Die damaligen Chefs von BMW, Harald Krüger (links), und Daimler, Dieter Zetsche, verkünden im Februar vergangenen Jahres, dass aus der App mytaxi das neue Gemeinschaftsunternehmen Free Now wird. Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

Free Now, eine Tochter von Daimler und BMW, plant ein neues Mietwagenangebot auch in Stuttgart. Die Taxibranche, ein enger Partner, wertet das als Schlag ins Gesicht. Sie sieht die Aktion als Angriff auf Mittelstand und Kleinunternehmer.

Stuttgart - Dem Stuttgarter Daimler-Konzern droht Ärger mit einer wichtigen Kundengruppe: den Taxifahrern. Sie üben massive Kritik an einem neuen Angebot, dass die Konzerntochter Free Now, an der auch BMW beteiligt ist, in der Landeshauptstadt plant. Wie schon in Hamburg, Berlin, München, Köln, Frankfurt und Düsseldorf will man über die eigene App auch hier nicht nur Taxifahrten vermitteln, sondern künftig unter dem Namen Free Now Ride zusätzlich sogenannte Mietwagen. Sie müssen vor einer Fahrt bestellt werden, haben kein Taxischild, dürfen keine Passagiere an der Straße aufnehmen und müssen nach jeder Tour an den Betriebssitz zurückkehren.

Wie berichtet zweifelt die Branche daran, dass diese Konkurrenzfahrten – ähnlich wie beim umstrittenen US-Anbieter Uber – immer gesetzeskonform über die Bühne gehen. Die Kritik richtet sich jetzt aber auch grundsätzlich gegen die beiden beteiligten deutschen Automobilriesen. Besonders Daimler beliefert die Taxibranche seit langem mit Fahrzeugen. Die Vorgänger-App mytaxi ist zudem mithilfe von Teilen des Taxigewerbes aufgebaut worden. „Man hat sich stets als Partner der Taxifahrer bezeichnet“, sagt Markus Burgdorf vom Verband Taxi Deutschland. Das habe sich jetzt offenbar geändert. Iordanis Georgiadis von der Stuttgarter Taxi-Zentrale nennt das neue Angebot „die Dreistigkeit eines Konzerns“, der erst den Taxifahrern seine Autos verkaufe und ihnen dann in den Rücken falle.

„Hier arbeiten zwei deutsche Konzerne mit vereinter finanzieller Kraft gegen den Mittelstand und den Kleinunternehmer“, kritisiert Burgdorf. Das Angebot von Free Now Ride liege preislich nicht nur unter den Taxitarifen, sondern auch unter der Wirtschaftlichkeitsgrenze. „Einer muss die Differenz zahlen. Das müssen die beiden Konzerne sein.“ Das könne sich langfristig nur lohnen, wenn man erst die Konkurrenz ausschalte und dann die Preise erhöhe, so wie auch Uber das versuche.

Fahrtpreise nicht kostendeeckend?

Der Verband betont, das gehe zu Lasten der Subunternehmen, die für Free Now Ride fahren. „Sie zahlen eine deutliche höhere Provision an Free Now als die Taxifahrer an ihre Taxizentrale. Somit bleibt dem Mietwagenunternehmer weniger Geld für seine Fahrten. Er muss also sparen. Das geht am besten beim Personal“, so Burgdorf. Das könne auch für den Fahrgast nicht gut sein.

Bei Free Now klingt das ganz anders. „Wir verstehen uns als Partner der Taxiunternehmen und Taxifahrer. Seit mehr als zehn Jahren modernisieren wir gemeinsam die Branche und investieren in ihre Zukunftsfähigkeit“, sagt Deutschland-Chef Alexander Mönch. Free Now biete inzwischen mit 28 000 Fahrerinnen und Fahrern die größte Flotte Deutschlands im Bereich der Personenbeförderung. „Dass wir mit Ride ein zusätzliches Angebot auf unserer Mobilitätsplattform eingebunden haben, ändert an unserer Bekenntnis zur Taxibranche nichts“, so Mönch.

Free Now fordert „mutige Reform“

Er hält aber gleich einen weiteren Schritt für notwendig: „Wichtig ist nun, dass der Gesetzgeber mit einer mutigen Reform auf neue Technologien reagiert, die durch die Digitalisierung entstanden sind.“ Free Now positioniere sich dabei deutlich: „Durch eine Zusammenführung der Verkehrsarten Taxi und Mietwagen mit flexibleren Rahmenbedingungen ist allen Beteiligten am besten gedient.“ Das sei auch notwendig, um internationale Wettbewerber in Schach zu halten, die auf den deutschen Markt drängen.

Auf viel Gegenliebe bei den Taxlern dürfte die Forderung nicht stoßen. Taxi Deutschland kündigt an, das Geschäftsmodell von Free Now Ride zu prüfen. Eine Klage – ähnlich wie gegen Uber – scheint denkbar.

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