Die neueste Netflix-Eigenproduktion erzählt hochdramatisch inszeniert die Geschichte des berüchtigten kolumbianischen Drogenbosses Pablo Escobar (Wagner Moura). Foto: Netflix

Der Streaming-Dienst Netflix hat das Fernsehen zwar nicht neu erfunden, die etablierten TV-Sender aber ziemlich ins Schwitzen gebracht. Davon profitieren in erster Linie die Zuschauer, die Qualitätsserien mögen. Aber Netflix reicht das längst nicht mehr.

Stuttgart - Ein Mann ohne Gewissen wird zum mächtigsten Drogenboss der Welt, ein anderer zum Präsidenten der USA. Ein blinder Anwalt spielt Superheld. Eine Managerin landet im Knast. Ein Landei erkundet New York City. Ein Hippie zieht in eine Senioren-WG. Mit solchen Geschichten unterhält der Internetsender Netflix derzeit seine Abonnenten.

Den Abokanal, der in den USA inzwischen zur wichtigsten medialen Macht geworden ist, gibt es seit einem Jahr auch in Deutschland. Am 16. September 2014 begann damit hierzulande die mediale Zukunft. Nicht unbedingt weil die Serien, die das kalifornische Unternehmen zeigt und produziert, so viel besser sind als die der anderen Programmanbieter, sondern weil Netflix kein herkömmlicher Sender ist.

Netflix gibt es nur im Internet, Netflix veröffentlicht Serienepisoden nicht im Wochenrhythmus, sondern stellt ganze Staffeln auf einmal ins Netz, Netflix folgt einem Geschäftsmodell, das unterstellt, dass Qualität langfristig mehr Gewinn abwirft als Quote, Netflix bietet Abonnenten exklusive und hochwertige Eigenproduktionen wie zuletzt „Daredevil“, „Grace & Frankie“, „Unbreakable Kimmy Schmidt“, „Sense8“, „Bloodline“ oder „Narcos“.

Die Konkurrenz reagiert

Aber das Beste an Netflix ist letztlich, dass die anderen reagieren mussten und reagiert haben. Die traditionellen, teilweise gebührenfinanzierten Sender bieten ihre Inhalte nun vermehrt auch im Netz und jederzeit verfügbar an. Und all jene Video-on-Demand-Platt­formen, die mit Netflix um Marktanteile ­konkurrieren, produzieren inzwischen auch eigene ­Inhalte. Amazon Prime zum Beispiel –  in Deutschland Marktführer im Video-on-Demand-Segment – hat mit „Transparent“, der tragikomischen Serie um einen Mann, der sich als transsexuell outet, eine der besten Serien der aktuellen TV-Saison im Angebot.

Netflix ist es derweil in der Fernsehwelt längst zu klein geworden und drängt nun sogar ins Kino.  Nachdem auf der Berlinale bereits der Dokumentarfilm „What Happened, Miss Si­mone?“ zu sehen war, feierte gerade beim Filmfest in Venedig das Kindersoldaten-Drama „Beast Of No Nation“ Premiere.

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