Floor Jansen ist schon etliche Jahre bei Nightwish. Nach dem Konzert der Metal-Finnen in Stuttgart macht sich unser Kritiker aber Sorgen um sie. Foto: Lichtgut / Ferdinando Iannone

Nightwish haben in der Schleyerhalle 12 000 Fans mit symphonischem Metal und einer effektvollen Show eingeheizt. Der Job als Frontfrau freilich hat bei der finnischen Band seine Tücken.

Stuttgart - Fast etwas unscheinbar sitzt Tuomas Holopainen im Bühnenhintergrund an seinen Keyboards; die große Show überlässt der Nightwish-Leader am Samstagabend eher seinen Bandkollegen. Aber man sollte sich nicht täuschen lassen: Holopainen ist der machtbewusste Boss, mit Floor Jansenbeschäftigt er die bereits dritte Sängerin in der Karriere der finnischen Symphonic-Metal-Formation Nightwish. Jansens Vorgängerinnen mussten jeweils unter zwielichtigen Umständen den Dienst quittieren.

Mittelalter und Science Fiction

Beim Konzert in der fast ausverkauften Schleyerhalle zeigt sich die üppig tätowierte Niederländerin als optischer Mittelpunkt einer Show, die ein volldigitales Räderwerk in Gang. Allerlei computergeneriertes Getier morpht über die Videoleinwände, bunte Tropenwälder wechseln mit zerklüfteten Polarlandschaften, endzeitlich wütende Feuersbrünste mit Auferstehung verheißenden Wellenbergen.

Zwei Stunden lang entführen Nightwish nach dem Motto „Bloß weg aus der Gegenwart“ ihre 12 000 Fans in Fantasiewelten zwischen Mittelalter und Science Fiction und durch eine rund 25-jährige Karriere mit dramatisch kolorierten Schlachtengemälden wie „Gethsemane“, „The Carpenter“, „Devil & the deep dark Ocean“ und „Nemo“ als wichtigsten Stationen.

Comeback des Doppelhalses

Gitarrist Emppu Vuorinen sägt dafür jede Menge metallische, teils pfeilschnelle Riffs aus den Saiten und verhilft auch der guten alten Doppelhalsgitarre zum Comeback. Der englische Multi-Instrumentalist Troy Donockley setzt mit irischer Sackpfeife und Tin Whistle folkloristische Kontrapunkte und Holopainen mischt immer mal wieder synthetische Streicher in diesen mit einer Batterie an Flammenwerfern und viel Pyrotechnik inszenierten Breitwand-Metal.

Und Floor Jansen? Glänzt mit eindrucksvoller Drei-Oktaven-Stimme, changiert gekonnt zwischen Sopranokoloraturen und Rockshouting; agiert bisweilen allerdings auch so hölzern und maskenhaft, dass man gespannt sein kann, wann der Chef auch ihr den Laufpass geben wird.

  
Kultur
  
Pop
  
Rock
Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: