Die Idylle am Filderstädter Bärensee trügt. Im Hintergrund läuft eine Diskussion über den Sauerstoffgehalt in dem Gewässer. Foto: Thomas Krämer

Um den Sauerstoff im Bärensee in Filderstadt stand es schon mal besser. Das ist für die darin lebenden Fische schlecht. Was könnte helfen? Angler und Naturschützer geben auf die Frage nach der Prävention unterschiedliche Antworten.

Filderstadt - Enten schwimmen auf dem Wasser des Bärensee im Wald westlich von Plattenhardt, im Sommer gehen abends Fledermäuse auf die Jagd nach Insekten; Libellen schwirren um Pflanzen, und Amphibien suchen Schutz unter den Blättern von Teichrosen. Diese Idylle wird allerdings von der Diskussion darüber gestört, ob – und wenn ja, wie – der niedrige Sauerstoffgehalt im Gewässer erhöht werden soll und kann, damit Fische gut darin leben und überleben können.

Eine dicke Eisdecke habe, so Frank Weissert von der Anglergruppe Bärensee, den Sauerstoffgehalt im Winter 2017 so stark absinken lassen, dass die meisten Fische verendeten. „Einige Fischpaare haben überlebt, so dass wir heute wieder Schleie, Rotfeder und einige Rotaugen im Gewässer haben“, sagt der Schriftführer des Vereins, der aktuell neun aktive Mitglieder hat. Als Hauptschuldigen für den immer niedrigen Sauerstoffgehalt hat er jedoch vor allem die – allerdings vom Verein selbst eingebrachten – Teichrosen ausgemacht, die sich im Flachwasserbereich des Sees stark ausgebreitet haben und den produzierten Sauerstoff nach seinen Worten nicht ins Wasser, sondern in die Atmosphäre abgeben.

Die Idee sei den politischen Gremien wohl schwer vermittelbar

„Eine mechanische Belüftung lässt sich den politischen Gremien wohl nicht vermitteln“, sagt Weissert. Auch er sieht die hohen Kosten für den Belüfter, weil eine Stromleitung zum Bärensee verlegt werden müsste. Und der Betrieb würde nach seiner Schätzung 2000 Euro im Jahr kosten. „Wir sind daher für eine Lösung auf biologischer Basis“, sagt er. Und die sieht seiner Meinung nach so aus: Zuerst müsste der Wasserstand des Gewässers um eineinhalb Meter gesenkt werden, dann könnten die Teichrosen mitsamt ihrer Rhizome entfernt werden, die Pflanze auf ein Viertel der bisherigen Fläche reduziert werden. Im dann wieder gefüllten See sollen anschließend vermehrt Unterwasserpflanzen wie das Ährige Tausendblatt oder das Krause Laichblatt den Sauerstoffgehalt erhöhen. Diese Meinung vertrete ein Gutachter der Stadt Filderstadt, sagt Weissert. Für ihn ist der an einer Deponie angelegte See keine Natur und müsse deshalb gepflegt werden, um das ökologische Gleichgewicht zu erhalten.

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Ganz anders sieht dies Eberhard Mayer von der Nabu-Gruppe Filder. Der lehnt eine permanente künstliche See-Belüftung ab, will aber auch nicht die Teichrose zurückdrängen. „Es ist nach Ansicht von Limnologen äußerst unsicher, ob ein Entfernen der Teichrosen zugunsten von Unterwasserpflanzen eine wirklich spürbare Sauerstoffzunahme im See bewirken würde“, sagt er. Ohnehin seien laut Naturschutzgesetz Flachwasserzonen mit Wasserpflanzen rechtlich geschützte Biotope, die Gelbe Teichrose gehöre zudem zu den besonders geschützten Arten. „Wir sind an einer vertrauensvollen Zusammenarbeit mit den Anglern interessiert, aber bei Problemen haben Natur- und Artenschutz in einem flächenhaften Naturdenkmal wie dem Bärensee eindeutig Vorrang vor Nutzerinteressen und Freizeitbetrieb“, sagt Mayer.

Sind es einfach zu viele Fische?

Zum Tod der Tiere 2017 hat laut dem Nabu-Mitglied ein zu hoher Fischbestand in Verbindung mit anderen Ursachen – wie einem geringen Quellzufluss nach einem trockenen Sommer – geführt. „Damit das nicht wieder vorkommt, muss der Fischbestand auf einem angepassten und verringerten Niveau gehalten werden“, sagt Mayer, der auch aus Tierschutzgründen ein solch massives Fischsterben nicht noch einmal erleben will. Ein hoher Fischbestand aber, wie er bis dahin vorgeherrscht habe, verbrauche nicht nur sehr viel Sauerstoff durch Atmung und Auscheidungen. „Er benachteiligt auch die anderen, natürlicherweise vorkommenden Lebewesen wie Amphibien, Libellen, Muscheln und Schnecken sowie geschützte Pflanzen“, sagt Mayer.

Was nun genau getan wird, ist noch unklar. „Es stellt sich die Frage, ob und auf welche Weise der Sauerstoffgehalt verbessert werden kann und muss“, sagt Claudia Arold. Mögliche Maßnahmen, die sich aus dem bestehenden Gutachten ergeben, müssten laut der Filderstädter Umweltschutzreferentin im Technischen Ausschuss beraten und beschlossen werden. „Wie diese genau aussehen, ist noch nicht abschließend geklärt“, sagt Arold. Sie ist erstaunt, dass die Angler hier schon so konkrete Angaben machen können.

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