Sackgassen-Schild vor dem Beate-Uhse-Shop an der Marienstraße in Stuttgart: Findet sich jemand, der den Weg des Geschäfts doch wieder öffnet? Foto: StN

Der Eckladen an der Marienstraße steht zum Verkauf an: Die Angestellten des Beate-Uhse-Shops hoffen auf einen Investor. Die Sanierung des Sex-Imperiums ist gescheitert. Ein Angebot ging auch an die Stuttgarter Erotik-Boutique Frau Blum.

Stuttgart - Das Schaufenster ist voll mit Vibratoren. Geriffelt, mit Perlen verarbeitet oder gebogen sind sie, „einfach zu verwenden“, wie zu lesen ist. Doch keiner weiß, wann es sich ausgesurrt hat an diesem Ort. Für den Beate-Uhse-Shop an der Marienstraße in Stuttgart sucht der Insolvenzverwalter einen Käufer, auch für zwölf weitere Filialen des einstigen Sex-Marktführers.

Nachdem der Flensburger Mutterkonzern vor anderthalb Jahren Insolvenz anmelden musste, hat es auch die Nachfolgegesellschaft Be You nicht geschafft, aus den roten Zahlen zu kommen. Die Sanierung ist gescheitert. In Internetzeiten werden Pornos nicht mehr in Läden gekauft. Das Erotikunternehmen versuchte, das Sortiment mit Kleidung, Drogerieartikeln und Sexspielzeug auf Frauen und Paare umzustellen. Man wollte weg vom Schmuddelimage. Die Rechnung ging wohl nicht auf.

Wer glaubt an die Zukunft der Beate-Uhse-Shops?

Die Gehälter der Angestellten – etwa 70 sind es noch in allen deutschen Beate-Uhse-Shops – sind im Insolvenzverfahren für drei Monate gesichert. Ob es danach weitergeht, hängt von einem finanzkräftigen Investor ab, der an die Zukunft der Läden glaubt. „Die ersten Nachfragen sind eingegangen“, sagt die Sprecherin der Kanzlei White & Case, die zur Insolvenzverwaltung bestellt worden ist, auf Anfrage unserer Zeitung.

In einem Kaufangebot für Interessenten, den die Berliner Beraterfirma Restrukturierungspartner vorgelegt hat, heißt es, man habe ein „Investorenprozess“ eingeleitet mit dem Ziel, „den Geschäftsbetrieb oder einzelne Vermögensgegenstände, unter anderem Mietverträge, kurzfristig an einen oder mehrere Investoren zu übertragen“. Darüber hinaus wolle man „möglichst viele Arbeitsplätze“ erhalten. Der Wert des Unternehmens liege vor allem im Markennamen, der über eine hohe Bekanntheit verfüge.

Angebot auch an die Erotik-Boutique Frau Blum

Den Kauf des Shops an der Marienstraße haben die Berliner auch der Stuttgarter Erotik-Boutique Frau Blum angeboten. Die Chefinnen von dort wollen aber in ihrem Geschäft im Westen bleiben. „Beate Uhse war eine Pionierin und für mich ein Vorbild“, sagt Mascha Hülsewig, eine der beiden Geschäftsführerinnen. Sie verehrt eine Frau, „die mutig und engagiert war in Zeiten, die unglaublich körper- und lustfeindlich waren“. Aber schon vor dem Tod von Beate Uhse sei von ihren Ideen wenig übrig geblieben. Profit und Gier seien durch ihre Geschäftspartner in den Vordergrund getreten.

„Das haftet den Läden an, auch wenn versucht wurde, sie freundlicher zu gestalten und mehr Frauen anzusprechen“, erklärt Mascha Hülseweg. So viele Menschen seien auf der Suche nach sich selbst, nach einer erfüllenden Sexualität. „Da braucht es mehr Einfühlungsvermögen als nur Reizwäsche oder Sextoys“, findet die Frau-Blum-Chefin.

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