In hübschen kleinen Teegläsern wird im Orient das heiße Getränk serviert. Foto: Oliver Seidel

Wie schmecken Meeresschnecken? Und was lernt man bei einem griechischen Fernsehkoch? Ein Gespräch mit der Foodbloggerin und Kochbuchautorin Nicole Stich über ihre kulinarischen Erlebnisse auf Reisen.

Frau Stich, welches Gericht hat Sie zuletzt auf einer Reise überrascht?
Puh, die letzte Reise ging nach Australien. Ich habe etwas probiert, das gerade aus dem Meer geholt wurde, und es hat mich überhaupt nicht angemacht. Aber ich habe den Grundsatz, dass ich grundsätzlich alles wenigstens mal probiere. Es handelte sich dabei um eine teure Spezialität, eine Abalone. Das sind Meeresschnecken, die nur unter sehr strengen Auflagen aus dem Meer geholt werden dürfen und etwa handtellergroß sind. Ich war auf einem Schiff vor Tasmanien unterwegs, und die Schnecken wurden direkt dort gebraten. Aber geschmacklich haben sie mich leider nicht überzeugt.

Sie haben seit 2005 einen Foodblog, gehören zu den Ersten, die so etwas im Internet gemacht haben. Wie haben Sie damals Ihrer Oma erklärt, was Sie machen?
Meine Oma hat damals schon nicht mehr gelebt. Aber mein Opa, der jetzt 92 ist, hat mich besucht. Ich habe ihn dann vor meinen Computer gesetzt und Google aufgemacht. Ich dachte, es muss ihn doch faszinieren, wenn er dort etwas eingibt und dann sofort die Antwort sieht. Das war dann auch so. Wenn er jünger wäre, erzählte er mir später, würde ihn das Internet auch begeistern. Aber den Kontakt, den man dadurch mit anderen Leuten hat, das konnte er sich nicht vorstellen.

Und wie haben Sie ihm erklärt, was Sie beruflich machen?
Ich schreibe übers Essen, und das kann im Internet bzw. auf meinem Blog jeder sehen und lesen.

Nun sind Sie so erfolgreich, dass Sie mittlerweile auch Kochbücher machen. Ihr neues vereint zwei Ihrer Hobbys: Reisen und Essen. An welchem Land hängt ihr kulinarisches Herz besonders?
Ich tue mich sehr schwer damit, Lieblingsländer oder Lieblingsgerichte zu benennen. Beim Essen hängt das von meiner Tagesform ab. Manchmal stehe ich morgens auf und denke, oh ja, heute eine Mehlspeise, und dann ist das in dem Moment das Beste, was ich mir vorstellen kann. Bei Ländern reizen mich solche, wo ich viel entdecken kann, neue Gewürzkombinationen zum Beispiel. Deshalb war ich in der Türkei so glücklich. Wenn man jemand hat, der das Land kennt, dann bekommt man auch viele versteckte Ecken gezeigt. In der Türkei sind Freunde von uns aufgewachsen, und die Familie ist noch dort. Das hat dann eine besondere Faszination, wenn man bei Familienessen dabei sein kann und Geheimtipps präsentiert bekommt. Ich kann in die Küche schauen und sehen, wie etwas zubereitet wird. Aber kulinarisch kann ich jedem Land, in dem ich war, etwas abgewinnen.

Für Ihr Kochbuch haben Sie aber nur Rezepte aus bestimmten Ländern ausgewählt, nämlich die USA, Italien, Frankreich, Griechenland, Portugal, Türkei, Dubai und Singapur. Warum nicht auch England, Schweden und Österreich?
Ich habe die Länder ausgewählt, über deren Küche ich zu Hause am meisten lese und von denen ich auch viele Rezepte in meinem Repertoire habe. In England war ich schon öfter, aber Fish & Chips . . . hm. Ich überlege, wo ich schon mal mein Herz verloren habe und mir etwas super geschmeckt hat. Manche Länder sind deshalb einfach nicht so präsent für mich. Aber Sie könnten mich drei Wochen nach Schweden schicken und ich würde mit großer Wahrscheinlichkeit danach schwedische Rezepte ausprobieren.

Woher haben Sie die Rezepte für Ihr Kochbuch?
Das ist unterschiedlich. Ich habe zum Beispiel in meinem Kochbuch ein Rezept für gefüllte Paprikaschoten. Das stammt von der Mutter einer Freundin. Als ich sie bat, mir ihr Rezept zu schicken, sagte sie, dass sie nur nach Gefühl koche. Ich habe dann aus ihren Angaben ein Rezept mit Maßangaben entwickelt. Als ich in Dubai einen Kichererbsen-Karotten-Salat gegessen habe, saß ich mit meinem Freund am Tisch, und wir haben uns notiert, was da drin sein könnte. Auf jeden Fall Kreuzkümmel, vielleicht auch Zimt. Zu Hause probiere ist es dann aus. Manchmal schmeckt es anders, weil ich keinen direkten Vergleich mehr habe und mir meine Erinnerung bestimmt mal einen Streich spielt. Aber dann ist das Ergebnis so, dass ich sage, das ist trotzdem authentisch und kommt dem ursprünglichen Gericht sehr nahe.

Wie gehen Sie auf Reisen vor, um die Küche eines Landes kennenzulernen?
Da ich selbst Bloggerin bin, liegen mir andere Blogs sehr am Herzen. Dahinter stehen meist Menschen, die sehr authentisch schreiben. Und da ist es relativ einfach, einen guten Überblick über eine Länderküche zu bekommen. In Singapur hatte ich das Glück, dass mich Blogger zu einem großen Essen in ein Restaurant eines befreundeten Küchenchefs eingeladen haben. Da bin ich den ganzen Abend verwöhnt worden mit Sachen, die ich nie bestellt hätte. Ich habe Lebensmittel kennengelernt, von denen ich Minuten vorher noch nicht wusste, dass es sie gibt - zum Beispiel Betelblätter.

In Griechenland haben Sie sogar mit einem Fernsehkoch gekocht. Wie kam das zustande?
Unsere Freunde Ada und George hatten uns eine kulinarische Überraschung versprochen, wir würden mit einem guten Freund von ihnen backen. Das stellte sich dann vor Ort als kleine Untertreibung heraus. Ihr Freund war niemand anders als Stelios Parliaros, ein berühmter Patissier und Fernsehkoch in Griechenland. Mit ihm verbrachten wir einen unglaublich lehrreichen Nachmittag. Er zeigte uns ein paar seiner Techniken und Kniffe, z. B. für seine fantastischen Mastix-Mousse-Törtchen (Mastix ist ein Baumharz) und Gebäck mit Olivenöl.

Welchen Tipp haben Sie für Urlauber, die kulinarische Entdeckungen machen wollen?
Sehr skeptisch bin ich bei den Empfehlungen in großen Reiseführern. Ich rate dazu, sich kleine Blogs anzuschauen. Da kann ich die Leute auch direkt fragen. Wenn ich in eine Stadt reise, in der ich noch nicht war, suche ich mir ein paar Blogger raus und schreibe die vorher an. So bekommt man persönliche und gute Tipps. Aber bitte nicht vergessen, sich dafür dann auch zu bedanken. Solche Rückmeldungen sind für Blogger, das weiß ich aus eigener Erfahrung, sehr wichtig. Einer Umfrage zufolge vermissen die meisten Deutschen im Urlaub das Brot.

Sie auch?
Nein. Das hat mehrere Gründe. Wir backen unser Brot selbst. Wenn wir mit Freunden ein Haus in Frankreich gemietet haben, backen wir auch selbst, nicht, weil es in Frankreich kein gutes Brot gibt, sondern weil wir mit den Freunden Rezepte austauschen wollen. Eine Aufgabe im Urlaub ist für mich, wirklich gutes Brot zu finden. In Frankreich ist das nicht schwer, aber selbst in den USA ist es möglich, sofern Sie nicht gerade in der Pampa unterwegs sind. Ich habe immer sehr viel Spaß daran, an jedem Ort das Beste von allem aufzuspüren.

Was essen Sie als Erstes, wenn Sie dann wieder zu Hause sind?
Dann freue ich mich auf einfache Speisen ohne großes Chichi, zum Beispiel Butterbrot mit Schnittlauch oder selbst gemachte Sauerteig-Pizza oder ein einfaches Pasta-Gericht.

Nicole Stich wurde 1973 in Weiden/Oberpfalz geboren und lebt mit ihrem Partner in München. Nach ihrem Jurastudium arbeitete sie mehrere Jahre in der Werbung und im Multimedia-Bereich. Seit 2005 betreibt sie den englischsprachigen Foodblog www.deliciousdays.de. Ihr neues Kochbuch heißt „Reisehunger“ (GU, 24,99 Euro).

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