Wer nicht die Möglichkeit hat, seine letzten Tage zu Hause zu verbringen, für den kommt ein Hospiz in Frage. Ein neuer Verein möchte ein solches auf der Filder aufbauen. Foto: Symbolbild dpa

Auf der Filderebene soll ein weiteres Hospiz entstehen. Dafür hat sich vor Kurzem ein Verein gegründet. Die Idee ist nicht neu, doch diesmal soll auch etwas draus werden. Das Thema sei zu wichtig. Wir erklären, warum.

Filder - Der große Schritt ist getan: Ende März ist ein Verein gegründet worden, der ein Hospiz auf den Fildern aufbauen will. Der Vorstand besteht aus drei Personen: Zum einen sind dies Stefan Hiller, der Leitende Arzt in der integrativen Onkologie und Palliativmedizin der Filderklinik, sowie Carola Riehm, Krankenschwester und Pflegeleiterin der Palliativstation. Zum andern ist das der Radiologe Friedhelm Roloff. Die Bekanntschaft mit Hiller und eine persönliche Erfahrung haben ihn zum Hospizverein geführt: Ein naher Familienangehöriger ist im Hospiz Esslingen gestorben. „Das war ein beeindruckendes Erlebnis“, erinnert er sich. „In einem solchen persönlichen Raum nimmt man den Tod und das Sterben ganz anders wahr. Das ist nicht nur im eigenen Zuhause möglich.“

Das Hospiz soll interkonfessionell sein, und einen anthroposophischen Ansatz bei der Betreuung haben. „Die Filderklinik unterstützt unsere Initiative“, stellt Carola Riehm klar, „wir sind aber kein Anhängsel der Klinik, sondern unabhängig“.

Neue Idee: Tagespflegeplätze im Hospiz

Das Sterben ins Leben zu bringen, so sieht der Vorstand des neuen Vereins den Auftrag. „Es geht auch um eine Verabschiedungskultur“, sagt Stefan Hiller, diese sei früher viel wichtiger gewesen und gerate heute oft ins Hintertreffen. „Freilich ist die Unterbringung in einem Hospiz nicht für jeden Menschen geeignet“, erklärt Carola Riehm, „aber es gibt durchaus einige, für die es eine gute Option ist“.

Die Hospize in Esslingen, Ehningen und Stuttgart-Degerloch seien verkehrstechnisch zu weit weg für tägliche Besuche, so Stefan Hiller. „Somit sind wir keine Konkurrenz.“ Vorrangig soll das neue Hospiz für die Menschen auf der Filderebene da sein. Allerdings rechnen sie auch mit Zulauf aus weiter entfernten Gegenden, ähnlich wie die Filderklinik: von Menschen, die ganz explizit nach einer anthroposophisch geprägten Betreuung suchen.

Ganz neue Wege will der Verein außerdem bei einer zusätzlichen Tagespflege gehen: „Tagespflegeplätze in einem Hospiz, das gibt es in Baden-Württemberg noch gar nicht“, erklärt Carola Riehm. Es sei eine große Herausforderung, aber auch eine große Chance: „Wenn die Sterbenden tagsüber im Hospiz in einer gesicherten Umgebung sein können“, führt sie aus, also versorgt von Pflegern v

Von links: Stefan Hiller, Friedhelm Roloff und Carola Riehm bilden den Vorstand des Vereins. Foto: Fritzsche
on Ärzten, dann könnten so die Angehörigen entlastet werden. „Und sind vielleicht so auch ermutigt, die Pflege über Nacht wieder selbst zu übernehmen.“ Der Familiengedanke ist dem Trio sehr wichtig. „Bei der Betreuung eines sterbenden Menschen müssen wir die Familie mitbedenken, also Kinder, Partner, Eltern“, erklärt Stefan Hiller, „nicht nur räumlich, sondern auch inhaltlich“.

23 Gründungsmitglieder hat der neue Verein, plus Vorstand und Beirat. „Viele Leute haben die Idee schon vor uns aufgegriffen, aber bisher wurde nichts daraus“, sagt Carola Riehm. „Wir haben uns gedacht: Entweder wir machen es jetzt, oder wir haken das Thema für immer ab.“

Zu wichtig, um die Idee einfach abzuhaken

Und fürs Abhaken war es ihnen zu wichtig. „Auf der Palliativstation betreuen wir die Patienten von der Diagnose über die Therapie bis zur Palliativversorgung“, erklärt Stefan Hiller. „Aber der letzte Strich, nämlich ein Hospiz, hat bisher gefehlt.“ Und während sie sich zunächst vorsichtig umhörten, war eines schnell klar: „Wir haben überall offene Türen eingerannt“, sagt Riehm. „Wir haben Widerstand erwartet, sind aber ausschließlich auf Unterstützung gestoßen“, ergänzt Hiller. In den wenigen Wochen seit Gründung ist die Mitgliederzahl bereits auf 50 angestiegen.

Während in der kommenden Zeit weitere Formalien wie die Feststellung der Gemeinnützigkeit anstehen, soll es auch um Mitglieder- und Sponsorensuche gehen. „Nicht nur Privatpersonen, auch Institutionen und Einrichtungen sind herzlich willkommen“, sagt Friedhelm Roloff. Tatkräftige Unterstützung sowie weitere Ideen fürs Hospiz seien gewünscht.

Und dann wird es auch um einen Standort für das Hospiz gehen, ein Grundstück, ein Gebäude. Der Verein möchte offen sein für alles, einen Neubau, oder die Umgestaltung eines bereits bestehenden Gebäudes. Das Hospiz soll nicht innerhalb der Filderklinik entstehen, aber doch in der Nähe, damit auf die bestehende Infrastruktur zurückgegriffen werden kann. „Wir stehen ganz am Anfang“, sagt Hiller. Aber der Anfang ist gemacht.

Wer im Verein Mitglied werden möchte oder diesen anderweitig unterstützen möchte, kann sich bei Carola Riehm melden, Telefon 0711/77 03 79 62, E-Mail c.riehm@filderklinik.de.

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