Das sind die neuen Pläne: Hochhaus, flachere Nachbarbauten und unterirdische Sporthalle. Foto: Gerber Architekten/StZ-Bearbeitung: Lange

Der Versicherungskonzern hat seine Pläne für die künftige Stuttgart-Zentrale stellenweise überarbeitet und möchte nun bald bauen. Im Rathaus ist der Rückhalt für das Projekt groß, an anderer Stelle gibt es Gegenwind.

Stuttgart - Der Bau von Büros an der Heßbrühlstraße für fast 4500 Allianz-Mitarbeiter rückt näher. Am Dienstag hat der 17-köpfige Ausschuss für Umwelt und Technik bei zwei Gegenstimmen gut geheißen, was die Stadtverwaltung und der Versicherungskonzern nach dem Architektenwettbewerb aushandelten. Dazu zählt die Erhaltung einer großen Eiche, die Mittelpunkt eines kleinen Platzes werden soll. An der Südseite des Areals soll ein mindestens 40 Meter breiter Grünzug erhalten werden. Auch in Nord-Süd-Richtung ist ein öffentlicher Weg durch das Bauareal vorgesehen. Um die Frischluftströme weniger zu blockieren, wurde für eines der geplanten Gebäude der Grundriss verändert. Von den Fußgängerbrücken, die im Entwurf des Büros Gerber Architekten zwischen drei Gebäuden vorgesehen waren, wird eine entfallen, eine andere weniger opulent ausfallen.

Der Ausschuss stimmte dem Auftakt des Verfahrens zu, das in die öffentliche Auslegung des Bebauungsplanentwurfs und der geplanten Neufassung des Flächennutzungsplans münden soll. Danach konnte am Dienstagabend auch der Bezirksbeirat diskutieren. Dass dieser Entwurf tatsächlich der Bevölkerung vorgelegt wird, soll der Technik-Ausschuss am 26. Februar beschließen. Die Riege von SÖS/Linke-plus ist dagegen. „Hier werden wichtige Umweltbelange der Stadt verhökert für die Profitinteressen eines Unternehmens“, protestierte Luigi Pantisano (SÖS). Tatsächlich wird die Bebauung der bisherigen Sportflächen des Allianz-Sportvereins TSV Georgii trotz gewisser Korrekturen die Frischluftversorgung in Vaihingen schmälern. Für das Gros des Gemeinderats geht es aber um eine Gesamtabwägung. Firmen müssten in der Stadt bleiben, hier Gewinn machen und Steuern beibringen können.

Die Ratsmehrheit hat die Gesamtstadt im Blick

„Ich verstehe, dass mancher Nachbar gegen das Vorhaben ist“, sagte Hans Pfeifer (SPD). Aber man müsse für die Gesamtstadt handeln, Lasten verteilen. Bezirke am Neckar würden schon lang Belastungen durch Arbeitsstätten tragen. Beate Schiener (Grüne) wies den Vorwurf des Verhökerns zurück. Carl-Christian Vetter (CDU) meinte, durch die sinnvolle Ansiedlung würden am bisherigen Allianz-Standort in Stuttgart-West hoch verdichtete Flächen frei. Auch Bau- und Umweltbürgermeister Peter Pätzold (Grüne) verteidigte die Ansiedlung „an einem Nahverkehrsknotenpunkt“. Die Lösung sei „verträglich“.

Die Allianz spricht von einem „fairen Kompromiss“. Nur hier, wo man Sportflächen besaß, könne man in Stuttgart zügig zeitgemäßen Ersatz für die in die Jahre gekommenen Mietbüros in der Uhlandstraße und Reinsburgstraße schaffen, auch weitere verstreute Büros konzentrieren, sagte Rainer Hagenbucher, Stuttgarter Allianz-Standortleiter, unserer Zeitung. Der rund 39 Millionen Euro betragende finanzielle Vorteil, den die Allianz aus der Umwandlung von Sport- in Bauflächen zieht, werde zu großen Teilen aufgebraucht: durch weitere Ausgaben neben dem mittleren dreistelligen Millionen-Betrag für die Büroanlage.

Bauherrin bezahlt Straßenumbauten und AWS-Verlagerung

So will die Allianz von März an nebenan auf städtischem Grund einen Kunstrasenplatz und Beachvolleybaldfelder bauen, die Heßbrühlstraße und die Liebknechtstraße umbauen lassen. Sie bezahlt Umzüge von SWSG-Mietern und die Verlegung des AWS-Betriebshofes, um ihr Gelände zu arrondieren. Um Verkehrsprobleme zu entschärfen, will sie die Förderung von Jobtickets „kurzfristig ausbauen“, Fahrgemeinschaften und die Nutzung von Elektrofahrzeugen fördern. Flexible Arbeitszeiten sollen es allen Mitarbeitern ermöglichen, Hauptverkehrszeiten zu umgehen.

Ursprünglich hatte Allianz ihre Arbeitsplätze in Stuttgart 2021 in Vaihingen konzentrieren wollen. Dieses Zeitziel musste korrigiert werden. Nun sei der Umzug eher 2022 zu erwarten, sagte Allianz-Standortleiter Rainer Hagenbucher im Sommer 2017. Inzwischen könnte auch der Termin knapp werden. In Angriff genommen hatte man das Vorhaben 2016, im Juli 2017 endete ein Architektenwettbewerb.

Die entschiedenste Ablehnung schlägt der Allianz aus dem Bezirk Vaihingen entgegen. Der Bezirksbeirat hat die Ansiedlung schon im vergangenen Jahr strikt abgelehnt. Nun befasst sich das Gremium wieder mit dem Themenkomplex.

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