Ein Jahr lang wurde das Kocherfreibad in Künzelsau umgebaut. Foto: Stadtverwaltung

Nach dem Umbau zum Naturbad nehmen die Künzelsauer ihr „Bädle“ wieder in Besitz. 1,2 Millionen Euro hat sich die Stadt das Flussbad kosten lassen – sehr zur Freude der Bürger, schließlich hat das „Bädle“ eine lange Geschichte.

Künzelsau - Laura Kuch ist begeistert. „Es ist richtig schön geworden“, sagt die junge Frau, die es sich auf der Liegewiese bequem gemacht hat. Die 31-Jährige verbringt mit ihrer Tochter den Nachmittag im neuen Kocherfreibad in Künzelsau (Hohenlohekreis). Schon zum dritten Mal seit der Wiedereröffnung am vergangenen Wochenende, denn: „Seit dem Umbau ist ja auch die Wasserqualität gut.“ Überhöhte Werte an Kolibakterien hatten den Anstoß für das Projekt in der 15 000-Einwohner-Stadt gegeben. Ziemlich genau ein Jahr dauerten die Umbauarbeiten. Vom Baden im Fluss wird nach wie vor abgeraten – im neuen, mit Kocherwasser gespeisten Becken kann jedoch unbesorgt geschwommen werden. Möglich macht‘s der Umbau des Kocherfreibads zum Naturbad, entwickelt vom Bamberger Planungsbüro WasserWerkstatt.

Der Künzelsauer Schwimmmeister Armin Thudium, stilecht in Shorts und mit Badeschlappen, erläutert vor Ort die Funktionsweise. Oberhalb des Bades, am Hang wurde ein Betonbecken gebaut, die so genannte Pflanzenfilteranlage. „Das Kocherwasser wird mit einer Pumpe angesaugt und über die Sprinkleranlage versprüht“, sagt Thudium. Dann sickert es durch ein Kiesbett und wird so gereinigt. „Das ist wie in der Natur.“ Unter dem Filter läuft das – zuletzt noch möglicher Bakterien und Keime wegen mit UV-Licht bestrahlte – Kocherwasser ins 1,30 Meter tiefe Becken, wo es über Quellsteine austritt. „Wir verzichten komplett auf Chlor und andere chemische Reinigungszusätze“, preist Bernd Scheiderer von den KünWerken die natürliche Reinigung.

Die Badestelle gab es schon um das Jahr 1900

Zusätzlich zu den routinemäßigen Checks des Gesundheitsamts werde die Stadtverwaltung auch selbst weiterhin Wasserproben auswerten lassen, heißt es. Rund 1,2 Millionen Euro hat sich Künzelsau sein Flussbad kosten lassen. Eine Investition, die in der Stadt mitgetragen wird, schließlich verbindet die Bewohner mit ihrem „Bädle“ eine lange Geschichte.

Bereits um das Jahr 1900 gründeten Künzelsauer eine so genannte Badehüttengesellschaft. Flussabwärts wurde eine Badestelle mit Umkleidehütte für die Männer eingerichtet; die Frauen gingen am ehemaligen Flusswehr, der Stelle des heutigen Kocherfreibads, ihrem Vergnügen nach. In den Jahren 1965/66 wurde das Wehr abgerissen, lediglich eine Betoninsel trennte das Bad vom Fluss ab. In den 1970er und Ende der 1990er Jahre investierte die Stadt in Planschbecken für Kinder mit moderner Wasseraufbereitung, wie sie heute in Freibädern üblich sind.

Montäglichem Protestschwimmen gegen die Schließung

Für die Künzelsauer freilich ist der Fluss das Maß aller Dinge geblieben. Und so regte sich Widerstand, als das Kocherfreibad 2016 auf Anordnung des baden-württembergischen Sozialministeriums geschlossen werden musste. Woche für Woche demonstrierten die Künzelsauer mit montäglichem Protestschwimmen. „Aufstand am Kocherbad“, titelte die örtliche Zeitung. Schließlich verständigten sich die Behörden darauf, die Badestelle nicht mehr abzusperren, vom Baden aber abzuraten. Keine Lösung auf Dauer. So entschieden Gemeinderat und Bürgermeister Stefan Neumann 2017, das Kocherfreibad zum Naturbad umzubauen.

Bei den Bürgern kommt das an – die Künzelsauerin Laura Kuch hat sich jedenfalls schon entschieden, im nächsten Jahr eine Saisonkarte zu kaufen.

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