Die Cranko-Schule ist fertig. Über einen öffentlichen Weg entlang des Neubaus wird immer noch diskutiert. Foto: /Max Kovalenko

Eine Mehrheit der Fraktionen im Bezirksbeirat Stuttgart-Mitte unterstützt in einem Antrag die Haltung des Gemeinderats, mit Land und John-Cranko-Schule noch einmal über einen Gehweg entlang des Ballettinternats nachzuverhandeln.

S-Mitte - Der CDU-Bezirksbeirat spielt mit den Worten, als er seine Haltung zu einem Pfad entlang der neuen John-Cranko-Schule beschreibt. „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, sagt Klaus Wenk. Seine CDU hat mit anderen Fraktionen einen Antrag unterzeichnet. Er steht unter der Überschrift: „Neuer Rückenwind für Durchwegung an der John-Cranko-Schule.“ Die Fraktionen begrüßen es, dass der Gemeinderat sich im Juli mit großer Mehrheit für Nachverhandlungen über den strittigen Pfad Neubaus ausgesprochen hat.

Neubau ist fertiggestellt

Nach rund fünf Jahren Bauzeit ist der Neubau an der Urbanstraße seit Sommer fertig. Schon seit Jahren wird zwischen Stadt, Schule und Land aber um ein Detail bei den Planungen gerungen. In einem Vertrag aus dem Jahre 2015 haben sich Stadt und Land darauf geeinigt, dass auf dem Gelände der neu zu bauenden Ballettschule ein Gehweg von der Uhlandshöhe ins Stadtzentrum führen soll.

Ein Vorbehalt war dem Vertragswerk aber beigefügt: Die Parteien sollten sich über die Einrichtung des Weges einig sein. Von einer Übereinstimmung fehlt bis heute jede Spur. Das Ballettinternat beharrt darauf, dass ein öffentlicher Weg die Eleven bei ihren Proben neugierigen Blicken preisgeben würde. Die Schule sieht darin ein Sicherheitsrisiko.

Fraktionen waren sich einig

Der Bezirksbeirat Mitte war sich in der Vergangenheit stets einig, dass dieses Argument nicht sticht. Immer wieder votierte das Gremium für einen Gehweg. Es verwies darauf, dass es sogar 300 000 Euro aus eigenen Mitteln zur Stadtverschönerung für das Wunschprojekt zur Verfügung gestellt hat. Von der Summe ist auch im jüngsten Antrag von CDU, FDP, SPD, der Fraktionsgemeinschaft von Linken, SÖS, Piraten und Tierschützern und der Gemeinschaft Puls aus Junger Liste, Stadtisten und der Partei die Rede.

Klaus Wenk freut sich über die Einigkeit der Fraktionen. Nur die Grünen, mit vier Bezirksbeiräten die größte Fraktion im Gremium, haben den gemeinsamen Antrag nicht unterzeichnet.

Grüne favorisieren Kompromiss

Der Grünen-Sprecher Wolfgang Kaemmer begründet dies damit, dass es seit dem Sommer einen Vorschlag zur Lösung des alten Streits gibt. An ihm hat maßgeblich die Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle mitgewirkt. Die Grünen-Politikerin tritt bei der Oberbürgermeisterwahl im November als Kandidatin für die Nachfolge von Fritz Kuhn an. „Frau Kienzle und die Bürgerinitiative Casa Schützenplatz haben mit der John-Cranko-Schule einen sehr guten Kompromiss erarbeitet, der eine Teilöffentlichkeit mit Vertrag herstellt“, teilt Kaemmer in einer schriftlichen Erklärung mit. Frank Schweizer vom Anwohnerverein Casa Schützenplatz hatte im Sommer den Bezirksbeiräten bei einer Sitzung im Rathaus eine Idee skizziert, die jenseits der Maximalforderungen liegt. Der Verein soll für das Gelände um die Ballettschule einen Schlüssel erhalten. Er kann städtischen Gartenbau – das sogenannte Urban Gardening – rund um das frühere Wartehäuschen betreiben und in Absprache mit der Schule zu Kulturveranstaltungen einladen.

Klaus Wenk kann in dem Vorschlag keinen Kompromiss erkennen. Denn auch bei einer Nutzung durch den Verein Casa Schützenplatz fehle der Allgemeinheit ein dauerhafter Zugang zu dem Gelände. „Ich kann keinen Mehrwert für die Öffentlichkeit erkennen“, sagt Wenk.

SPD fordert den Gehweg

Ähnlich sieht das auch der SPD-Bezirksbeirat Heinrich Huth. Er hat bereits bei der Präsentation der Pläne im Sommer seine Kritik geäußert. Es habe bei der Sitzung keine Möglichkeit gegeben, über den Vorschlag abzustimmen, moniert er. „Deshalb gilt nach wie vor, dass der Bezirksbeirat die Durchwegung fordert. Das war das Ergebnis aller bisherigen Abstimmungen“, sagt Huth. Der Wunsch der Schule nach Privatsphäre für die Eleven hätte seiner Meinung nach vor dem Bau geklärt und etwa durch den Einsatz von Milchglasfenstern erfüllt werden können, findet Huth. In der Frage eines Gehwegs rückt der SPD-Bezirksbeirat nicht von seiner Haltung ab: „Öffentlicher Raum gehört der Öffentlichkeit.“

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