Auf der B 14 in der Innenstadt soll es flexible Tempoanzeigen geben, auf Höhe der Leonhardskirche (hinten links) einen zusätzlichen Blitzer. Foto: Leif Piechowski

Möglichst sauber, nicht mehr möglichst schnell sollen Autofahrer in Stuttgart von A nach B gelangen. Auf der B 14, der Hauptroute durch die Feinstaubhauptstadt, plant die Verwaltung für einen besseren Verkehrsfluss ein veränderliches Tempolimit. Die EU fördert 16 dynamische Anzeigen samt Blitzer.

Stuttgart - Auf der B 14 durch die Stuttgarter Innenstadt ist einiges im Fluss. Zwischen dem Mineralbad Leuze und dem Neckartor bremst Tempo 50 samt Geschwindigkeitsmessgeräten den Verkehr. Unbestreitbarer Effekt, den selbst passionierte Autofahrer nicht wegdiskutieren können: Auch in den Stoßzeiten rollen die Autos weitgehend gleichmäßig Richtung City. Mit messbaren Ergebnissen am Neckartor, dem Feinstaubzentrum der Republik. Allerdings werden die Grenzwerte immer noch jedes Jahr an mehr Tagen überschritten, als die Europäische Union gestattet. Auch 2013 ist die 35-Tage-Hürde längst gerissen.

Deshalb soll dort per variable Richtgeschwindigkeitsanzeige der Autoverkehr noch konstanter an den Ampeln vorbeirollen. Die Anlagen, laut Ordnungsbürgermeister Martin Schairer Bestandteile des Luftreinhalteplans, sollen im Bereich der Schwabengarage noch in diesem Jahr aufgestellt werden – grüne Welle für weniger Feinstaub.

Auch im weiteren Verlauf der B 14 will die Stadt den Verkehr elektronisch regulieren, hin zu weniger Stop-and-go. „Dann entsteht weniger Feinstaub“, erklärte Oberbürgermeister Fritz Kuhn bei einer Tagung am Dienstag, während der Stadtplaner und Verkehrsexperten aus den Städten Brünn, Malaga und Tel Aviv im Rathaus Ideen für saubere Mobilität diskutierten und austauschten. Die vier Städte sind Teil des europaweiten Projekts 2move2, das die europäische Union (EU) bis 2016 mit 9,1 Millionen Euro fördert. Aus dem Topf wird unter anderem bezahlt, was die Stadt auf der B 14 bis zum Heslacher Tunnel testen möchte: Ab dem Neckartor soll ein dynamisches Tempolimit den Verkehr am Rollen halten.

Neuer Blitzer in Höhe Leonhardskirche

Wenn mehr Autos unterwegs sind, regulieren 16 Geräte die erlaubte Geschwindigkeit von 50 in zwei Stufen auf 40 oder 30 km/h und umgekehrt. Ein Blitzer auf Höhe der Leonhardskirche kontrolliert dann, ob die Geschwindigkeitsbeschränkungen eingehalten werden. Staus an den Ampeln und vor allem vor dem Tunnelportal sollen dann der Vergangenheit angehören. Grünphasen und Tempolimit werden von der städtischen Verkehrsleitzentrale in Bad Cannstatt aus geschaltet. Im Idealfall soll also eine grüne Welle die Autofahrer vom Neckartor zum Heslacher Tunnel tragen. „Ein hehres Ziel“,sagt Schairer. Ihm dürfte bewusst sein, dass sich das manche Autofahrer, die regelmäßig vor der Röhre feststecken, nur schwer vorstellen können.

2014 will die Stadt die Geräte aufstellen. Kosten: 500 000 Euro, von denen 250 000 aus EU-Mitteln bezahlt werden. Der Test dauert bis Herbst 2016, da die EU das Projekt für diesen Zeitraum fördert. Im Lichte der Ergebnisse werde entschieden, wie es danach weitergeht, heißt es in Schairers Referat.

In einem nächsten Schritt würde die Stadt gerne auch Lkw-Ströme lenken. Der Schwerlastverkehr, der etwa über den Schattenring und den Birkenkopf nach Stuttgart rollt, soll bei Stau per intelligente Verkehrssteuerung entsprechend ausweichen können. „Das ist aber noch nicht finanziert“, sagt Schairer. Sein Referat will dem Gemeinderat bei den Haushaltsplanberatungen im Herbst ein ganzes Bündel von Vorschlägen präsentieren. Unter anderem sollen mehr Kameras den Verkehr beobachten. „Die Leitzentrale ist in vielen Bereichen der Stadt noch blind“, so Schairer. Gedacht ist offenbar auch an einen Blitzer auf der B 14 zwischen Schattenring und den Tunneln im Stuttgarter Süden, wo derzeit Tempo 80 gilt.

ADAC warnt vor zu großen Erwartungen

Tempolimit, Blitzer – der Autofahrerlobby stellen sich bei diesen Stichworten gewöhnlich die Haare zu Berge. Der ADAC Württemberg sieht die Pläne der Stadt denn auch kritisch. Den Verkehr verflüssigen? Grundsätzlich ein guter Ansatz, sagt ADAC-Sprecher Raimund Elbe. Aber?

Aber warum gewinnt dann die Diskussion um einen Fußgängerüberweg im Bereich der Kulturmeile wieder an Fahrt?, fragt der ADAC-Sprecher. Elbe warnt überdies vor allzu großen Erwartungen hinsichtlich weniger Feinstaub, da Autos nur zum Teil Ursache der Luftverschmutzung seien. „Das Grundproblem in Stuttgart ist, dass es kein Gesamtverkehrskonzept gibt.“ Den Feinstaub punktuell zu bekämpfen, hält er für kurios, das Ganze noch mit einem Blitzer zu garnieren gar für einen „Taschenspielertrick“. Die Geschwindigkeit sollte seiner Ansicht nach nur aus Gründen der Verkehrssicherheit kontrolliert werden. Ein verkehrliches Gesamtkonzept bestehe stattdessen aus vielen Faktoren. Hinsichtlich der B 14 sollte man laut Elbe etwa auch die zweite Röhre des Heslacher Tunnels „als Vision nicht aus den Augen verlieren“.

Bei der grünen Welle durch die Stadt sieht der ADAC offenbar noch rot.

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