Christine Herbeau und David Lefebvre bieten Gegensätze mit ihren so verschiedenen Kunstwerken.„Babel“ ist eines der Hauptwerke in der neuen Ausstellung der Galerie Am Laien. Foto: factum/Weise

Zwei sehr verschiedene Sparten Kunst sind in der Galerie am Laien zu sehen: Malerei und Keramik. Vor allem für die Bilder braucht der Betrachter viel Zeit. Aber warum?

Ditzingen - E s sind riesige Gegensätze, welche das Künstlerpaar Christine Her-beau und David Lefebvre auf Einladung des Kultur- und Kunstkreises Ditzingen in den weiß dominierten Räumen aufbaut: Zum einen hängen da zum Teil sehr große Ölgemälde an den Wänden, die auf den ersten Blick mystisch wirken. Die aber dem Betrachter sehr viel an Zuwendung abverlangen. Und dann stehen kleine Schüsselchen in glasiertem Dunkelrot und stattliche Vasen in mattiertem Schwarz auf Podesten vor oder zwischen den Bildern. So unterschiedlich kann Kunst sein.

Die 46-jährige zierliche Französin und ihr zwei Jahre älterer Partner kommen aus Rillieux-la-Pape, der Partnerstadt Ditzingens bei Lyon. Zum zweiten Mal stellen jetzt Künstler aus dem Partnerverein des Kultur- und Kunstkreises in Ditzingen aus. „Der Verein gibt kein Thema vor“, sagt Barbara Fauservom Kunstkreis. Jeder Künstler, auch die aus den Partnerstädten, kann seine Werke zeigen, wie es ihm beliebt.

Monumentale Formate

Bei denjenigen von David Lefebvre fallen zunächst die übergroße Formate ins Auge – sie zeigen Monumente. Optische Täuschung in der Architektur ist das Generalthema: sei es beim Turmbau zu Babel, sei es bei den vielen Kuppeln der weltbekannten Basilica di San Marco in Venedig. Diese Bilder kann man zwar auch im Vorübergehen betrachten – was aber eigentlich eine Missachtung jeden Kunstwerkes darstellt. In diesem Fall aber muss man genau hinsehen, um die Faszination zu erkennen und alle Details zu erfassen, auf die der Künstler Wert legt.

Da gehen bei den Kuppeln die Innen- und Außenseiten auf dem Bild ineinander über. Oder Treppen enden im Unendlichen oder im Nichts. Oder es sind Säulen, die oben, an den Kapitellen, noch ganz normal und stabil aussehen. Je weiter das Auge aber an dem scheinbar stabilen Tragwerk nach unten gleitet, desto weniger stabil wird dieses. Und dort, wo die Last auf dem Boden aufliegen soll, hat sich die Säule in Stengelchen aufgelöst – die nichts halten.

David Lefebvre spielt mit den Grundlagen der Architektur – und er freut sich spitzbübisch, wenn er mal wieder einen Zuschauer drangekriegt hat. Wenn dieser Betrachter stehen bleibt, jedes Detail studiert, sich über Babel Gedanken macht – dann hat der Künstler sein Ziel erreicht. Doch nicht nur Säulen oder Kuppeln stellt er dar und baut optische Täuschungen ein; er nutzt häufig die Fluchtpunktperspektive, die er unstimmig darstellt, oder er versteckt Tierkreiszeichen in seinen Motiven – und pro Bild eine Person. Ganz winzig.

Schöne Form und praktische Form der Keramik

Dagegen sind die Schalen, Vasen und Schüsselchen von Christine Herbeau leicht erklärt. Sie sind so gemacht, dass schöne Form und praktische Funktion sich ergänzen, beispielsweise bei einer Obstschale. Eine Vase kann auch für sich hübsch sein und muss nicht nur das vergängliche Kunstwerk Blumenstrauß für vier, acht oder zwölf Tage beherbergen. Die Künstlerin verwendet roten Ton; bei den Schalen glasiert sie diesen mit Dunkelrot, die Vasen erreichen ihr Schwarz mithilfe von Eisen und Mangan. Auch da wird Rot eingesetzt – als Akzent, als kleiner Aha-Effekt. Der hintere Raum der Galerie, der eigentlich immer eine kleine Überraschung birgt, enttäuscht auch dieses Mal nicht: Da stehen vier kraftvolle Vasen auf hohen Podesten – die sowohl als Quartett wie einzeln wirken.

Was ihr die Farben bedeuten? Nur wegen des Kontrastes habe sie Schwarz und Dunkelrot verwendet, meint Christine Herbeau, da stecke „nichts Psychologisches“ dahinter. Trotzdem haben auch ihre Werke irgend etwas Geheimnisvolles.

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