In Raum 11 des Kunstmuseums ist Kreativität angesagt. Foto:  

Nun gibt es in dem markanten Haus am Stuttgarter Schlossplatz auch einen Raum für Kunstvermittlung, wo man sich auch selbst am Kunstschaffen versuchen kann. Die Fläche dafür bot sich aus einem einfachen Grund an.

Stuttgart - Ein Wort, eine Ansage. „Cool“ hat Hanna auf das rechteckige, feste Papier geschrieben, dann mit bunten Streifen beklebt. „Postkarten in Collagetechnik“, erklärt die Zehnjährige. „Cool, was man hier ausprobieren kann.“ Lea, Liv und Mathilda, ebenfalls vom Kinderhaus Etzelstraße sowie der Marienschule, nicken. Ihnen gefällt die Aktion „Kunstgrüße: Aus dem Museum in die Welt“ im Studio 11, die zur Eröffnung dieses neuen Raums für Kunstvermittlung im Kunstmuseum Stuttgart stattfindet.

Der einstige Sammlungsraum 11 ist nun Mitmach-Werkstatt: Jeder und jede, gleich welchen Alters, kann dort allein, als Schulklasse oder Kindergartengruppe tätig werden und experimentieren, heißt es im Kunstmuseum. „Die Angebote orientieren sich an unserem Ausstellungsprogramm“, erläutert Sebastian Schneider vom dreiköpfigen Kunstvermittlungsteam mit Nicole Deisenberger und Carla Link-Walesch. Die Workshops und Projekte, die auch mit freien Mitarbeitern umgesetzt werden, sollen interdisziplinär die Präsentationen im Haus erweitern, so Schneider. Da gehe es nicht nur um Basteln oder Malen, sondern auch um Musik, Literatur, Wissenschaft, Naturwissenschaften und Multimedia. So ist etwa zur Ausstellung „Ragnar Kjartansson. Scheize – Liebe – Sehnsucht“, die am 20. Juli beginnt, ein Improvisationsworkshop für Schulklassen geplant, das Projekt „Was ist typisch ...?“ behandelt künstlerische Verfahren der Fotografie zur (Selbst-)Inszenierung.

Im Mitmach-Labor wirkt die Uni Stuttgart mit

Im Mitmach-Labor, das am 23. November beginnt und für Museumsbesucher gratis ist, wird in Kooperation mit dem Physikalischen Institut der Universität Stuttgart zu Licht, Farbe, Schwingung und Überlagerung experimentiert – passend zur Schau „Vertigo“. Ab Februar 2020 lockt eine „Interaktive Escape-Room Lesung“, gefolgt vom Zauberworkshop im April.

Kunstschaffende ließen sich von vielen gesellschaftlichen, politischen oder wissenschaftlichen Phänomenen inspirieren, so Museumsdirektorin Ulrike Groos. „Das Studio 11 soll eine Plattform des Austausches sein.“ Kunstvermittlung sei von jeher essenziell, Kinder und Jugendliche eine der wichtigsten Zielgruppen. Indes mangelte es an Platz.

Der umgewidmete Raum ist für die Ausstellung nicht ideal

Groos entschied sich, Raum 11 – wegen Lage und niedriger Höhe nicht ideal für das Ausstellen – für die Kunstvermittlung zu nutzen. Ideeller Startschuss war das Experimental-Labor zur Schau „Die Kunst des Zufalls“ 2016/2017, das vom Innovationsfonds unterstützt wurde. „Das kam so gut an, dass es quasi institutionalisiert wurde“, so Groos.

Das Kunstvermittlungsteam konzipierte ein flexibles Studio, das dank Sponsoren umgesetzt werden konnte. Designerin Sarah Maier entwarf etwa Rolltische, deren Oberflächen in einer Aktion von Kindern gestaltet wurden, zudem Displays, Einbauschränke und Klappbänke, die an der Wand platzsparend aufbewahrt werden. Deren Bezug spendete Object Carpet, Arbeitsmaterialien die Klingele Papierwerke.

Dass der Eintritt zu Studio-11-Aktionen so oft es geht frei ist, unterstützt der Verein Kinderfreundliches Stuttgart. Dessen Geschäftsführerin Silke Schmidt-Dencker betont: „Wir wollen auch Kindern von einkommensschwachen Familien ermöglichen, im Museum kreativ zu sein.“

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