Auf den Grundstücken der Gebäude 11 und 15 der Nürtinger Straße (vom Laternenmast bis zum Balkon) soll neu gebaut werden. Foto: Barner

An der Krone-Kreuzung in Waldenbuch soll ein neues Wohnquartier gebaut werden. Ein Bebauungsplan hätte den Bezug zur benachbarten Altstadt herstellen können. Doch der Bürgermeister kassiert für seinen Vorschlag eine deutliche Absage.

Waldenbuch - Waldenbuch braucht dringend zusätzlichen Wohnraum. Private Investoren sind willkommen. Einen Freibrief für ausufernde Planungsvorhaben, die nicht ins Stadtbild passen, soll es jedoch nicht geben. Doch wo sind die Grenzen? Wie weit die Meinungen zwischen Gemeinderat und Stadtverwaltung in dieser Frage auseinandergehen, zeigt die aktuelle Diskussion um das geplante Bauvorhaben auf einem innerstädtischen Filetstück an der Kronen-Kreuzung.

Die Gebäude sind alt, die Grundstücke reichlich bemessen. Das rund 2000 Quadratmeter große Areal gegenüber des kleinen Gänswiese-Parks bietet sich für die Stadtentwicklung nachgerade an. Überlegungen gibt es bereits. Wo jetzt noch Scheunen, Lagerschuppen und zwei in die Jahre gekommene Wohnhäuser stehen, sollen in mehreren Gebäuden Wohnungen entstehen. Die Eigentümer der Grundstücke Nürtinger Straße 11 und 15 haben sich zusammengetan und die Überplanung der Grundstücke einem Projektentwickler überlassen. Auf dieser Basis soll das Areal dann später an einen Investor verkauft werden.

Die Visitenkarte am Ortseingang

Was die Architekten an dieser Stelle vorgesehen haben, hat die Stadtverwaltung ins Grübeln gebracht. Wer von Richtung Nürtingen in die Schönbuchstadt einfährt, bewegt sich direkt auf die beiden Grundstücke zu. Linker Hand erhebt sich der historische Altstadtkern mit Stadtkirche, Musikschule und Schloss. Davor liegt an der Aich das neugestaltete Krone-Quartier. Für den Waldenbucher Bürgermeister Michael Lutz steht deshalb fest: „Dieser Bereich ist die Visitenkarte am Ortseingang.“

Ein isoliertes Genehmigungsverfahren für die beiden Grundstücke erschien ihm deshalb als zu wenig. „Wir sollten die Möglichkeit zur städtebaulichen Neuordnung nutzen“, empfahl der Schultes. Sein Vorschlag lautete: Mit einem Bebauungsplan im Gebiet zwischen Nürtinger Straße, Echterdinger Straße, der Langen Steige und dem Treppenaufgang zum Kalkofen verlässliche Planungsgrundlagen zu schaffen.

Die klare Ansage traf im Gremium auf ein diffuses Stimmungsbild. Denn parallel zum Beschlussvorschlag des Bürgermeisters war den Räten eine Bauvoranfrage der Eigentümer ins Haus geflattert. Über die muss das Gremium zügig entscheiden. Die Aussicht auf das zeitraubende Prozedere eines Bebauungsplanverfahrens stieß deshalb nicht überall auf Gegenliebe.

Die Grenze zum historischen Ortskern sei der Bach

„Ich werbe für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan. Sonst haben wir hier zwei Jahre lang Stillstand“, argumentierte CDU-Fraktionssprecher Alf-Dieter Beetz. Sein Kollege Dietrich Ruckh ließ wissen: „Ich könnte mir die Überlegungen aus der Bauvoranfrage gut vorstellen.“ Die Nähe zur Altstadt sei für ihn kein Grund, die Neubauten an die historische Bausubstanz anzupassen. „Die Grenze zum historischen Stadtkern ist für mich der Bach“, sagte er.

Auch Stadträtin Annette Odendahl von den Freien Wählern ließ wissen: „Wir erwarten nicht, dass die Altstadt nachgebaut wird.“ Sie gab sich dennoch als Befürworterin eines Bebauungsplanverfahrens zu erkennen. „Der Bereich ist wegen der Straßenführung der Nürtinger Straße sehr prägnant und ortsbildprägend“, betonte sie. Es brauche deshalb gewisse Regeln, die sicherstellten, dass nicht zu massiv und klotzig gebaut werde.

Doch diese verbindlichen Regeln wird es vorerst nicht geben. Mit seinem Vorschlag, das Bebauungsplanverfahren in die Wege zu leiten, handelte sich der Bürgermeister Michael Lutz eine Niederlage ein. Sieben von 18 Räten stimmten mit Nein, sechs enthielten sich der Stimme. Nachdem der große Wurf nicht gelang, entscheidet das Gremium bei der Beratung der Bauvoranfrage Ende Juli dann nur noch darüber, ob sich das konkrete Vorhaben nach Art und Maß in die Umgebungsbebauung einfügt. Viel Spielraum für Sonderwünsche, die sich auf die Nähe zur Altstadt beziehen, bleibt dabei nicht.

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