Für Dörte Bester ist die Karlshöhe ein besonderer Teil Ludwigsburgs. Als Direktorin will sie sich dafür einsetzen, dass die Einrichtung weiter in die Stadt hineinwirkt. Foto: factum/Granville

Dörte Bester ist neue Theologische Vorsitzende und Direktorin der Karlshöhe. Als Pfarrerin legt sie Wert darauf, auch weiter predigen zu können.

Ludwigsburg - Eigentlich kann man sich als Pfarrer nicht aussuchen, über welche Bibeltexte man predigt: Bei evangelischen Gottesdiensten schreibt das die Perikopenordnung vor. Dass es jetzt am Sonntag eine Passage aus dem ersten Johannes-Brief war, kam der Pfarrerin Dörte Bester aber sehr gelegen, wie sie sagt. „Dort heißt es: ‚Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.’ Die Botschaft der Nächstenliebe passt auch gut zur Karlshöhe“, findet die 44-Jährige.

Am Sonntag wurde Bester in einem Gottesdienst als neue Theologische Vorsitzende und Direktorin der Stiftung Karlshöhe eingeführt. Die Predigt dazu in der Kirche der Karlshöhe hielt sie selbst. Bester übernahm damit das Amt von ihrem Vorgänger, dem Pfarrer Frieder Grau. Als Direktorin wird Bester im Auftrag der württembergischen evangelischen Landeskirche auch verantwortlich sein für die Berufungsvorbereitung, die Berufung und Einsegnung der Diakone. Zum Vorstand der Karlshöhe gehören weiter Anne Hauser als Diakonische Vorsitzende und Frank Gerhard als Wirtschaftlicher Vorsitzender.

Im Büro muss erst noch eingeräumt werden

In gewisser Weise hat Bester Heimvorteil, denn sie ist in Ludwigsburg geboren und aufgewachsen. „Ich bin gerne zurückgekommen“, sagt sie. Seit einer Woche wohnt sie nun mit ihrem Mann, dem Leiter des landeskirchlichen Pastoralkollegs, Ernst Michael Dörrfuß, auf der Karlshöhe. In ihrem Büro im Verwaltungsgebäude ist es noch karg, erst müssen Möbel aufgestellt, Umzugskisten ausgepackt werden.

In den vergangenen sieben Jahren war Bester Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Aich-Neuenhaus im Aichtal im Kreis Esslingen, wo sie an der Fusion der beiden Kirchengemeinden Neuenhaus und Aich beteiligt war. Zudem war sie Vorsitzende einer Diakoniestation. Bester hat Theologie in Heidelberg, Berlin und Tübingen studiert, wo sie auch promovierte.

Klare Sprache und Transparenz als Anliegen

Ihren Führungsstil beschreibt Dörte Bester mit folgenden Worten: „Verlässlichkeit, Verbindlichkeit, Vertrauen, Verantwortung.“ Ihr ist es wichtig, dass sie neben der organisatorischen Verantwortung auch weiterhin die Möglichkeit für Predigten hat. „Eine Stelle, wo ich meinen Talar nicht hätte tragen dürfen, wäre für mich nicht in Frage gekommen“, sagt sie. Dabei ist ihr eine klare Sprache ein Anliegen, in den Predigten wie im Umgang mit ihren Mitarbeitern: „Mir ist wichtig, dass man weiß, woran man ist.“ So plädiert sie auch für transparente Entscheidungen.

Für Bester ist die Karlshöhe längst ein selbstverständlicher Teil der Stadt Ludwigsburg, „und das im positiven Sinne“. Diese Verbindung will sie weiter pflegen und dafür sorgen, dass das Sozialunternehmen mit seinen knapp 600 Mitarbeitern und 900 Bewohnern weiterhin in die Stadt hineinwirkt. Zumal die Einrichtung in diesem Jahr ihr 140-jähriges Bestehen feiert. Als große Herausforderung sieht sie im gesamtgesellschaftlichen Kontext die Integration der Flüchtlinge. Die Karlshöhe leiste hier bereits einen Beitrag: Derzeit leben hier 40 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Ein weiteres großes Projekt ist der Neubau des Hauses Doppelpunkt. Hier sollen von 2017 an Menschen mit psychischen und sozialen Problemen unterkommen.

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