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Das mit PCB belastete Gebäude der Zollbergrealschule ist nicht zu halten. Damit beginnt wieder die Diskussion um die Schulentwicklung.

Esslingen - Die Nachricht des Tages kam bei der Esslinger Gemeinderatssitzung am Montag quasi zwischen den Zeilen. Die Realschule auf dem Zollberg muss abgerissen werden. Das hätten Gutachter empfohlen, berichtete der Esslinger Oberbürgermeister Jürgen Zieger, und die Verwaltung habe sich dieser Meinung angeschlossen, weil selbst in einem generalsanierten Gebäude noch eine Restbelastung von PCB vorhanden sei.

Das könnte die Eltern davon abhalten, ihre Kinder an der Schule anzumelden. Zieger geht davon aus, dass der Gemeinderat ebenfalls für einen Neubau stimmen wird, die Unterstützung der grünen Fraktion hat die Fraktionschefin Carmen Tittel bereits signalisiert.

Die Stadt braucht mindestens neun Realschulzüge

Vordergründig ging die Diskussion am Montagabend indessen um ganz etwas anderes. Die Grünen, die Freien Wähler und die FDP hatten einen Eilantrag gestellt, in der sie eine Denkpause in der Schulentwicklungsplanung fordern, eben wegen der veränderten Sachlage auf dem Zollberg. Ein Vorschlag, der auch von der CDU und der SPD unterstützt wurde.

Die Stadtverwaltung drückt aufs Tempo, weil sie fürchtet, Zeit und Geld zu verlieren, denn an der Schulentwicklungsplanung hängt auch der Architektur-Wettbewerb für die Schule in der Pliensauvorstadt, der dadurch aufgehalten wird. Gegenwärtig ist geplant, in der Lerchenäckerschule, in der Schule in der Pliensauvorstadt und auf dem Zollberg je drei Realschulzüge unterzubringen. Die Zollberg Realschule wird neu gebaut, an der Lerchenäckerschule wird angebaut, die Schule in der Pliensauvorstadt wird umgebaut. Bei Bedarf könnte man die Realschule auf dem Zollberg noch durch einen vierten Zug ergänzen, weil es dort am meisten Grundfläche gibt.

Möglicher Verlust von Zeit und Geld

Der Esslinger Kulturbürgermeister Markus Raab brachte es so auf den Punkt: „Wenn wir später bauen, werden die Baukosten teurer, wir verlieren Flexibilität und Zeit.“ Außerdem bestehe die Gefahr, dass Schüler in den Esslinger Schulen nicht unterkommen könnten.

Gerade die Gemeinderäte, die jahrelang in der Schulentwicklungsplanung mitgearbeitet haben und deren Arbeit nun möglicherweise zunichte gemacht wird, forderten diese Denkpause, beispielsweise auch Annette Silberhorn-Hemminger von den Freien Wählern: „Durch das PCB-Problem an der Zollbergrealschule haben wir einfach eine andere Situation als noch vor einem halben Jahr, als wir die Schulentwicklung beschlossen haben.“ Das wollte Jürgen Zieger nicht gelten lassen: „Die Zahlen sind bekannt und werden sich nicht ändern, und der Gemeinderat wird nach der Sommerpause auch nicht klüger sein als jetzt“, sagte er.

Wichtige Verwaltungskraft wird fehlen

Für die Schulplanung innerhalb der Stadtverwaltung ist der Amtsleiter Bernd Berroth verantwortlich. Er vertritt eine ähnliche Meinung: „Wir haben die Schülerzahlen auf dem Tisch und daraus ergibt sich, dass wir neun Realschulzüge vorhalten müssen und eventuell noch einen zehnten in Reserve haben müssen.“

Weswegen es der Verwaltung pressiert, erklärt sich auch damit, dass Markus Raab am 31. August in den Ruhestand geht und für ihn noch kein Nachfolger in Sicht ist, nachdem die von der CDU betriebene Kandidatur von Heike Schokatz fehlgeschlagen war, und durch die neue Sitzverteilung das Vorschlagsrecht jetzt bei den Grünen liegt. Das bedeutet, dass mit dem Sozialbürgermeister die wichtigste Verwaltungskraft für eine neue Diskussion der Esslinger Schulentwicklungsplanung fehlen würde.

Der Oberbürgermeister Jürgen Zieger hat die Diskussion als eine krachende Niederlage für die Esslinger Stadtverwaltung erlebt. Sein Kommentar für diese erste Sitzung in der neuen Legislaturperiode des Gemeinderates: „Das fängt ja gut an.“

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