Die Stadt möchte an der Heßbrühlstraße eine Kindertagesstätte errichten. Zielgruppe sind Eltern, die im Synergiepark arbeiten. Foto: dpa

An der Heßbrühlstraße im Gewerbegebiet Vaihingen soll eine neue Kindertagesstätte für vier Gruppen entstehen. Eröffnen könnte sie 2017. Einige Mitglieder des Vaihinger Bezirksbeirats zeigten sich verärgert über die Vorgehensweise der Stadt.

Vaihingen - „Es nutzt alles nichts. Die Plätze reichen nicht, wir brauchen die Kitas.“ Diesen Appell ließ die SPD-Betreuungsstadträtin Roswitha Blind in der jüngsten Sitzung des Vaihinger Bezirksbeirats verlauten. In dieser stellten Hartmut Fautz vom Hochbauamt und Daniel Nikoleizig vom Amt für Liegenschaften und Wohnen die geplante Tageseinrichtung für Kinder an der Heßbrühlstraße vor. Die Mitarbeiter der Verwaltung waren in das Gremium gekommen, um sich die Zustimmung für den Vorprojektbeschluss zu holen. Die haben sie letztlich mit 13 Ja-Stimmen bei vier Enthaltungen zwar bekommen. Zuvor äußerten einige Bezirksbeiräte jedoch Kritik an der Vorgehensweise der Stadt.

Stadt ließ Typenbauten entwickeln

Zunächst erinnerte Hartmut Fautz die Lokalpolitiker an die Sachlage. 2011 habe die Stadt aufgrund des Mangels an Betreuungsplätzen beschlossen, Typenbauten zu entwickeln und zu erstellen. Man befinde sich nun in Tranche 3, in der neben der Kita in Vaihingen zwei weitere Einrichtungen an der Hofener Straße in Bad Cannstatt und am Ibisweg in Mühlhausen realisiert werden sollen. Im aktuellen Doppelhaushalt sind dafür rund 9,5 Millionen Euro eingestellt. Die Gebäude werden schlüsselfertig von Generalunternehmern gebaut.

An der Heßbrühlstraße – auf der städtischen Fläche zwischen dem Naturheil- und Luftbadeverein sowie dem Aero-Club – soll eine Kita mit vier Gruppen und 55 Plätzen entstehen. Bis Sommer 2015 will die Stadt so weit sein, den Auftrag vergeben zu können, im Frühjahr 2016 rechnet man mit dem Baubeginn und ein Jahr später mit der Fertigstellung. „Ein Bebauungsplan mit vorgesehener Nutzung für eine Kindertagesstätte ist vorhanden“, sagte Fautz.

Kritik an Vorgehensweise der Stadtverwaltung

Besonders an diesem Punkt störten sich die Grünen-Bezirksbeirätinnen Christa Tast und Kristin Wedekind. Es sei schwer, bei einer Kita kritische Bemerkungen zu machen, schickte Tast vorneweg. „Aber das ist bereits die dritte Grünfläche, die wir bereitstellen sollen. Und hier besteht sogar schon Baurecht, warum hat man uns nicht früher über diese Fläche informiert?“, monierte sie. Ihnen seien kürzlich städtische Liegenschaften vorgestellt worden, warum habe man sich nicht für die Katzenbachstraße entschieden? Daniel Nikoleizig erklärte, dass der Typenbau vom Grundriss her nicht auf das Grundstück an der Katzenbachstraße gepasst hätte. „Leider, es wäre unser Favorit gewesen“, sagte er.

Auch Kristin Wedekind wollte wissen, warum man ihnen nicht bereits in der ersten Tranche diese Fläche gezeigt habe, wo doch explizit Baurecht für eine Kindertagesstätte bestehe. „Davor hat man uns Bolzplätze, Festwiesen und ähnliches präsentiert. Das ist nicht in Ordnung“, rügte sie.

Kurzsichtige Stadtplanung

Gerhard Wick (SÖS/Die Linke) machte seinem Ärger ebenfalls Luft. „Mich stört die Art, wie in Stuttgart Stadtplanung gemacht wird: so wenig vorausschauend“, sagte er. Städtische Häuser würden verkauft und wenige Jahre später werde klar, man hätte sie als Kita nutzen können; man plane Flächen mit Büros zu und dann greife man für Kindertagesstätten auf die letzten Grünflächen zurück. „Und wir können dann nicht nein sagen, weil es ja eine Kita ist“, verdeutlichte er und kündigte an, sich zu enthalten. Blind reagierte auf Wicks Kritik: Man habe 20 000 Einwohner hinzugewonnen und brauche nun einmal Wohnungen und Kitas. Grün wolle man außerdem haben und Arbeitsplätze auch. „Es konkurriert immer alles mit allem. Aber wir wollen eben keinesfalls auf die Grünflächen außerorts gehen“, betonte sie.

Für dauerhafte Lösung braucht es ordentliches Baurecht

Auch Nikoleizig warb um Verständnis. „Wir suchen die Nadel im Heuhaufen“, sagte der Mann vom Liegenschaftsamt und wies die Bezirksbeiräte außerdem auf den Unterschied zwischen Fertig-Kitas in Systembauweise und Typenbauten hin. Darin liege ihre Auswahl begründet. „Die einen sollen nur für fünf Jahre als Zwischenlösung entstehen. Die anderen sollen bleiben, daher brauchen wir für diese ein ordentliches Baurecht“, erläuterte er. An der Heßbrühlstraße solle ein ebensolcher dauerhafter Typenbau entstehen.

Nachdem die Betreuungsstadträtin Blind mit ihrem Appell an die Dringlichkeit des Bauprojekts erinnert hatte, votierten die Bezirksbeiräte schließlich mehrheitlich für den Vorschlag der Verwaltung.

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