Traum oder Wirklichkeit? Sigmund Freud (Robert Finster) in der Badewanne mit Fleur Salomé (Ella Rumpf) Foto: Netflix/ORF

Was taugt der Mystery-Thriller „Freud“, in dem der Erfinder der Psychoanalyse Mörder jagt? Unser Schnelltest verrät, ob es sich lohnt, die Netflix-Serie aus Österreich anzuschauen.

Stuttgart - Das Leben ist zu kurz, um es mit schlechten Serien vor dem Fernseher zu verschwenden. Wir haben für Sie gesehen: den achtteiligen Mystery-Thriller „Freud“, der von Montag, 23. März, an bei Netflix verfügbar ist.

Die Story in drei Sätzen Eine grausige Mordserie sucht das Wien des Jahres 1886 heim. Der junge Sigmund Freud (Robert Finster), der gerade von einer Studienreise aus Paris heimgekehrt ist, wird von seinen Arztkollegen wegen seiner neuen kuriosen Theorien verlacht. Gemeinsam mit dem berühmten Medium Fleur Salomé (Ella Rumpf) und dem Kriegsveteranen Alfred Kiss (Georg Friedrich) sucht Freud nach dem Mörder und findet heraus, dass hier nicht nur ein Serienkiller sein Unwesen treibt, sondern dass dahinter eine nationale Verschwörung lauert.

Was soll das alles? In Zeiten, in denen US-Präsidenten Untote jagen (der Kinofilm „Abraham Lincoln vs. Zombies“) oder Schriftsteller durch ihre eigenen Horrorstorys irren (die TV-Serie „Gogol“), ist es eigentlich verwunderlich, dass nicht schon früher jemand auf die Idee gekommen ist, den Erfinder der Psychoanalyse zum Profiler zu machen, zu einem Sherlock Holmes des Unbewussten. Schließlich handelt sein Gesamtwerk fast ausschließlich von triebhaftem Verhalten, von Sex- und Gewaltfantasien.

Wer steckt dahinter? Marvin Kren ist Drehbuchautor, Regisseur und Produzent dieser Serie. Sein größter Erfolg war bisher die in Berlin-Neukölln spielende Gangster-Serie „4 Blocks“.

Die Szene des Tages In der dritten Episode inspiziert Freud einen Tatort. Plötzlich verwandelt sich die Szene in eine Oper, und der Täter singt eine Arie aus Heinrich Marschners „Der Vampyr“: „Haha! Welch Ergötzen! Welch Ergötzen! / Welche Lust! Ha, welche Lust! / Mit neuem Mut, mit neuem Mut / Durchglüht mich ihr Blut / Ihr Todesbeben ist frisches Leben!“

Wer soll das gucken? All jene, die irrwitzige Fantasien mögen und der Auffassung sind, dass die Welt unbedingt eine Serie braucht, die „Babylon Berlin“, „Charité“ und „Sherlock Holmes“ auf einmal ist, sind bei „Freud“ gut aufgehoben.

Wer nicht? Zwar heißen die Episoden nach zentralen Themen in Freuds Theorie (Totem und Tabu, Hysterie, Trieb, Regression, Verdrängung), aber alle, die ein braves Sigmund-Freud-Biopic erwarten, werden sicher enttäuscht. Freud hat seine frühen Aufzeichnungen komplett vernichtet. Das gibt Kren und seinen Co-Drehbuchautoren Stefan Brunner und Benjamin Hessler alle Freiheiten der Welt.

Lexikon unnützen Wissens I Während die Serie historisch korrekt Wien als Schmelztiegel der Kulturen zeigt, flunkert sie, wenn sie Freud und Arthur Schnitzler zu Freunden erklärt, die gemeinsam um die Wette koksen. In Wirklichkeit kannten sich die beiden kaum. Das mit dem Kokainkonsum stimmt dagegen.

Lexikon unnützen Wissens II „Freud“ ist die erste Koproduktion von Netflix mit dem ORF.

Bingewatching-Faktor? „Freud“ hat alles, was ein sehr guter Thriller braucht: einen verwirrenden Plot, komplexe Charaktere und viele skurrile Ideen. Allerdings sieht die Serie bei der Umsetzung zu oft nach ORF und zu wenig nach Netflix aus.

Gesamtnote 2-3

Alle acht Episoden sind von Montag, 23. März, an bei Netflix verfügbar.

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