frauen mal einen Puf(f) besuchen. Man trifft sich in einer gestylten Bar zum Wohlfühlen. An der Decke hängen Lampen, die mal ein Pizzablech waren.

Jetzt kommt das Rocco gegenüber dazu. Die Altstadt lebt – und sie ist nicht nur rot.

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